Schulbau in Berlin : Neue Baustandards für Berliner Schulen

Der Senat hat einheitliche Baustandards für die geplanten mehr als 60 neuen Schulen festgelegt. Sie sollen "den Anforderungen moderner Pädagogik" entsprechen.

In Berlin sollen viele neuen Schulen gebaut werden - alle nach dem gleichen Regelwerk (Symbolbild).
In Berlin sollen viele neuen Schulen gebaut werden - alle nach dem gleichen Regelwerk (Symbolbild).Foto: Jens Kalaene/dpa

Mehr als 60 neue Schulen will Berlin in den nächsten Jahren bauen – und diese sollen anders konzipiert sein als die bisherigen. Sogenannte Compartmentschulen sollen es werden, das bedeutet vereinfacht gesagt, mehrere „kleine Schulen“ in einer großen. Nach welchen baulichen Standards sich die Planer und Erbauer richten müssen, dazu haben die Senatsverwaltungen für Bildung und Stadtentwicklung ein umfassendes Regelwerk erarbeitet, das am Dienstag veröffentlicht wurde. Diese Standards gelten verbindlich für alle Neubauten und sehen eine Modul- oder Systembauweise vor. Dadurch verspricht sich der Senat eine Beschleunigung der Planungs- und Bauprozesse.

Definiert werden unter anderem die Raumhöhen, die Anforderungen an Belichtung und Belüftung, die Bodenbeläge, die Akustik und Vorgaben für die Außenanlagen. Teilweise wird bis in Details festgelegt, wie gebaut und welche Materialien verwendet werden müssen (Beispiel: „Fenstergriffe: Edelstahl mit Stahlkern, u-förmig abgerundet, gemäß DGUV V81“). Die wichtigsten Regelungen im Überblick:

Compartmentschulen

Die neuen Schulen sollen „den Anforderungen moderner Pädagogik“ entsprechen, wie Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) in der Broschüre „Standards für den Neubau von Schulen“ schreibt. Sie sollen als Ganztagsschulen, als inklusive Schulen und als „Lern- und Lebensort“ gestaltet sein. Die Facharbeitsgruppe Schulraumqualität hat dazu 2017 das Konzept der „Lern- und Teamhäuser“ erarbeitet. Auf dieser Grundlage wurden nun die Standards festgelegt.

Eine Schule besteht demnach aus mehreren Compartments, und ein Compartment setzt sich aus mehreren Unterrichts- und Teilungsräumen zusammen, die sich um einen zentralen Raum gruppieren, das sogenannte Forum. Außerdem gehört zu jedem Compartment ein Teambereich für Lehrer und Erzieher sowie Flächen für Garderoben oder Sanitärräume. Das Forum soll das „Herzstück“ des Compartments werden, es kann als Treffpunkt, Pausenraum, für Einzel- oder Gruppenarbeiten genutzt werden. Transparenz ist vorgeschrieben: Aus den Unterrichtsräumen sollen Lehrer und Schüler in das Forum schauen können, deshalb sollen Türen oder Wände teilweise aus Glas sein. Das schaffe Vertrautheit und stärke das Gemeinschaftsgefühl, heißt es in der Broschüre, außerdem sollen Pädagogen so überblicken können, wo sich Schüler befinden, die im Forum arbeiten.

Raumplanung

Grundschulen sollen grundsätzlich dreigeschossig gebaut werden, in Ausnahmen auch viergeschossig. Alle anderen Schularten sollen vier Stockwerke haben, in Sonderfällen fünfgeschossig.

Die Raumhöhe in den Unterrichtsräumen wird mit drei Metern festgelegt, die Raumtiefe soll 7,20 bis 8,40 Meter betragen. Insgesamt sollen die Schüler mehr Platz als bisher zur Verfügung haben. An Grundschulen sind pro Schulkind 7,4 Quadratmeter an pädagogischer Nutzfläche eingeplant (bisher 5,8 Quadratmeter), an weiterführenden Schulen 8,8 Quadratmeter pro Schüler (bisher 6,9 Quadratmeter). Mit pädagogischer Nutzfläche ist mehr gemeint als der Platz im Klassenzimmer. Diese sollen 60 bis 65 Quadratmeter aufweisen. Die genauen Maße für alle Flächen und Räume werden in Musterraumprogrammen definiert.

Weitere Vorgaben

Alle Bereiche der Schule sollen barrierefrei erschlossen werden können. Die Unterrichtsräume sollen möglichst natürlich belüftet werden – also durch Fenster. Für den Lärmschutz müssen bestimmte DIN-Normen eingehalten werden (DIN 4109), und es soll eine „qualifizierte Akustik-Beratung“ stattfinden.

Freiflächen sollen stark begrünt und wenig versiegelt sein, wegen des Klimaschutzes. Alle Aufenthaltsräume sollen einen Sonnenschutz haben.

Es gibt noch etliche weitere Vorgaben, nachzulesen sind diese in der Broschüre „Standards für den Neubau von Schulen“, zu finden unter www.berlin.de/sen/bildung/schule/bauen-und-sanieren/bauliche-standards.

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