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Veränderung im Problemkiez Kurfürstenstraße : Sexshop LSD und Woolworth-Kaufhaus vor dem Abriss

Seit einiger Zeit entstehen rund um die Kurfürstenstraße schicke Neubauten. Nun könnte sich auch die Kreuzung zur Potsdamer Straße radikal verändern.

Noch hat die Potsdamer Straße mit ihren verschiedenen Gesichtern ein typisches Flair, ist aber von Gentrifizierung bedroht.
Noch hat die Potsdamer Straße mit ihren verschiedenen Gesichtern ein typisches Flair, ist aber von Gentrifizierung bedroht.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Das bekannte Sexkaufhaus LSD – Love, Sex and Dreams – in der Potsdamer Straße, Ecke Kurfürstenstraße könnte bald verschwinden, ebenso wie das Woolworth-Kaufhaus gegenüber. „Es ist richtig, dass wir beide Grundstücke gekauft haben“, sagte Till-Oliver Kalähne, Geschäftsführer der SPG & Co Berlin Projektentwicklungsgesellschaft, am Donnerstag dem Tagesspiegel und bestätigte damit entsprechende Medienmeldungen: „Wir hatten eher durch Zufall nunächst das Grundstück, auf dem Woolworth Mieter ist, erworben. Und uns dann um das Grundstück gegenüber bemüht.“ Das LSD gehört noch zum Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Woolworth auf der anderen Seite bereits zu Mitte.

Nicht nur, weil es hier auf der Kurfürstenstraße seit vielen Jahren einen florierenden Straßenstrich gibt, gilt das Gebiet als problematisch. Etwa jeder dritte Erwachsene bezieht Transferleistungen, die Kinderarmut ist hoch. Deshalb sei es besonders wichtig, auf ein gutes Miteinander von Neuzugezogenen und Alteingesessenen zu achten, sagt Peter Pulm vom Quartiersmanagement Schöneberger Norden.

Zu seinem Bereich gehört auch der südliche Teil der Potsdamer Straße, die seit einiger Zeit floriert: Teure Restaurants und Läden siedeln sich an. Der Musikkonzern Sony will hier auf dem ehemaligen Areal der Commerzbank ein neues Luxus-Quartier eröffnen, auch andere finanzkräftige Investoren bekunden Interesse.

„Wir hatten natürlich gehofft, dass sich beim LSD etwas tut, was nicht – wie vor Jahren geplant – in Richtung eines Laufhauses geht“, sagt Pulm. „Laufhaus“ war die Bezeichnung eines Großbordells mit vielen Zimmern, was jedoch vom Bezirk abgelehnt wurde. Der jetzige Käufer will wohl vor allem Gewerberäume einrichten. „Wir wurden bislang noch nicht offiziell informiert“, sagt Pulm: „Wir hoffen aber, dass Anlauf- und Beratungsstellen für sozial Benachteiligte hier auch weiterhin die Mieten zahlen und bei den Menschen bleiben können.“

Der Straßenstrich soll nicht verdrängt werden

Das gilt besonders auch für den Frauentreff „Olga“, eine Anlauf- und Beratungsstelle für drogenkonsumierende Frauen, Transfrauen und Sexarbeiterinnen an der Kurfürstenstraße. Auch dort weiß man noch nichts Genaues über die Zukunft. Die Sorge, dass mit dem Abriss des Sexkaufhauses zugleich versucht wird, den Straßenstrich aufzulösen, wie das Bezirksamt schon einige Male angedacht hat, ist groß. „Hier gibt es wenigstens Hilfe für die Frauen“, sagt eine Sozialarbeiterin. „Das müsste anderswo erst einmal aufgebaut werden.“

Natürlich werde man den Straßenstrich nicht einfach verdrängen, sagt Till-Oliver Kalähne: „Da braucht es gemeinsame Strategien mit dem Bezirksamt, zumal ja nicht die Frauen das Problem sind, sondern die damit verbundene Umgebungskriminalität.“ Er setze aber auch auf die Kraft des Faktischen: „Durch die Bauarbeiten wird die Kurfürstenstraße für längere Zeit zu einer Sackgasse werden. Dadurch ist der Straßenverkehr stark eingeschränkt, die Kundschaft wird also ausbleiben.“

Die baurechtlichen Genehmigungen stehen noch aus

Auf jeden Fall werde es nach dem Bau kein Sexkaufhaus mehr geben. Andere jetzt ansässige Mieter wie Rossmann oder der Imbiss dürften aber wieder einziehen. Auch Woolworth habe bereits einen Mietvertrag mit dem neuen Grundstückseigentumer, sagte ein Unternehmenssprecherin dem Tagesspiegel: „Die Beschäftigten werden für die Zeit der Bauarbeiten alle in den übrigen knapp drei Dutzend unserer Filialen unterkommen.“

Geschäftsführer Kalähne wartet nun auf die baurechtlichen Genehmigungen, dann könne es losgehen, sagt er. Wie hoch die neuen Gebäude werden, stehe noch nicht fest. Bewerber allerdings gebe es bereits genügend. Auch das Interesse von Dax-orientierte Unternehmen auch aus dem Ausland sei groß.

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