Marode Schulen in Berlin : Verschimmelte Grundschule in Gesundbrunnen wird geräumt

Die Schüler der Carl-Kraemer-Schule in Berlin-Gesundbrunnen müssen bis Ostern anderswo untergebracht werden. Der Schimmelbefall des Gebäudes ist eine Gefahr.

Ein leeres Klassenzimmer (Symbolbild).
Ein leeres Klassenzimmer (Symbolbild).Foto: Peter Endig/dpa

Mit den Berliner Schulen ist es so eine Sache: Je genauer man hinguckt, desto mehr Schäden entdeckt man. An der Carl-Kraemer-Grundschule in Gesundbrunnen führte das genaue Hingucken nun dazu, dass die Schüler auf die Schnelle anderswo untergebracht werden müssen. Seit vergangener Woche wird rund die Hälfte der Schüler mit Bussen zu einem vier Kilometer entfernten Ersatzbau gefahren, ein weiterer Teil der Schüler soll in Räume der etwa ebenso weit entfernten Brüder-Grimm-Grundschule umziehen, eine dritte Gruppe von Schülern kommt in der Rudolf-Wissell-Schule unter.

Schimmel kam aus dem Keller

Angefangen hatte alles damit, dass die Carl-Kraemer-Schule von Schimmel befallen war. Im Dezember mussten deshalb in dem rund hundert Jahre alten Gebäude wie berichtet mehrere Räume gesperrt werden, unter anderem die Mensa, ein Treppenhaus und die Turnhalle. Ausgangspunkt des Schimmelbefalls ist der Keller, der zeitweise auch als Werkstatt und Bastelraum genutzt wurde. Es besteht die Vermutung, dass von dort aus andere Räume kontaminiert wurden, wahrscheinlich durch Material, das herausgetragen wurde. So berichtet es Mittes Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU).

Der Keller wurde hermetisch abgeriegelt und soll in den nächsten zwei Jahren grundsaniert werden, die kontaminierten Räume wurden von Schimmel gereinigt. Eine Messung habe dann ergeben, dass die Sporenkonzentration in einigen Räumen gesunken sei, Mensa und Turnhalle konnten wieder freigegeben werden, mehrere Räume sind aber immer noch gesperrt.

Gefahr von der Decke

Dann tat sich jedoch das nächste Problem auf: Bei der Begehung der Räume fiel auf, dass die Deckenverkleidung an manchen Stellen schief hing, und als man darunter nachschaute, stellte man fest, dass die Aufhängungen in mehreren Klassenzimmern „fehlerhaft“ seien. Im obersten Stockwerk habe man sogar Risse in der Decke ausgemacht. „Weil wir nicht ausschließen konnten, dass sich die Deckenplatten lösen, haben wir die Räume vorsorglich gesperrt“, sagt Spallek und erinnerte an die Carlo-Schmid-Schule in Spandau, wo in den Herbstferien ein Teil der Decke abgestürzt war. „Es geht hier um akute Gefahrenabwehr“, sagt Spallek. Deshalb habe er Anfang der Woche gemeinsam mit der Schulleitung entschieden, dass die Schüler ausgelagert werden. Auch wenn Teile des Gebäudes noch nutzbar sind, sei der Schulalltag so einfacher zu organisieren.

Als Ausweichquartier wurde ein modularer Ergänzungsbau (MEB) in der Chausseestraße, Ecke Boyenstraße gefunden. Der ist gerade fertig geworden und soll eigentlich der Humboldthain-Grundschule als Filiale dienen und später zu einer neuen Grundschule für die Europacity gehören. Doch die Humboldthain-Schule braucht den Bau erst zum nächsten Schuljahr. Zwölf Klassen pendeln dort jetzt also momentan mit einem Busshuttle von der Carl-Kraemer-Schule in der Zechliner Straße hin. „Schüler und Lehrer freuen sich über die hellen, modernen Räume dort“, sagt Spallek. „Momentan ist es ja leider so, dass man sich verbessert, wenn man von einem durchschnittlichen Bestandsschulgebäude in einen MEB zieht.“ Sieben Klassen sollen Räume in der Brüder-Grimm-Schule in der Tegeler Straße beziehen. Diese sind gerade grundsaniert worden und deshalb noch unbesetzt. Vier Klassen werden in die Rudolf-Wissell-Grundschule ziehen, teilte eine Sprecherin von Stadtrat Spallek am Dienstag mit.

Bis Ostern sollen die Schäden behoben werden

So schnell wie möglich, sagt Spallek, sollen die Schäden an der Carl-Kraemer-Schule nun behoben werden. Er habe sich entschieden, den Auftrag direkt zu vergeben und auf eine Ausschreibung zu verzichten. „Ich kann es den Eltern und der Schule nicht vermitteln, wenn wir aus formalen Gründen erst in drei oder vier Monaten anfangen.“ Bis zum Ende der Osterferien, so hofft er, könnten Schüler und Lehrer wieder zurück in ihr altes Gebäude. Wenn bis dahin keine weiteren Schäden entdeckt werden.

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