Qualitätskommission an Berliner Schulen : Elternausschuss fordert Unterstützung für Schulen

Berlin startet mit einer Qualitätskommission, um die Schulen zu verbessern. Was erwartet der Landeselternausschuss? Ein Gastbeitrag von Norman Heise.

Norman Heise
Ob der Wille zur Veränderung da ist, wird sich im Klassenzimmer zeigen.
Ob der Wille zur Veränderung da ist, wird sich im Klassenzimmer zeigen.Foto: dpa

Zum Schuljahresbeginn haben wir mit unserem Ruf nach einem "Bildungsgipfel", um aus der Berliner "Bildungskrise" herauszukommen, viel mediale Aufmerksamkeit erzielen können. Unser Anlass für die Unzufriedenheit waren die seit Jahren stagnierenden schlechten Ergebnisse der zentralen Vergleichsarbeiten in Mathe und Deutsch, die hohe Anzahl der Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss und der hohe Unterrichtsausfall.

Tagelang haben wir danach zahlreiche E-Mails von Eltern, aber auch von Lehrkräften und anderen an Bildung interessierten Menschen erhalten, die unser Vorgehen unterstützen. Man attestierte dem Landeselternausschuss einen ungewöhnlich "scharfen Ton", auch die Bildungssenatorin selbst war überrascht. Das hat uns wiederum erstaunt. Wie kann man bei diesen schlechten Ergebnissen nicht die Geduld verlieren und aussprechen, dass offensichtlich noch nicht alles getan wurde, um die Berliner Schulen so auf den Weg zu bringen, dass sie ihren schulgesetzlichen Auftrag auch erfüllen können?

Die Senatorin hat nun, obwohl sie keine "Bildungskrise" sieht, eine Qualitätskommission einberufen. Diese soll sich unter fachkompetenter Führung von Prof. Dr. Köller und dem Hamburger Staatsrat a. D. Dr. Voges der für uns weiterhin bestehenden Berliner „Bildungskrise“ annehmen. Dies könnte eventuell ein hoffnungsvoller Beginn sein, um die von uns geforderten sicht- und messbaren positiven Entwicklungen bei den Lernzuwächsen in Wissen, Kompetenzen und sozialen Umgangsformen bei den Berliner Schülerinnen und Schülern zu erreichen.

Der Veränderungswille muss sichtbar werden

Die beiden Experten in Bildung und Bildungspolitik haben mit dem von ihnen aufgesetzten Prozess die Stadt Hamburg ins Mittelfeld bei Bildungsvergleichen geführt. Neben der Expertenkommission wird es eine Praxisgruppe geben, der wir angehören werden. Die Praxiskommission wird die Expertenkommission beraten und Rückmeldungen geben. Erste Ergebnisse sollen im November vorliegen.

So weit, so gut! Nichtsdestotrotz ist für uns der entscheidende Faktor in diesem Prozess, dass der politische Wille nach Veränderung auch sichtbar wird. Ob er da ist, wird sich am Ende in den Klassenzimmern zeigen. Hier müssen die Veränderungen ankommen, ansonsten hat die Politik ihr Ziel nicht erreicht.

Dafür braucht es zunächst einen angstfreien Austausch der Beteiligten und das gemeinsame Verständnis darüber, dass die Schülerinnen und Schüler im Fokus stehen. Eigene Befindlichkeiten sind kontraproduktiv und Schuldzuweisungen helfen auch hier nicht weiter, ebenso wie nur "hintenherum" zu meckern und "vorne herum" nichts zu sagen.
Für uns müssen am Ende kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen stehen, die den Schulen mit entsprechenden Maßnahmen helfen: Dabei, die VERA3-Ergebnisse, die Abschluss-Quote, Förderung, die Berufs- und Studierfähigkeit zu verbessern, Quereinsteigende und Lehrkräfte zu steuern und Unterrichtsausfall zu reduzieren, Teilungsunterricht aufrecht zu erhalten.

Kinder brauchen mehr Struktur

Wir erwarten auch Ergebnisse dazu, wie mit Schulen und Personen umgegangen wird, die es aus eigenem Antrieb nicht schaffen, sich entsprechend zu entwickeln. Das Schulgesetz hat in § 1 einen klaren Auftrag formuliert, dem alle im Bildungssystem wirkenden Menschen nachkommen müssen.
Nicht mehr und auch nicht weniger erwarten wir von der anstehenden Arbeit. Aus den Vorgesprächen mit der Bildungsverwaltung nehmen wir mit, dass man unsere Ziele teilt. Unsere Kinder sind nicht "lernunwilliger" oder "dümmer" als andere Kinder in der Republik, aber sie brauchen jetzt mehr Fachlehrerinnen und Fachlehrer, Struktur, Motivation und Verlässlichkeit in der Schule, als bisher.

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