Mantrailer-Hunde der Polizei : Die Schnüffler vom Dienst

Bei Vermisstenfällen wie dem der Schülerin Rebecca nehmen Mantrailer-Hunde der Polizei die Fährte auf. Sie leisten Unglaubliches.

Stephanie Birk
Such! Der elf Wochen alte bayerische Gebirgsschweißhund Duke ist noch in der Ausbildung als Mantrailer.
Such! Der elf Wochen alte bayerische Gebirgsschweißhund Duke ist noch in der Ausbildung als Mantrailer.Foto: Thilo Rückeis

Schlummernd liegt der kleine Duke im Schoß seiner Diensthundeführerin Susanne Makai. Der elf Wochen alte Bayerische Gebirgsschweißhund ist der jüngste Nachwuchs bei den Spürnasen der Berliner Polizei. Die erfahrenen Personenspürhunde werden an diesem Tag im Einsatz gebraucht.

In Hellersdorf wird ein siebenjähriger Junge vermisst, dort wird das zweite Team jetzt gebraucht. In Berlin gibt es jedes Jahr mehrere tausend Vermisstenfälle, die meisten davon klären sich glücklich auf: Kinder, die die Zeit vergessen haben, jugendliche Ausreißer, oder ältere, oft verwirrte Personen, die sich verlaufen haben.

Bei den wenigen anderen Fällen, bei denen die Polizei vermuten muss, dass die Vermissten zu Opfern einer Gewalttat wurden, spielen die Mantrailer-Hunde eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung. Auch bei der Suche nach der vermissten Rebecca Reusch waren die speziell ausgebildeten Hunde beteiligt – bisher allerdings ohne der 15-Jährigen auf die Spur gekommen zu sein.

Der Erfolg der Diensthunde ist immens

Aktuell hat die Berliner Polizei vier Mantrailer-Hunde im Einsatz, jetzt soll auf sechs Hunde aufgestockt werden. „Der Erfolg der Diensthunde ist immens“, sagt Polizeioberkommissar Matthias Dahlke. „Im Blutspurenbereich führte das Züngeln meines Hundes zur Aufklärung eines Mordfalls.“ Der Täter hatte den Tatort stark mit Spülmittel gereinigt.

Hund im Einsatz. Auch bei der Suche nach der vermissten Rebecca aus Britz wurden Mantrailer eingesetzt.
Hund im Einsatz. Auch bei der Suche nach der vermissten Rebecca aus Britz wurden Mantrailer eingesetzt.Foto: Patrick Pleul/dpa

Nur die Hundenase konnte das Blut des Opfers, das durch Tritte zu Tode gekommen war, noch an der Tür erschnüffeln. Nachdem der Täter zum Blut des Opfers an seiner Tür befragt worden sei, hätte dieser alles zugegeben. „Ohne den Hund hätten wir da nichts mehr rausfinden können“, versichert Dahlke.

Die Mantrailer helfen auch, Leben zu retten. „Letztes Jahr im Januar hat der Hund Benji einen älteren Mann aufgefunden, der sonst verstorben wäre“, erinnert sich Makai. Benji ist der erste Personenspürhund der Berliner Polizei, seit neun Jahren ist er im Einsatz. Der Hund spürte den vermissten 80-Jährigen im Unterholz in der Wuhlheide auf.

Was die Tiere leisten, kann bisher keine Maschine übernehmen

Durchnässt wurde der Mann ins Krankenhaus gebracht. Auch einem vermissten britischen Touristen retteten die Vierbeiner Ende letzten Jahres das Leben. Das letzte Mal wurde der Mann, der unter Demenz litt und Medikamente benötigte, nach einer Bustour gesehen.

Im Hotel suchten ihn seine Mitreisenden. 24 Stunden blieb er verschwunden, bis die Mantrailer-Hunde ihn in einem anderen Zimmer des Hauses aufspürten. „Wer weiß, wie lange er dort noch gesessen hätte.“ Die Tochter und die britische Botschaft waren erleichtert. „Die Dankbarkeit für die Arbeit der Hunde ist wirklich etwas Besonderes“, sagt Hundeführerin Makai.

Was die Tiere leisten, kann bisher keine Maschine übernehmen. Ein Hund hat circa 250 Millionen Riechzellen. Der Mensch besitzt etwa acht Millionen. „Die Hunde haben ein unglaublich ausgeprägtes Geruchsgedächtnis.“ Nach einmaligem Schnüffeln verfolgten die Mantrailer Strecken von mehreren Kilometern.

