Nach Unfall in Berlin-Treptow : Mahnwache für getöteten Fußgänger

Am Montagabend war ein 22-Jähriger beim Überqueren eines Zebrastreifen von einem Auto erfasst und getötet worden. Am Mittwochabend kamen 60 Menschen zu einer Mahnwache zusammen.

Caspar Schwietering
An der Unfallstelle (Waltersdorfer Straße) setzten sich die Teilnehmer für eine Schweigeminute auf die Straße.
An der Unfallstelle (Waltersdorfer Straße) setzten sich die Teilnehmer für eine Schweigeminute auf die Straße.Foto: Caspar Schwietering

In der Waltersdorfer Straße in Bohnsdorf sind am Mittwochabend rund 60 Menschen zu einer Mahnwache zusammengekommen. Der Verein Changing Cities hatte zu der Demonstration geladen, um an den 22-Jährigen zu erinnern, der dort am Montagabend beim Überqueren eines Zebrastreifens von einem Auto erfasst und getötet wurde.

Auf Schildern forderten Teilnehmer: „Motorisierte Gewalt stoppen!“ und „Straßen für Menschen!“ An der Unfallstelle setzten sie sich für eine Schweigeminute auf die Straße. Anschließend befestigten sie ein weißes Männchen an einem Laternenpfahl, das symbolisch an den getöteten Fußgänger erinnern soll.

Mahnwachen gegen die Anonymität

„Hier auf diesem Zebrastreifen, der Fußgängern die sichere Überquerung der Straße ermöglichen soll, beachtete ein Autofahrer das zwingend vorgeschriebene Sichtfahrgebot nicht“, sagte Stefan Gammelien vom Netzwerk fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg. Leider sei das keine Ausnahme. Nicht umsonst empfehle der ADAC Radfahrern, sich wie Leuchtbojen zu kleiden. Eine unangepasste Geschwindigkeit, das Nicht-Einhalten von Sicherheitsabständen und Abbiegen ohne Schulterblick seien im Berliner Verkehr eher die Regel.

Der Verein Changing Cities, der als Trägerverein des Volksentscheids Fahrrad entstand, veranstaltet seit dem Sommer 2016 Mahnwachen, um an im Straßenverkehr getötete Fußgänger und Radfahrer zu erinnern. „Wir wollen die Getöteten aus der Anonymität der Statistik herausholen“, sagte Denis Petri, Geschäftsführer von Changing Cities. Neben einem Bewusstseinswandel bei Autofahrern möchte der Verein auch eine andere Verkehrspolitik erreichen. „In Deutschland sterben noch immer 3000 Menschen jährlich im Straßenverkehr. Diese Zahl ist nicht hinnehmbar. Bei ähnliche Zahlen im Zug- und Flugverkehr wäre die Hölle los“, meinte Petri. Hier sei die Politik in der Pflicht. Der neue Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sollte Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Städten einführen.

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