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Maskenpflicht für den Nahverkehr : So bunt ist Mundschutz in Berlin – nicht nur in der Bahn

#BerlinZeigtMaske: Seit Montag ist in Bus und Bahn ein Mundschutz vorgeschrieben. Viele tragen ihn schon lange in der Öffentlichkeit. Hier erzählen sie, warum.

Enthüllungsjournalismus. Unser Reporter traf auf dem Alexanderplatz Menschen mit Mundschutz – natürlich mit dem gebotenen Abstand.
Enthüllungsjournalismus. Unser Reporter traf auf dem Alexanderplatz Menschen mit Mundschutz – natürlich mit dem gebotenen Abstand.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ab Montag gilt in Berlin ein neues Gebot: Du sollst eine Maske tragen.

Die Mundschutzpflicht, der mit Beginn dieser Woche alle Fahrgäste in Bussen und Bahnen unterliegen, ist zwar bisher auf den öffentlichen Nahverkehr beschränkt. Aber auch auf den Straßen sieht man immer mehr Menschen, die Mund und Nase bedecken, um die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu reduzieren.

Wer Maske trägt, signalisiert, dass er sich und andere schützen will. Und viele zeigen mit originellen Entwürfen, dass sich hinter jeder Maske ein besonderer Mensch verbirgt. So bleibt Berlins bunte Vielfalt sichtbar, auch wenn Gesichter verhüllt sind.

Unter dem Hashtag #BerlinZeigtMaske ruft der Tagesspiegel auf Twitter und Instagram zum digitalen Maskenball auf. Wir haben außerdem Menschen am Alexanderplatz getroffen, die uns erklärt haben, was sie hinter ihren Masken denken – natürlich mit angemessenem Abstand.

Miranda, Prenzlauer Berg: "Es ist eine Verantwortungsgeste"

Meine Maske habe ich aus einer alten Pyjamahose aus Flanell selbst genäht – ohne Maschine und Anleitung, alles improvisiert. Also echte Handarbeit. Oben in der Maske ist so ein Draht von den Müslipackungen eingenäht, damit kann ich die Maske zusammendrücken.

Miranda hat ihre Maske aus einer Pyjamahose genäht.
Miranda hat ihre Maske aus einer Pyjamahose genäht.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ich finde sie vor allem in der S-Bahn praktisch, aber gerade arbeite ich zu Hause, ich bin nicht so oft unterwegs. Ich fühle mich durch die Maske nicht unbedingt selbst geschützt, aber wir müssen älteren Menschen eine Sicherheit geben. Ich finde, es ist eine Verantwortungsgeste. Ich komme aus New York und habe da auch noch Familie, da ist die Situation besonders schlimm, gerade in Altersheimen. In Berlin finde ich es beeindruckend zu sehen, wie der Risikofaktor runtergegangen ist, weil die Leute verantwortlich miteinander umgegangen sind.

Hamit, Charlottenburg: "Es ist angenehmer für mich"

Hamit gehört zur Risikogruppe und hofft, dass das Stoffstück ihn schützt.
Hamit gehört zur Risikogruppe und hofft, dass das Stoffstück ihn schützt.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Das Tuch trage ich zu meinem eigenen Schutz. Ich bin Rentner, ich hatte zweimal einen Herzinfarkt, habe Allergien und bin Diabetiker – ich gehöre also zur Risikogruppe. Ich versuche, zu Hause zu bleiben – und wenn ich rausgehe, mache ich mir eben ein Tuch um. Es ist angenehmer für mich, draußen zu sein, wenn ich es trage, ich glaube, dass das irgendwie hilft. Ich gehe aber sehr selten raus und bleibe eher zu Hause, lese oder schreibe. Meine Bekannten, meine Kinder – alle tragen Masken. Ich werde mir in den nächsten Tagen auch selber eine Maske nähen, ich habe ja Zeit.