Bis zu 36 Stunden halten sich Geruchsmoleküle in der Luft

Personenspürhunde arbeiten nicht mit der klassischen Fährte über den Boden, sondern über Geruchsmoleküle in der Luft. Wichtig ist dabei ein sogenannter Abgangspunkt. Bei Vermisstenfällen ist es der Ort, an dem die Person das letzte Mal gesehen wurde. Außerdem werde ein Geruchsartikel benötigt. Im Fall des vermissten Kindes kann das etwa ein Gegenstand sein, den das Kind angefasst hat.

Auch das Alter der Spur spiele eine Rolle. „Nach einer Woche können wir nichts mehr ausrichten“, bemerkt Makai. Bis zu 36 Stunden hielten sich die Geruchsmoleküle in der Luft. Die Wetterlage ist dabei ein wichtiger Faktor. Bei Hitze werden die Spuren deutlich schneller zersetzt. Regen könne die Geruchspartikel sogar wegschwemmen. Die optimalen Wetterbedingungen für eine Suche: 15 Grad, kein Wind und kein Regen.

„Bei der Suche eines Straftäters, nutzen wir einen Geruchsartikel am Tatort“, erklärt Matthias Dahlke. Auch eine berührte Türklinke kann ausreichen. Oder ein Autositz. Im vergangenen Jahr wurden die Mantrailer in der Ermittlung zum Überfall auf einen Geldtransporter am Alexanderplatz eingesetzt.

Ausbildung eines Personenspürhundes dauert etwa zwei Jahre

„Eine Flucht hat mit Adrenalin zu tun, die Täter fangen an zu schwitzen“ erzählt Makai. Von den Sitzen des Fluchtfahrzeugs wurden die Individualgerüche der Täter entnommen und den Hunden vorgehalten. Nach zwei tiefen Schnüffelzügen und dem Startsignal des Diensthundeführers kann die Suche losgehen.

Bis zum ersten Einsatz ist es jedoch ein langer Weg. Die Ausbildung eines Personenspürhundes dauert etwa zwei Jahre. „Besonders wichtig ist es, den Hund lesen zu lehren“, erklärt Susanne Makai. Die kleinsten Verhaltensänderungen seien bedeutend. Es reiche ein verändertes Rutenspiel oder eine Kopfbewegung.

Die Körpersprache des Hundes gibt den Diensthundeführern viele Hinweise. „Man merkt es dem Hund sofort an, wenn man in die Nähe eines Straftäters kommt“, erzählt Makai. Er wird besonders aufgeregt. Gibt der Hund die Zeichen, können die Beamten die Umgebung speziell absuchen.

Die Ausbildung ist intensiv und kostspielig

Die Arbeit funktioniert nur im Team. Dazu gehören immer zwei Hunde, ihre jeweiligen Führer und zwei sogenannte Backs (Sicherheitsbeamte), die den Weg absichern. Die Ausbildung ist intensiv und kostspielig. Makai ist die nächsten zwei Jahre ausschließlich für die Ausbildung ihres Hundes Duke zuständig und in Einsätzen als Back dabei.

Immer wieder gebe es Menschen, die aufgrund der Kosten an der Notwendigkeit der Spürnasen zweifeln. „Spätestens wenn ein Angehöriger vermisst wird, man selbst überfallen oder jemand ermordet wurde, guckt man nicht mehr auf die Kosten, sondern auf die Effizienz“, sagt Matthias Dahlke. Die Hunde seien zwar nicht billig, aber: „Der Polizeihubschrauber ist auf jeden Fall teurer“, bemerkt Makai.

Das Wichtigste ist die positive Bestärkung

Den vermissten Jungen in Hellersdorf konnte das Einsatzteam noch am selben Tag aufspüren. Der siebenjährige Junge aus Hellersdorf war bei der Ex-Freundin des Vaters gefunden worden.

Doch nicht immer findet der Personenspürhund eine Zielperson so schnell. Manchmal kann er nur eine Richtung vorgeben. In diesen Fällen wird der Einsatz am nächsten Tag nachgestellt, damit der Hund ein Erfolgserlebnis hat, kommt er diesmal an ein Ziel. „Das Wichtigste ist die positive Bestärkung, nur so bleiben die Tiere motiviert“, sagt Makai.

Mehr zum Thema

Genau damit fängt Dukes Ausbildung jetzt an. In den ersten Wochen lernt er zunächst seine Umwelt kennen und sammelt so viele positive Erfahrungen, wie nur möglich.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar