Projekt "Umwelt macht Schule" : Philosophie trifft Klimaschutz

Schülerinnen und Schüler des Werner-von-Siemens-Gymnasiums sprachen sie mit der Philosophin Kirsten Meyer über ethische Fragen zum Klimaschutz.

Aliya Krause Lea Schmidt-Ott
Das Team. Projektgruppe des Werner-von-Siemens-Gymnasiums.
Das Team. Projektgruppe des Werner-von-Siemens-Gymnasiums.Foto: Annett Steinacker

Das Projekt „Umwelt macht Schule“ – unterstützt durch das Bundesumweltministerium: An dem Projekt nehmen Schülerinnen und Schüler aus 30 weiterführenden Schulen und 10 Tageszeitungen in ganz Deutschland teil. Die Jugendlichen setzen sich unter pädagogischer Anleitung mit aktuellen Umweltthemen auseinander. Als Ergebnis des Projekts finden Sie die von den Schülerinnen und Schülern selbst recherchierten und verfassten Artikel in ihrer Partnerzeitung. Umgesetzt wird das Projekt unter der Schirmherrschaft von Bundesumweltministerin Svenja Schulze durch das IZOP-Institut in Aachen.
In dieser Woche erscheinen auf der Lernenseite und in der Online-Ausgabe des Tagesspiegels Texte von Schülerinnen und Schülern aus zwei zehnten Klassen des Werner-von Siemens-Gymnasiums in Nikolassee. Betreut wurden sie von ihrer Ethiklehrerin Ilona Ruschmeier-Krause.

Klima, Klima, Klima: Ständig schallt uns dieses Wort entgegen, manche können es schon nicht mehr hören. Warum sollte ich nachhaltig leben, wenn ich in der dem Untergang geweihten Zukunft sowieso schon tot bin? Habe ich einen Einfluss auf das, was kommen wird? Oder, um mit dem Titel des neuen Buchs von Kirsten Meyer zu fragen: Was schulden wir künftigen Generationen?

Kirsten Meyer ist Professorin für Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin und hat sich in ihrem Buch intensiv mit Fragen der Umweltethik beschäftigt. An einem heißen Schulmorgen besuchten wir, zwei zehnte Klassen des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, mit unserer Ethiklehrerin Ilona Ruschmeier- Krause die Professorin in der Universität, um mit ihr über ihr Buch zu sprechen.

Haben noch nicht geborene Menschen Rechte?

Das erste Problem, das die Frage im Buchtitel aufwirft, ist die Schwierigkeit, noch nicht geborenen Menschen Rechte zuzusprechen. Wie kann jemand Rechte haben, wenn er noch gar nicht existiert?

Kirsten Meyer löst das Problem sehr differenziert. Im Ergebnis betrachtet sie die Menschen künftiger Generationen, die tatsächlich geboren werden. Diese haben ab dem Zeitpunkt ihrer Geburt Rechte. Um diese Rechte nicht zu verletzen, müssen wir heute lebenden Menschen uns auf eine bestimmte Art und Weise verhalten.

Damit auch künftige Generationen die Voraussetzung für ein gutes Leben haben, müssen wir die Umwelt so erhalten, dass ihnen ein langes, gesundes Menschenleben überhaupt möglich sein wird. Dazu ist aber eine persönliche Bekanntschaft nicht nötig. Auch ohne diese gibt es Verpflichtungen gegenüber zukünftigen Menschen.

Doch was müssen wir, die jetzige Generation, genau tun? Meyer fasst dies in einer Nachhaltigkeitsformel zusammen: Der Planet sollte immer mindestens so gut an die nächste Generation weitergegeben werden, wie er von ihr vorgefunden wurde. Wenn wir zum Beispiel intakte Biosphären und sauberes Wasser vorfinden, müssen wir diesen Zustand zumindest erhalten und an die künftigen Generationen weitergeben.

Die Bequemlichkeiten der Menschen berücksichtigen

Aber wie motivieren wir Menschen dazu, dieser Nachhaltigkeitsformel zu folgen? Kirsten Meyers Ansicht nach sind sowohl moralische Appelle als auch politische Regelungen wichtig. Moral kann gute Gründe liefern, politisch aktiv zu werden und zum Beispiel entsprechende Gesetze in Kraft treten zu lassen.

Dabei sollte die Bequemlichkeit der Menschen berücksichtigt werden: So müsste es zum Beispiel durch sichere Radwege oder gar Fahrradautobahnen attraktiver werden, mit dem Fahrrad statt dem Auto zur Arbeit zu fahren. Öffentliche Verkehrsmittel sollten überall verfügbar sein und mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Auch müssen Inlandsflüge viel teurer werden, als wenn man dieselbe Strecke mit der Bahn fährt.

Hilfreich wäre eine CO2-Steuer, dabei müssen aber Aspekte der Gerechtigkeit berücksichtigt werden. Die Einnahmen einer solchen Steuer sollten so zurück an die Bürger gehen, dass ärmere Menschen und diejenigen, die weniger CO2 emittieren, profitieren. Zudem sollte das Fliegen nicht prinzipiell verboten werden, da dies die Freiheit der Menschen zu sehr einschränken würde. Stattdessen sollte es durch erhöhte Preise in vielen Fällen so unbequem werden, dass freiwillig auf umweltfreundliche Alternativen umgestiegen wird.

Kann man noch Kinder in die Welt setzen?

Viele von uns beschäftigt sehr, ob es überhaupt noch zu verantworten ist, Kinder in die Welt zu setzten. Die Erde ist überbevölkert und jeder zusätzliche Mensch erhöht die CO2-Emissionen. Auch hier gab uns Frau Meyer eine klare Antwort: Das Bedürfnis, Kinder großzuziehen, sei durch nichts anderes ersetzbar. Zu vielen Bedürfnissen, die viel CO2 freisetzen, können Alternativen gefunden werden. Wir können zum Beispiel darauf verzichten, Fleisch zu essen. Auch bei der Energiegewinnung gibt es Alternativen. Aber Kinder zu haben, sie groß werden zu lassen, mit ihnen zu leben, dazu gibt es keine Alternative. Zudem beeinflussen viele Kinder das Umweltbewusstsein der Eltern positiv, wie das Beispiel von Greta Thunberg zeigt.

Darüber hinaus geben eigene Kinder einen Ansporn, nachhaltig zu leben: Sie sind die unmittelbare künftige Generation, der wir eine lebenswerte Zukunft schulden.

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