Elisabeth, Steglitz: "Ich fühle mich damit nicht wirklich sicher"

Elisabeth möchte verantwortlich handeln und andere schützen.
Elisabeth möchte verantwortlich handeln und andere schützen.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die Maske hat mir meine Mutter aus Gotha geschickt. Dort gibt es ein Projekt: Leute, die zurzeit keine Arbeit haben, nähen die Masken, geben sie an die Apotheke und da werden die dann verkauft. Ich fühle mich damit nicht wirklich sicher, aber ich trage sie, um andere zu schützen. Ich will da Verantwortung zeigen für andere Leute, ich weiß nicht, ob ich das Virus habe, und will nichts weitergeben. Ich habe die Maske etwa vor zwei Wochen angefangen zu tragen, wenn ich draußen unterwegs bin und die Öffentlichen benutzen muss, um zur Arbeit zu kommen. Ich arbeite als Referendarin am Gericht, da trage ich die Maske nicht.

Paula, Friedrichsfelde: "Man muss ja nichts riskieren"

Paula nutzt seit zwei Wochen einen Mund- und Nasenschutz zum Einkaufen.
Paula nutzt seit zwei Wochen einen Mund- und Nasenschutz zum Einkaufen.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Meine Maske hat mir eine Bekannte genäht, die macht das gerade für ihre Freunde, Bekannten und Verwandten – sie verkauft die aber nicht. Ich trage die Maske jetzt seit etwa zwei Wochen, immer wenn ich einkaufen gehe, mit den Öffentlichen fahre oder auf großen Plätzen bin, vor allem zum Schutz für andere. Ich sehe ja nicht, ob ich das Virus habe oder nicht.

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Ich bin Erzieherin im Kindergarten und war zwar jetzt lange im Homeoffice, aber man muss ja nicht riskieren, jemanden anzustecken, gerade ältere Menschen. Meine Mutter gehört auch zur Risikogruppe. Im Homeoffice mache ich grade alles Mögliche an Dokumentationen, Beobachtungen aufschreiben, Selbststudium, alles, was man nicht geschafft hat im Normalbetrieb. So ist es nicht nur eine schlechte Zeit, es ist auch gut für die eigene Persönlichkeitsentwicklung und für Recherche.

Es würde helfen, wenn mehr Leute Masken tragen würden. Ich finde es auch gut, dass die Leute in Bussen und Bahnen Masken tragen müssen. Ob es so sinnvoll ist, jetzt alles wieder zu lockern, bezweifle ich – nicht, dass wir das dann in einer Woche bereuen werden.

#BerlinZeigtMaske: So bunt kann Mundschutz sein

Unter dem Hashtag #BerlinZeigtMaske haben in den vergangenen Tagen schon viele Berlinerinnen und Berliner auf Twitter und Instagram und ihre persönlichen Masken vorgestellt. Die Vielfalt ihr groß: vom selbst genähten Mundschutz bis zum feinen Stoff aus der Krawattenmanufaktur, gepunktet, kariert, mit bunten Bildchen oder gleich in Regenbogenfarben. Hier einige Beispiele.

Felix, Weißensee: "Eine trügerische Sicherheit"

Die Maske hat meine Mutter genäht, das hat sie in den letzten zwei, drei Wochen gemacht, als das mit der Maskenpflicht etwas mehr in die Medien kam. Meine Stiefgeschwister haben auch alle Masken bekommen. Am Anfang wollte ich die Maske eher aus Höflichkeit annehmen, aber dann habe ich gesehen, dass es gar nicht so dumm ist, eine zu tragen.

Felix hält die Regel für sinnvoll, befürchtet aber eine „trügerische Sicherheit“.
Felix hält die Regel für sinnvoll, befürchtet aber eine „trügerische Sicherheit“.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Erst hieß es ja, Masken seien nicht so wirkungsvoll. Ich kann mir aber auch als Nichtmediziner vorstellen, dass der Stoff größere Tröpfen abfängt. Trotzdem glaube ich, dass es eine trügerische Sicherheit mit der Maske ist. Es bringt uns ein paar Prozent mehr Sicherheit und wenn die Behörden es empfehlen, vertraue ich denen auch.

[Spät dran? Hier gibt es Tipps, wie sie jetzt noch an Masken kommen - und hier zeigen wir mit Schnittmuster, wie's sie selbst eine nähen können.]

