Hochschule St. Georgen : Katholischer Rektor Wucherpfennig darf im Amt bleiben

Der Vatikan lenkt ein: Ansgar Wucherpfennig darf auch nach seinen liberalen Äußerungen zu Homosexualität Rektor einer katholischen Hochschule bleiben.

Ansgar Wucherpfennig, Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main.
Ansgar Wucherpfennig, Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main.Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Ansgar Wucherpfennig bleibt nach seinen liberalen Äußerungen zu Homosexuellen und Frauen doch Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Er hat nun doch die dafür nötige Unbedenklichkeitserklärung des Vatikans bekommen. Das sogenannte „Nihil obstat“ habe die Bildungskongregation in Rom jetzt erteilt, erklärte die Deutsche Provinz der Jesuiten in München. Wucherpfennig habe eine Erklärung abgegeben, in der er betonte, dass er „als Ordensmann und Priester dem authentischen Lehramt der Kirche verpflichtet sei“.

Der Fall hatte in Deutschland Debatten ausgelöst: Wegen liberaler Äußerungen in einem Interview zu Homosexualität und Frauen in der Kirche hatte der Vatikan Wucherpfennig monatelang die notwendige Lehrerlaubnis nicht ausgestellt. In einem Interview mit der „Frankfurter Neuen Presse“ hatte Wucherpfennig 2016 unter anderem gesagt, zum Thema Homosexualität gebe es „missverständlich formulierte Stellen in der Bibel“.

Wucherpfennig will die Lehre der Kirche "verständnisvoll" darlegen

Der Lehrerlaubnis war laut der Deutschen Provinz der Jesuiten eine Erklärung Wucherpfennigs vorausgegangen: Wo es seine Ämter verlangten, lege er die Lehre der Kirche über die Möglichkeit der Weihe von Frauen und von Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare vollständig und verständnisvoll dar, erklärte der Pater. Die Fragen, die er als Seelsorger und Wissenschaftler an diese Lehre richte, werde er auch in Zukunft als seine persönliche Auslegung kennzeichnen. Zu den beiden Themen soll Wucherpfennig nun Artikel veröffentlichen und die Ergebnisse seiner Forschung vorstellen.

Wucherpfennig selbst erklärte laut einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers (Freitag), er stehe trotz der Kritik Roms zu seiner Hoffnung auf Reformen: „Wir haben in der Kirche einen „Point of no Return“ erreicht und müssen über alles ohne Tabus reden. Das gilt auch für päpstliche Lehrschreiben oder Verlautbarungen römischer Behörden.“

Viele in der Kirche hatten sich hinter Wucherpfennig gestellt

Zahlreiche Theologen, Pfarrer und Bistumsvertreter hatten sich in dem Konflikt hinter Wucherpfennig gestellt und seinen Verbleib im Amt gefordert. Nach Bekanntwerden der Einigung reagierten viele erleichtert. „Diese Entscheidung habe ich zusammen mit vielen anderen erhofft und erwartet“, sagte der Limburger Bischof Georg Bätzing. In der Erklärung, die Wucherpfennig abgegeben habe, werde deutlich, dass er sich als theologischer Lehrer selbstverständlich der Lehre und Tradition der Kirche verpflichtet wisse.

Auch der Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten, Johannes Siebner, zeigte sich erleichtert. „Für die breite Unterstützung, die Pater Ansgar Wucherpfennig und die Hochschule St. Georgen in den letzten Wochen erfahren durfte, bin ich sehr dankbar“, sagte er.

Die Hochschule ist erleichtert

Mit Freude reagierte der Vorsitzende des Freundeskreises der Hochschule St. Georgen, Peter Lückemeier: „Offenbar hat Rom Einsicht gezeigt und auch auf die vielen innerkirchlichen Leumundszeugnisse für den untadeligen Priester Ansgar Wucherpfennig reagiert.“ In den rund 350 Mitglieder zählenden Freundeskreis seien zuletzt Menschen eingetreten, die ausdrücklichen Solidarität mit Wucherpfennig bekundeten. (dpa)

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