Nach Pöbeleien auf der ITB : Israelische Aussteller sind bestens gelaunt

Nach dem Protest dreier Wachleute gegen Israel auf der Tourismusbörse: Wie beurteilen Aussteller aus dem Land die Aktion?

Caspar Schwietering
Viel zu sehen, viel zu besprechen. Der Israel-Stand auf der Internationalen Tourismusbörse.
Viel zu sehen, viel zu besprechen. Der Israel-Stand auf der Internationalen Tourismusbörse.Foto: imago/Uwe Steinert

Irritiert schauen viele Besucher, die zur Internationalen Tourismusbörse (ITB) eilen, auf den Mann, der direkt vor dem Messe-Eingang seine spezielle Weltsicht verbreitet: Die zionistischen Geheimdienste aus Israel und den USA hätten sich zusammengetan, um der Welt den Terror zu bringen, steht auf seinen Plakaten. Und die Nazis waren „NAtionalistische ZIonisten“.

Nachdem am Donnerstag drei arabischstämmige Sicherheitsleute der ITB vor dem israelischen Stand rumgepöbelt und „Free Palestine“ skandiert haben, steht hier nun ausgerechnet ein Mann, der an die jüdische Weltverschwörung glaubt.

Die meisten israelischen Aussteller sind bestens gelaunt

Drinnen in der Halle für die Länder aus Nahost sind die meisten israelischen Aussteller aber dennoch bestens gelaunt. Der Messestand des Landes ist gut besucht. In einer Ecke wird für den Giro d’Italia geworben, der dieses Jahr in Israel startet. Wer es sportlich mag, kann sich auf ein aufgebocktes Fahrrad setzen und ein bisschen strampeln. Die meisten Messebesucher interessieren sich aber mehr für die Stände, an denen sich die verschiedenen israelische Regionen vorstellen.

"Wir werden hier schließlich von Mossad bewacht."

Den Protestzug der Sicherheitsleute am Donnerstag hat hier kaum einer persönlich erlebt. Gedauert habe die Aktion nur eine Minute, heißt es immer wieder. „Aber alle reden darüber, vor allem deutsche Journalisten“, sagt Maya Adivi und lacht. Sie tue sich schwer, in drei Parolen skandierenden Männern eine Gefahr zu sehen. „Wir werden hier schließlich vom Mossad bewacht“, sagt die 26-Jährige.

Adivi möchte auf der Messe lieber das Verbindende betonen

Adivi arbeitet für eine junges israelisches Unternehmen, dass Wandertouren rund ums Tote Meer anbietet. Dass nun wieder der israelisch-palästinensische Konflikt die Berichterstattung über den israelischen Auftritt bei der ITB dominiert, findet sie schade. Viele Gäste ihres Unternehmens würden in palästinensischen Hotels übernachten. Im Tourismus arbeiteten die Unternehmen beider Länder eng zusammen, sagt sie. „Da sollten wir auf so einer Messe doch das Verbindende betonen.“

Nebenan unterhält sich der Mitarbeiter eines deutschen Reiseveranstalters mit einem Gast über den Vorfall. „Ich habe das aber auch nicht gesehen“, sagt er. Dass nun ausgerechnet Sicherheitsleute der Messe gegen Israel agitierten, wundert ihn nicht. In der Branche seien schließlich viele türkisch- und arabischstämmige Männer aus bestimmten Milieus aktiv. „Und Biodeutsche mit kurz geschorenen Haaren. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis so etwas passiert.“ Natürlich könne man der Messe den Vorwurf machen, bei der Personalauswahl nicht aufgepasst zu haben, sagt der Mann weiter. „Aber der eigentliche Skandal ist für mich, dass die Gewerkschaft der Polizei in einem Tweet zu dem Vorfall von ,politisch aufgewühlten Männern‘ gesprochen hat. Das war Antisemitismus und das muss man dann auch benennen.“

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