Robin H. und seine Mutter dachten weiter, und es wurde abgründig

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Mord in Lübars : Eine verhängnisvolle Affäre

Der Mann hat mit Robin und Cornelia H. keine besonders guten Erfahrungen gemacht. Der Verkauf platzte, weil die H.s nicht zahlen konnten. Zurück blieben Ärger und vorschnell abgerissene Mauern.

Einer, der ganz hoch hinaus wollte, gemeinsam mit seiner Mutter, für die er der Größte war: So sehen die beiden im Rückblick aus. Und Christin R. mit dabei, Teil des Zukunftsplanes „eigener Reiterhof“.

Nachdem Cornelia H. und Robin den Reiterhof im Wald hatten räumen müssen, suchten sie ein neues Objekt. Sie fanden es im Oktober 2011 in Wutzetz im Havelland, weit westlich von Berlin, und pachteten es. Noch so ein Idyll, modern ist bloß die Starkstromüberlandleitung. Eine Handvoll Häuser um den „Dorfring“ herum. „1889“ steht auf der Fassade des Hauses, in dem Christin R. mit Robin und Cornelia H. jetzt lebte, im Garten ein Birnbaum und eine Kastanie. „Völlig zurückgezogen“ hätten die neuen Nachbarn gelebt, sagt der Mann aus dem Haus nebenan.

Irgendwann in dem Winter, der nun folgte, haben Christin R., Robin H. und Cornelia H. zusammen darüber nachgedacht, wie sie den Hof kaufen könnten. Christin und Robin schlossen wechselseitig Risikolebensversicherungen ab, die sie einer Bank als Sicherheit für einen Kredit anbieten konnten. Christin besprach das mit ihren Eltern, das haben die Ermittlungen ergeben. Die Eltern hätten zugestimmt, heißt es – sie mochten Robin. Man kam so gut miteinander aus, dass man Weihnachten zusammen feierte.

Doch Robin H. und seine Mutter dachten weiter, und nun wurde es abgründig: Mutter oder Sohn – sie oder er muss gedacht haben: Was wäre, wenn Christin ums Leben käme? Dann wäre ein hoher sechsstelliger Betrag von der Versicherung fällig, viel Geld für die Zukunft. Die Mutter oder der Sohn? Sie haben es nicht nur gedacht, sie müssen auch geredet haben über einen schrecklichen Plan, über den gewaltsamen Tod der jungen Frau, mit der zusammen sie unter einem Dach lebten. Und was, wenn man den Plan noch steigern könnte, indem man weitere Versicherungen auf Christin R.s Leben abschloss – ohne ihr Wissen? Insgesamt acht Versicherungen sollen, das ist der Stand der Ermittlungen, im Namen von Christin R. zugunsten von Robin H. abgeschlossen worden sein. Höchstens zwei Verträge hat sie selbst unterschrieben.

Dass Mutter und Sohn dachten, damit durchzukommen, frappiert die Ermittler. Versicherungsfachleute sagen außerdem, das Abschließen von Lebensversicherungen ohne Kenntnis des Versicherten sei auch mit gefälschten Unterschriften nicht lange geheim zu halten. Denn die Versicherer seien verpflichtet, die Versicherten regelmäßig über den Stand der Verträge zu informieren. Aber so weit haben Robin H. und seine Mutter wohl nicht gedacht.

„Im Zentrum steht immer die Beute“, sagt ein Kriminalitätsforscher, der sich auskennt mit den Abgründen in der Menschenseele und den Motiven der Verbrecher. Er will hier nicht namentlich zitiert werden, weil er den Fall, aber nicht die Ermittlungsakten kennt. Wenn erst mal das Geld winke, sagt der Mann, dann entwickelten Leute eine „enorme Feindseligkeit“ auch Menschen gegenüber, mit denen sie Tisch und Bett teilen. Sei jemand „zum Opfer gekürt“, dann werde er „heimtückisch, schnöde und böse“ behandelt. Dass ausgerechnet die Schwiegertochter in spe zum Opfer bestimmt wurde, passt womöglich gut zu der Beziehung zwischen Cornelia H. und ihrem Sohn. Leute, die beide zusammen erlebten, sagen, die Mutter habe vom Sohn geglaubt, er habe „unwahrscheinlich was drauf“. Was die Frauen anbelangte, galt für die Mutter, ihr Sohn „kriegt jede“. Ein „Muttersöhnchen“ sei er, so ein Ermittler.

Noch wissen die Ermittler nicht, ob Cornelia oder Robin H. Urheber des Mordkomplotts gewesen ist. Aber sie sind einigermaßen erschüttert davon, wie „extrem abgebrüht, brutal, widerwärtig“ – so sagt es einer – Mutter und Sohn den Plan verfolgten.

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