Ich bin Rechtsanwalt und gerade im Homeoffice, ein paar Leute gehen noch ins Büro, aber ich habe auch noch ein Kind zu Hause – meine Freundin und ich teilen uns jetzt die Betreuung. Meine Mutter hat auch Masken für meinen Sohn gemacht, wie sinnvoll das bei Kleinkindern ist, muss man mal schauen.

Camille, Prenzlauer Berg: "Keine Regeln wie in Frankreich"

Camille fürchtet eine Ausgangssperre wie in Frankreich.
Camille fürchtet eine Ausgangssperre wie in Frankreich.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die Maske habe ich selber genäht. Es ist wichtig, sich durch eine Maske zu schützen. Ich bin gerade schwanger, da möchte ich einen zusätzlichen Schutz haben. Als Französin höre ich viele Neuigkeiten aus Frankreich, die mich sehr besorgen. Meine Familie wohnt in Versailles, die bleiben gerade alle zu Hause und brauchen eine Erlaubnis, um nach draußen zu gehen – ich möchte das für Berlin nicht.

Wenn ich meine Familie höre und sehe, wie es in Deutschland ist, ist das ein großer Unterschied. Ich trage die Maske seit dem Anfang des Shutdowns im März. Ich habe auch Masken für die Praxis meiner Hebamme genäht. Die hatte mich gefragt, ob ich noch mehr nähen kann, für ihre Mitarbeiterinnen und für andere Mütter.

Ursula, Kreuzberg: "Angeguckt, als sei ein Ufo gelandet"

Ursula ist froh, dass die Leute sie nicht mehr wie eine Außerirdische anstarren.
Ursula ist froh, dass die Leute sie nicht mehr wie eine Außerirdische anstarren.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die Maske hat meine Tochter gemacht und ich trage sie im Grunde genommen seit Anfang Februar. Da haben mich die Leute noch angeguckt, als sei ein Ufo gelandet – aber das war mir egal. Ich habe gehört, dass es in China losging, und für mich war es nur eine Frage der Zeit, bis es nach Deutschland kommt. Ich habe dann auch sofort angefangen, Handschuhe zu tragen. Manchmal ist es unangenehm, sie zu tragen, aber ich mach das ja nicht, um schöner zu sein, sondern um nicht krank zu werden.

Mit Maske fühle ich mich sicherer. Jeder lebt nach seiner eigenen Fasson – ich habe kein Recht, die Leute zurechtzuweisen, aber wenn wir nicht aufeinander achten, wird diese Krankheit noch fünf Jahre dauern. Ich komme ursprünglich aus Polen, meine fast 90-jährige Mutter erzählt, dass dort eine strenge Quarantäne angesagt ist, nur in besonderen Fällen dürfen die raus. Die sind etwas zu streng. Hier sind wir für meine Begriffe zu locker.

Adel, Prenzlauer Berg: "Bei der Arbeit trage ich sie auch"

Adel hilft Obdachlosen und kocht seine Maske nach dem Tragen in Wasser aus.
Adel hilft Obdachlosen und kocht seine Maske nach dem Tragen in Wasser aus.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ich arbeite bei der Notübernachtung der Berliner Stadtmission, ich helfe da Obdachlosen. Die selbst gemachten Masken haben wir als Spende bekommen. Ich habe mehrere, wir müssen sie nach dem Tragen auch immer auskochen. Im Prinzip habe ich, seit das mit dem Virus losging, in den letzten Wochen immer mal wieder Maske getragen – heute wurde ich auch in der Bank aufgefordert, eine aufzusetzen.

Ich fühle mich nicht unbedingt sicherer, wenn ich die Maske aufhabe, aber gerade muss man das ja machen. Ich arbeite nicht im Homeoffice, sondern gehe zur Arbeit, da trage ich sie auch. Wir müssen die Obdachlosen jetzt unterstützen und wir brauchen viele Leute. Eigentlich umarmen wir sie immer, wenn wir sie treffen, jetzt wehren das manche ab – manche. Andere wollen das aber immer noch gerne, da müssen wir leider sagen, dass das gerade nicht geht.

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