Schule in Berlin : Das ABC zum Schulanfang

Von Aufstehen bis Zuckertüte. Was Erstklässler-Eltern vor dem ersten Schultag wissen sollten.

Erst die Zuckertüten, dann das Lernen. Aber mit wem? Vor allem an Grundschulen fehlen Lehrer.
Erst die Zuckertüten, dann das Lernen. Aber mit wem? Vor allem an Grundschulen fehlen Lehrer.Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Aufstehen. Machen wir uns nichts vor: Es wird hart werden. Jedenfalls wenn es Ihr erstes Kind ist, das in die Schule kommt und Sie nicht ohnehin zu der Spezies gehören, die es morgens um sechs kaum erwarten kann, aus dem Bett zu springen. Was hilft: Ranzen schon am Vorabend packen und Kleider rauslegen, einen festen Zeitrhythmus finden (zum Beispiel Frühstück bis 7.10, aus dem Bad raus um 7.20 und so weiter), und außerdem ->cool bleiben.

Bloß nicht. Beim ->Elternabend Monologe halten. Die ->Hausaufgaben für das Kind lösen. Alles besser wissen als die ->Klassenlehrerin.

Cool bleiben. Das Lineal zerbrochen, der fünfte Radiergummi nicht auffindbar, das mit dem ->Aufstehen klappt auch nicht, und für die Klassenfeier muss noch ein Kuchen gebacken werden? Da hilft nur Ruhe bewahren, eins nach dem anderen wieder auf die Reihe kriegen und den Kuchen kaufen. Es muss nicht alles perfekt sein.

Druckbuchstaben. Erstklässler lernen zunächst Druckbuchstaben schreiben. Die sehen sie schließlich auch überall in ihrer Umwelt. Die Schreibschrift lernen sie später. Das war bei Ihnen früher aber anders? Gewöhnen Sie sich schon mal an dieses Gefühl (->cool bleiben und dem ->Klassenlehrer vertrauen).

Elternabend. Die ersten Male freut man sich darauf. Und es soll ja auch kurzweilige, informative Elternabende geben. Erstaunlich viele ähneln aber leider zähen Meetings mit schlecht vorbereiteten und schlecht gelaunten Kollegen, die über die richtige Marke des richtigen Schreibgeräts streiten. Trotzdem: Auf jeden Fall hingehen. Es ist eine Chance, die anderen Eltern und die Lehrer kennenzulernen und mitzureden. Wer sich richtig einmischen will, lässt sich als Elternvertreter aufstellen.

Füller. Der kommt meistens erst später zum Einsatz, und welcher genau es sein soll, wird möglicherweise sogar auf dem ->Elternabend diskutiert. Am Anfang schreiben die Kinder mit Bleistiften. Der Klassenlehrer verteilt eine Liste, welche Materialien zu besorgen sind. Damit klappern Sie dann mehrere Fachgeschäfte ab, bis Sie die gewünschten hellblauen Einbände gefunden haben.

Geduld. Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo – und auch nicht immer gleichmäßig, sondern manchmal in Sprüngen. Das ist so ähnlich wie beim Wachsen. Vergleiche mit anderen Kindern bringen deshalb wenig, und Leistungsdruck ist in der ersten Klasse ohnehin fehl am Platz. Wichtig ist es, mit dem Kind und den Lehrern im Gespräch zu bleiben.

Hausaufgaben. Am Anfang machen viele Kinder begeistert Hausaufgaben. Das ändert sich später oft und wird Sie wahrscheinlich noch einige Nerven kosten. Deshalb, auch in Ihrem eigenen Interesse: Nutzen Sie die Anfangsbegeisterung. Loben Sie die Freude am Lernen und die Selbständigkeit! Sie müssen die Hausaufgaben auch nicht korrigieren, sonst sieht der Lehrer ja nicht, wenn das Kind etwas nicht verstanden hat. Länger als dreißig Minuten sollten Schulanfänger ohnehin nicht Hausaufgaben machen, da können Sie ruhig Stopp sagen und bei Bedarf einen Zettel für den Lehrer in die ->Postmappe legen.

Inklusion. Alle lernen gemeinsam und nach ihren Begabungen. Kinder mit Behinderungen, hoch- und mittelbegabte, alle in einer Klasse. Das klingt gut und ist eine gute Idee. Leider ist nicht immer genügend Personal vorhanden, um diese Idee auch so gut umzusetzen.

JüL. Eine der vielen Abkürzungen, die Sie im Laufe der Schulzeit kennenlernen werden. Bei JüL (jahrgangsübergreifendes Lernen) sind SuS (Schülerinnen und Schüler) aus der ersten, zweiten und manchmal auch dritten Jahrgangsstufe zusammen in einer Klasse. Früher war das an Berliner Grundschulen in der Saph (Schulanfangsphase) Standard, inzwischen sind etliche wieder zum JabL (jahrgangsbezogenes Lernen) zurückgekehrt.

