• Reaktionen auf Innensenator Geisel: Berliner Politik will kein Hertha-Stadion im Olympiapark

Reaktionen auf Innensenator Geisel : Berliner Politik will kein Hertha-Stadion im Olympiapark

Die Koalition im Abgeordnetenhaus ist sich einig, dass Hertha BSC im Olympiapark kein Stadion bauen darf. Der Standort Tegel soll ernsthaft geprüft werden.

Mietangebot. Wenn Hertha auszieht, ist das Olympiastadion für andere Nutzer zu haben.
Mietangebot. Wenn Hertha auszieht, ist das Olympiastadion für andere Nutzer zu haben.Foto: Paul Zinken/dpa

Hertha BSC muss neu planen. Denn Sportsenator Andreas Geisel (SPD) steht mit seiner Position, dass der Olympiapark an keiner Stelle für ein neues Fußballstadion in Frage kommt, nicht allein. Die Antwort des Erstligisten, dass Geisel im Tagesspiegel-Interview nur „eine Einzelmeinung“ geäußert habe, sei „eine echte Unverschämtheit“, kritisierte der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dennis Buchner. Im gesamten Abgeordnetenhaus gebe es nur noch ein paar Abgeordnete der CDU, die sich für den Standort Olympiapark stark machten.

In der Koalition, so Buchner, sei die Sache schon lange klar. Die Sportexperten von Linken und Grünen, Philipp Bertram und Nicole Ludwig, bestätigten dies. „Der Olympiapark ist für uns vom Tisch“, sagte Bertram am Montag. Und zwar seit April, als der Plan für eine Fußballarena am Rand des denkmalgeschützten Geländes an der Weigerung einer Wohnungsgenossenschaft scheiterte, sechs Häuser auf dem öffentlichen Baugrundstück aufzugeben. Auch die Grünen-Abgeordnete Ludwig freute sich, „dass Senator Geisel endlich so klare Worte findet“.

Bei Rot-Rot-Grün will man trotzdem nicht den Eindruck erwecken, den Berliner Traditionsverein im Regen stehen zu lassen. So hat der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) die Senatsverwaltungen für Sport und für Stadtentwicklung intern gebeten, ernsthaft zu prüfen, ob das Flughafengelände in Tegel als alternativer Standort in Frage kommt. Eine Idee, die der SPD-Sportpolitiker Buchner im September 2018 in die Diskussion brachte und die vom Parteifreund Geisel unterstützt wird. „Wir nehmen den Ball auf“, hatte Hertha-Manager Michael Preetz zunächst positiv reagiert.

Beide Seiten verhandeln nach den Sommerferien auch weiter, aber der Spielraum für konstruktive Gespräche ist eng. „Tegel wäre das einzige landeseigene Grundstück, bei dem das Land Berlin noch helfen kann“, so Buchner. „Wenn Hertha es will, dann gern.“ Er riet dem Bundesligisten, sich vorsichtshalber auch nach privaten Liegenschaften am grünen Stadtrand für ein neues Stadion umzuschauen. Das halten auch Grüne und Linke für eine plausible Idee.

Lompscher ist bei Tegel gesprächsbereit

Denn auch Tegel ist kein Selbstläufer. Noch Mitte Juni hatte Stadtentwicklungssenatorin Lompscher (Linke) auf die Frage, ob Hertha im Norden des TXL-Areals ein Grundstück kaufen und bebauen könnte, brüsk geantwortet: „Das ist kein Thema für uns“. Auch halten die Grünen im Bezirk Reinickendorf nichts von einem Fußballstadion in der Jungfernheide, nahe am Flughafensee. Koalitionsintern hat Lompscher aber signalisiert, dass sie gesprächsbereit ist, auch wenn ihr eine Umplanung des Flughafengeländes nach Schließung von TXL im Frühjahr 2021 nicht in den Kram passt.

Wird das Hertha-Stadion in Tegel gebaut?
Wird das Hertha-Stadion in Tegel gebaut?Grafik: Bartel

Es bedarf auch einiger Fantasie, um den künftigen Wissenschaftsstandort „Urban Tech Republic“, das neue Schumacher Wohnquartier und die idyllische Tegeler Stadtheide mit einer Fußballarena in Einklang zu bringen. Ganz abgesehen von der mangelhaften Anbindung an die S- und U-Bahn. Bis 2025 soll allerdings die Siemensbahn zwischen Gartenfeld und Jungfernheide reaktiviert werden.

Das schafft eine Anbindung an den Nordring der S-Bahn und den Hauptbahnhof. Für eine Verlängerung der U-Bahnlinie 6 vom Kurt-Schumacher-Platz bis zum künftigen Wissenschaftsstandort Tegel ist bisher nur eine Machbarkeitsstudie geplant, die Realisierung ist offen.

Spielt Hertha noch bis 2025 im Olympiastadion?

Probleme mit dem Lärmschutz sind ebenfalls zu erwarten. Vor allem die Grünen sind skeptisch, dass es gelingen könnte, in Tegel ein Stadion zu bauen. Ihnen wäre es lieber, so hört man, wenn Hertha sich selbst ein privates Baugrundstück suchen würde, eher am Stadtrand oder knapp dahinter im brandenburgischen Teil der Metropolenregion. Natürlich nur dann, wenn dafür keine Biotope weichen müssen. Die Hertha-Geschäftsstelle und die Trainingsplätze des Vereins könnten im Olympiapark bleiben.

Die Sportpolitiker von SPD, Linken und Grünen sind sich mit Senator Geisel auch darin einig, dass es für das Land Berlin optimal wäre, wenn der Bundesligaverein über 2025 hinaus doch im Olympiastadion bliebe. Derzeit zahlt Hertha eine Jahresmiete von rund fünf Millionen Euro.

Ein neues Geschäftsmodell für das Olympiastadion müsste her

Diese Einnahmen gingen der landeseigenen Olympiastadion GmbH verloren, falls der Ankermieter in eine eigene Arena umzieht. Dank Hertha BSC erwirtschaftete die Betreibergesellschaft in den vergangenen Jahren einen Überschuss von bis zu einer Million Euro.

Ohne den Verein müsste ein neues Geschäftsmodell her, um nach 2025 Defizite zu vermeiden. Selbst wenn der Senat auf die Jahrespacht für das „Oly“ von 2,2 Millionen Euro verzichtet, die jetzt noch in den Landeshaushalt fließen, wären neue Einnahmequellen nötig. Das bisherige Veranstaltungsgeschäft, einschließlich weniger Großkonzerte, gibt zuwenig her.

Aber schon für die bevorstehenden parlamentarischen Beratungen des Haushalts 2020/21 wäre aus Sicht der Koalitionsfraktionen mehr Planungssicherheit gut. So wollen die Finanzexperten der Koalition wissen, ob für Umplanungen in Tegel Etatmittel zur Verfügung gestellt werden müssen. Und in welchem Umfang es sich noch lohnt, das Olympiastadion für den Bundesliga-Fußball aus Steuergeldern aufzuhübschen.

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