• Leihräder, Verkehrsberuhigung, Gehwege: Berliner Initiativen demonstrieren für die Verkehrswende

Leihräder, Verkehrsberuhigung, Gehwege : Berliner Initiativen demonstrieren für die Verkehrswende

Verbände bringen die Forderungen nach einer fußgänger- und radfahrerfreundlicheren Politik auf die Straße. Demos für Mittwoch und Samstag geplant.

Grün vor Rot: So stellt sich die Initiative Offene Mitte Berlin den Grünzug vor dem Roten Rathaus vor.
Grün vor Rot: So stellt sich die Initiative Offene Mitte Berlin den Grünzug vor dem Roten Rathaus vor.Visualisierung: Jan Evertz

Wenn die Verkehrswende nicht in die Gänge kommt, muss man sie eben selber machen. So sehen es Berliner Initiativen, die sich für eine fußgänger- und radfahrerfreundlichere Politik einsetzen. Zwei Demonstrationen sind in den kommenden Tagen geplant.

„Rad ab!“, fordert der Fußgängerlobbyverband „Fuss“ am Mittwoch um 16 Uhr auf dem Alexanderplatz. Zwar hat der Senat schon in Aussicht gestellt, dass E-Scooter künftig nicht mehr auf Gehwegen, sondern auf Auto-Parkplätzen abgestellt werden sollen. „Aber auch die Leih-Fahrräder brauchen schnell solche Regeln“, sagt Fuss-Vorstand Roland Stimpel.

Er fordert die Behörden außerdem auf, konsequenter gegen Falschparker, Gehweg-Radler oder auf dem Bürgersteig wuchernde Lokale und Läden vorzugehen. „Sie alle behindern die größte Verkehrsteilnehmer-Gruppe“, klagt Stimpel – die Fußgänger.

Auf weiten Gehwegstrecken erkennt der Verband „ein völliges Staatsversagen“ und appelliert an die Berliner Bezirke: „Das knappe Personal wird oft an der falschen Stelle eingesetzt. Sicherer und ausreichender Raum für die Schwächsten im Verkehr ist wichtiger als die Frage, ob in der Parkzone ein paar Tickets abgelaufen sind.“

Das Fazit vom Verein Fuss: Nie seit der ersten Nachkriegszeit waren Berlins Gehwege so unbrauchbar wie heute.

Initiative für Spandauer Straße ohne Autos

Als menschenfeindlich empfindet die Initiative Offene Mitte Berlin auch die Gegend rund ums Rote Rathaus. Ein breites Bündnis aus Verkehrs- und Umweltverbänden, darunter ADFC, BUND, Greenpeace und Changing Cities, fordert deshalb, die Spandauer Straße für Autos zu sperren.

Eine Verkehrsberuhigung dieser und der Karl-Liebknecht-Straße sehen zwar auch die vom Senat 2016 beschlossenen Bürgerleitlinien vor. Trotzdem sind auf der Spandauer Straße neben einer Tramstrecke zwei Fahrspuren in jede Richtung geplant.

„Wir wollen diese autogerechte Verkehrsplanung nicht länger hinnehmen“, sagt Matthias Grünzig von der Initiative. Deshalb lädt sie zum autofreien Protestpicknick ein, an diesem Samstag, 15 bis 17 Uhr, an der Spandauer Straße Ecke Rathausstraße.

Vor dem Roten Rathaus stellen sich Grünzig und seine Mitstreiter eine Grünfläche vor. Die Chance dafür böte ein 2020 stattfindender Wettbewerb für das Gebiet zwischen Alexanderplatz und Humboldt-Forum.

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