Klassenlehrer/in. Sie als Eltern bekommen hier Konkurrenz, was die Deutungshoheit in der Welt ihres Kindes angeht, und das ist auch gut so. Die erste Klassenlehrerin oder der erste Klassenlehrer ist für die meisten Kinder ein ganz besonders prägender Mensch. Wenn Sie mit Methoden oder Ansichten der Lehrer unzufrieden sind, suchen Sie das direkte Gespräch, aber halten Sie sich vor dem Kind zurück. Das kommt sonst in Loyalitätskonflikte.

Loslassen. Das Kind ist jetzt ein Schulkind und wird immer selbständiger. Das sollten Sie fördern. Also, auch wenn es schwerfällt: Bitte nicht bis ins Klassenzimmer begleiten und dort dem Lehrer im Weg stehen, sondern schon am Schultor verabschieden. Loslassen kann man auch nach und nach auf dem ->Schulweg üben.

Mitschüler. Neben den Lehrern treten mit den Mitschülern weitere bedeutsame Personen ins Leben ihres Kindes. Sich im sozialen Gefüge der Klasse zurechtzufinden und Freunde zu finden, das fällt manchen schwerer und manchen leichter. Kleinere Konflikte können die Kinder meistens gut allein lösen. Man sollte jedoch aufmerksam bleiben, wie es dem Kind geht. Manchmal braucht es Hilfe. Dann führt der erste Weg zur ->Klassenlehrerin.

Noten. Gibt es frühestens in der dritten Klasse oder noch später. Am Anfang gibt es stattdessen Blümchen, Bienchen, Sternchen oder lachende Gesichter, die der Lehrer stempelt oder malt. Im Zeugnis schreibt der Lehrer eine schriftliche Beurteilung, die fast immer nett klingt. Manche verwenden auch Formulare, auf denen sie ankreuzen, welche Fähigkeiten ein Kind schon wie ausgeprägt kann.

Ordnung. Viel weniger als das halbe Leben, aber dennoch nicht ganz unwichtig, und eins der Dinge, die ein Kind in den ersten Schuljahren lernen sollte (->Geduld): Den ->Ranzen bald selbst packen, die Stifte regelmäßig spitzen, Zettel nicht verschlampen. Eine elterliche Ranzeninventur empfiehlt sich dennoch von Zeit zu Zeit, da findet man manchmal Erstaunliches.

Postmappe. Eine meist gelbe Mappe, die sich im ->Ranzen Ihres Kindes befindet. Lehrer legen dort Zettel hinein, die Sie unterschreiben müssen. Mit der Zeit füllt sich die Postmappe mit Schnipseln und Kritzeleien. (->Ordnung)

Quatsch machen. Schule ist nicht alles im Leben eines Kindes, schon gar nicht im Leben von Sechsjährigen. Unverplante Spiel- und Quatschzeit muss sein. Und nicht nur über Schule reden.

Ranzen. Wahrscheinlich die kostspieligste Anschaffung, die Sie bisher für die Schule getätigt haben. Die Dinger sind einfach wahnsinnig teuer. Glückwunsch, wenn Sie es schaffen, Ihr Kind von einem schlichteren Design zu überzeugen.

Schulweg. Bitte nicht mit dem Auto bis vors Schultor fahren, sonst gehören Sie zu den berüchtigten Elterntaxis. Lieber gemeinsam zu Fuß gehen und dabei das richtige Verhalten im Straßenverkehr üben. Das Kind lernt dabei, sich in seiner Umgebung zu orientieren und bekommt Bewegung. Und will vielleicht schon bald allein zur Schule gehen.

Turnbeutel. Meist im selben Design wie der ->Ranzen. Lässt sich gut in Ecken pfeffern und wird gern zu Hause vergessen. Manchmal bleibt der Turnbeutel samt Inhalt monatelang in der Schule. Das hat auch Nachteile

Unterricht. Der Lehrer steht vorne an der Tafel und erklärt, die Kinder sitzen in langen Bankreihen und hören zu. Das nennt man Frontalunterricht, und der findet in den ersten Klassen eher selten statt. Die Kinder machen stattdessen häufig Gruppenarbeiten an Vierertischen, arbeiten in ihren Arbeitsheften und laufen auch mal herum.

Vorlesen. Eine Supersache – um die Freude am Lesen, Sprachgefühl und Wortschatz zu fördern, zum gemeinsamen gemütlichen Runterkommen, und weil es so viele spannende Geschichten gibt. Fortgeschrittene Kinder können sich mit den Eltern beim Vorlesen abwechseln.

Wasserflasche. Wenn Sie eine auslaufsichere gefunden haben, schreiben Sie uns!

Xylophon. Dieses hölzerne Glockenspiel ist in vielen Schulmusikräumen zu finden. Man kann damit gut eine erste Ahnung von Akkorden bekommen, und es macht Spaß mit den Schlägeln Töne zu erzeugen. Vielleicht hat Ihr Kind ja Lust, ein Instrument zu lernen.

Youtube. Vielleicht nicht schon in der ersten Klasse, aber irgendwann wird das ein Thema. Stellen Sie sich schon mal auf Diskussionen über Medienzeiten und Mediennutzung ein.

Zuckertüte. Sie heißt so wie sie heißt, also darf ruhig auch was Süßes rein. Und egal ob selbstgebastelt oder gekauft: Ihr Kind wird sie am Sonnabend voller Stolz tragen.

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