Schule : Des Opels neue Kleider

Bei HRZ werden Kastenwagen von Hand in Reisemobile für hohe Ansprüche verwandelt. Skurrile Sonderwünsche gehören zum Geschäft.

Ingo von Dahlern

Ein leichter Schleier von Holzstaub liegt auf den sechs Kastenwagen, die die Montagehalle neben dem Lager füllen. Denn wenn hinter der Trennwand der Schreinerei die Säge aufheult, treibt trotz Absaugung feiner Staub nach drüben.

Der Vorteil dieser engen Nachbarschaft: Die Schreinerei liefert die Möbel für jedes Reisemobil auf Zuruf und genau dann, wenn sie gebraucht werden. Und mehr Platz gäbe es auf dem kleinen Firmengelände am Rande des schwäbischen Städtchens Öhringen auch gar nicht, auf dem sich die Firma HRZ Reisemobile angesiedelt hat. HRZ steht für Handarbeit auf hohem Niveau – Ausstattung ganz nach individuellen Wünschen, überzeugende Funktionalität.

Großserie ist hier nur das Basisfahrzeug. Alles andere ist Manufaktur, absoluter Kontrast zur Hightechwelt der Autoindustrie. „Ist eben Handwerk“, meint dazu Geschäftsführer Elia Akkawi, der uns am Beispiel des hauseigenen Produkts Opel Movano Arizona die zwei bis drei Wochen dauernde Metamorphose vom nackten Kasten zum hochwertigen Reisemobil erleben lässt.

Aber: Movano? Arizona? Opel? Moment mal. Ein Reisemobil auf Opel-Basis gibt es doch gar nicht, oder? Irrtum – seit kurzem gibt es das doch: von HRZ. Der Arizona ist das erste seiner Art seit vielen Jahren, das den Blitz auf dem Kühlergrill trägt.

Bei HRZ in der Halle ist das „Du“ die übliche Anrede. „Manchmal vergesse ich sogar die Nachnamen“, so Akkawi mit einem Lächeln. Denn gerade einmal 15 Mitarbeiter hat das Unternehmen. Die Geschichte von HRZ begann in den Siebzigern in einer Garage – mit einem großen Ziel. Denn so wie sich vor einem Jahrhundert Charles Stewart Rolls und Frederick Henry Royce vornahmen, das beste Auto der Welt zu bauen, wollten Hans-Ulrich und Reiner Zenth – ihre Initialen ergeben den Firmennamen HRZ – das beste Reisemobil der Welt bauen. Dazu liefert das Unternehmen inzwischen auch Teile für den Selbstausbau und baut auf Wunsch Einzelkomponenten ein. Gerade aufwendige und TÜV-relevante Teile haben sich zum Schwerpunkt entwickelt.

„Das Motto ,Klasse statt Masse’ hat sich bewährt“, blickt Akkawi heute zurück. „Zwar besetzen wir mit gerade einmal 90 Reisemobilen pro Jahr nur eine Nische. Aber wer beste Qualität verlangt, kann letztlich nur bei uns landen.“ Der Geschäftsführer zeigt auf eine Duschkabine: „Komplett in einem Teil aus GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff) gefertigt. Da gibt es keine Silikonnaht, die beim Rütteln und Schütteln reißen kann. Hier läuft auch nach Jahren kein Tropfen Wasser in die Karosserie.“

Dann greift er nach einem Stück Holz. Es ist massiv und trotzdem federleicht. „Beschichtetes Pappelsperrholz“, erklärt er, „das wird vor allem im Yachtbau verwendet. Unseren Ausbauten gibt es höchste Stabilität und macht die Wagen trotzdem nicht zu schwer.“

Alle Fenster der Reisemobile von HRZ haben Holzrahmen, die Wände erhalten maßgeschneiderte belüftete Isolierungen, die Küchen Kompressorkühlschränke, die selbst bei tropischen Temperaturen noch ausreichend kühlen. Die Technik liegt unterm doppelten Boden und die Hochdächer sind mit stabilen Verschraubungen verankert. „Auch auf rauen Pisten darf schließlich nichts klappern“, erläutert Elia Akkawi.

