Fast drei Viertel des historischen Berlin liegen noch unter dem Pflaster

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Platz da! : Folge 2: Petriplatz

Auch wenn der Maßstab verfehlt wird, die Zukunft des Petriplatzes wird im Geiste der Historie Gestalt annehmen: Auf den freigelegten Grundmauern der früheren Lateinschule entsteht nach langem Tauziehen das Archäologische Zentrum. Die Stadtplaner im Abgeordnetenhaus haben die Gelder zur Vorbereitung des Wettbewerbs freigegeben. Falls sie nicht noch von Senatschef Klaus Wowereit (SPD) gestoppt werden, könnte dieses museale Zentrum zum Touristenmagneten auf dem Petriplatz werden. Landesarchäologe Matthias Wemhoff zieht mit seinen Mitarbeitern dort ein und richtet eine „Schaustelle“ für die Ausgrabungen in Berlin ein.

Mit vielen Überraschungen ist zu rechnen. Denn fast drei Viertel des historischen Berlin liegen noch unter dem Pflaster unbebauter Flächen. Mit der Umgestaltung des alten Zentrums – am Jüdenhof, im Marienviertel, am Schloss und am Molkenmarkt – wird die Geschichte stückweise freigelegt. Im Archäologischen Zentrum, das aus den ausgegrabenen Fundamenten der Lateinschule emporwachsen wird, werden diese Funde gereinigt, datiert und ausgestellt – live, unter den Augen der Besucher.

Schon etwas weiter sind die Planer bei der Entwicklung der neben dem Zentrum gelegenen Brache. Der Verein „Bet- und Lehrhaus Petriplatz Berlin“ hat bereits einen weltweiten architektonischen Realisierungswettbewerb ausgeschrieben. Geplant ist ein „Sakralgebäude des 21. Jahrhunderts“. Es soll „die Vision der drei Religionen vom gebauten Himmel inmitten von Berlin“ Wirklichkeit werden lassen, also ein gemeinsames Haus für Juden, Muslime und Christen. Die Initiative für den „interreligiösen Raum“ auf den Grundmauern der Petrikirche geht von den Religionsgemeinschaften selbst aus. Die Jüdische Gemeinde Berlin, das Forum für Interkulturellen Dialog, die Evangelische Kirchengemeinde St. Petri–St. Marien und das Land Berlin tragen das Projekt gemeinsam.

Beide Neubauten machen die freigelegten Grundmauern und Spuren der mittelalterlichen Gebäude sichtbar und teilweise begehbar. Und archäologische Fenster werden am Schlossplatz und am U-Bahnhof Berliner Rathaus einen Blick auf die Mauern der historischen, unter der Erde liegenden Bauwerke erlauben.

So könnte von einer der beiden Geburtstätten Berlins, nämlich vom Petriplatz aus, ein neues Bewusstsein für die frühe Stadtgeschichte entstehen – und eine neue historische Schicht Berlins erschlossen werden.

Die nächste Folge erscheint am Donnerstag, 26. April. Dann geht es um einen Platz im Herzen einer ständig wachsenden Einkaufsmeile: den Hermann-Ehlers-Platz in Steglitz. Was könnte dem Wochenmarkt mehr Geltung verschaffen und das Areal zum echten Aufenthaltsort machen?

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