Besonderen Wert legt man auf hochwertige Sitze. „Sehen Sie die Sitzbank hier, das ist ein individuell geformter Doppelsitz mit Rahmen und keine auf einen Kasten gelegte Matratze. Darauf können Sie problemlos stundenlang fahren.“

Das ist wichtig für die HRZ-Reisemobile. Denn viele Käufer gehören zu dem Teil des fahrenden Volks, der mit seinem Fahrzeug permanent unterwegs ist, oft in unwegsamen Regionen und mehr auf Pisten als auf asphaltierten Straßen. Campingplätze sehen solche Reisende naturgemäß nur selten. Akkawi sieht das als Herausforderung: „Die mit den großen Oschis, die auf den Platz fahren, die Satellitenantenne ausfahren und dann Stunden vor der Glotze sitzen – das ist nicht unsere Welt“, meint eine potenzielle Kundin, die gerade prüft, ob es genug gut gesicherten Stauraum in der Küche gibt. „Den brauchen Sie, wenn sie ein paar Tage allein in der Pampa stehen.“

„Hier ist ein ganz besonderer“ – Akkawi steuert ein schwarzes Mobil auf den Platz an: „Den haben wir für einen Engländer gebaut – komplett spiegelsymmetrisch mit Rechtslenkung.“ Spezialausbauten sind eine der besonderen Stärken von HRZ. Gebaut wird alles, was gewünscht wird, „vorausgesetzt, es ist technisch machbar und wird vom TÜV abgenommen“. Und da sowieso alles in Handarbeit entsteht, halten sich die Aufpreise in Grenzen: „Rechnen Sie zwischen 10 und 20 Prozent dazu“, erklärt Elia Akkawi, „das reicht, denn wir müssen für Sonderausbauten keine teuren Produktionstrassen umrüsten oder Lieferanten umpolen. Wir machen alles selbst, zeichnen die Teile, wie es der Kunde wünscht, und Volker, seit 16 Jahren Schreiner bei HRZ, ist es schnuppe, ob der Schrank 30 mal 30 oder 20 mal 40 misst – Hauptsache, der Kunde ist zufrieden.“

Zufrieden war auch die georgische Telefongesellschaft, für die HRZ ein komfortables Konferenzmobil baute. Oder die beiden Rollstuhlfahrer, deren Reisemobil besonders breite Türen und behindertengerechte Gänge erhielt. Und glücklich wird wohl auch der Arzt aus Stuttgart sein, der in sein Modell mit besonders langem Radstand hinten zwei Plätze für zwei Harley-Motorräder einbauen lassen möchte. Bei HRZ arbeitet man gerade daran.

Auch Opel ist glücklich mit dem neuen Partner. Denn der Opel Movano Arizona ist gut gemacht und bleibt trotz seiner hohen Qualität bezahlbar – ab 42 980 Euro mit langem Radstand, mit dem mittleren ist man sogar schon ab 39 906 Euro dabei. „Endlich können treue Opel-Kunden nun auch ein Reisemobil mit dem Blitz fahren“, freut sich Elia Akkawi.

Die Idee zu dem Fahrzeug entstand zusammen mit Opel-Regionalleiter Uwe Klawitter auf der Auto Camping Caravan 2005 in Paaren bei Berlin. „Wir waren mit unserem bestem Reisemobil auf der Messe – einem Holiday Dream auf Mercedes-Benz-Basis. Der gefiel Klawitter so gut, dass er fragte, ob wir nicht etwas gemeinsam machen könnten. Und bei einer guten Flasche Wein haben wir damals dann gleich Nägel mit Köpfen gemacht.“

Und das soll noch lange nicht alles sein. Neben der Kurzversion Opel Arizona mini präsentiert man an diesem Wochenende auf der Messe in Paaren auch den Prototyp eines City-Freizeitmobils auf Basis des kompakten Opel Vivaro. „Bin gespannt, wie der ankommt“, meint Elia Akkawi. „Und dann sehen wir weiter!“