Was tun nach dem Abi? : „Ein Studium kam für mich nicht infrage“

Nach der Schule hatte Jonas Becker Lust auf etwas Praktisches – und widmete sich ganz nebenbei seiner Passion.

Autodidakt. Der 18-jährige Jonas Becker fotografiert leidenschaftlich gern.
Autodidakt. Der 18-jährige Jonas Becker fotografiert leidenschaftlich gern.Foto: Susanne Vieth-Entus

Wenn draußen die Temperaturen in die Höhe klettern, steht Jonas Becker am Counter von American Bowl gegenüber der Eastside Gallery. Seit Kurzem hat er eine eigene Wohnung, und bevor seine Ausbildung im Herbst beginnt, will er sich mit dem Ferienjob etwas dazuverdienen. Sein Abitur hat er mit 17 Jahren bereits im vergangenen Jahr gemacht. „Ein Studium kam für mich nicht infrage, nach zwölf Jahren Schule, wollte ich etwas Praktisches“, sagt der ehemalige Schüler des Barnim-Gymnasiums in Lichtenberg.

Eine längere Pause hatte er nach dem Abitur eigentlich nicht geplant. Doch seine erste Ausbildung zum Mechatroniker in einer Biotechnologiefirma lief nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. „Das Klima im Unternehmen war nicht gut, außerdem fiel an der Berufsschule häufig der Unterricht aus, sodass ich mir die Theorie immer selber raufschaufeln musste“, sagt der 18-Jährige. Nach einem halben Jahr brach er ab – und startet demnächst einen Neuanfang. Seine zweite Lehrstelle hat er längst in der Tasche. Diesmal ist es eine Ausbildung zum Elektroniker im Bereich Betriebstechnik bei Vattenfall. Für technische Aufgaben hat er sich schon in der Schule begeistert.

Während einer Klassenfahrt entdeckt er seine Leidenschaft

Seine Lieblingsbeschäftigung in der Freizeit hat auch mit Technik zu tun – und mit einem guten Blick für Motive. Jonas Becker fotografiert leidenschaftlich gern. Entdeckt hat er sein Hobby eher zufällig. Während einer Klassenfahrt an der Steilküste Rügens wurde er von Urlaubern gefragt, ob er sie fotografieren könne. „Als der Mann sah, dass ich verschiedene Positionen ausprobierte, meinte er, ich soll unbedingt weitermachen“, erzählt er. Auch sein ehemaliger Lehrer Robert Rauh bestärkte ihn. Und gab ihm gleich eine Aufgabe. Rauh ist Historiker und ein ausgesprochener Kenner von Theodor Fontane. In Büchern widmete er sich den Frauen und Schlössern des Schriftstellers. Für seinen Band „Fontanes Ruppiner Land. Neue Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, konnte er seinen ehemaligen Schüler als Fotografen gewinnen. „Das war natürlich großartig“, sagt Jonas Becker, der seine Arbeiten auch im Kopernitzer Kulturgutshaus in Reinsberg in der Ausstellung „Fontanes Ruppiner Orte“ zeigte.

Ab in die Lehre

Wer eine Ausbildung machen möchte, kann sich jetzt noch bewerben. In Berlin gab es im Mai 8300 unbesetzte Stellen. Die Jugendberufsagentur Berlin (www.jba-berlin.de) berät und unterstützt Unentschlossene bei der Suche.

Als Fotograf ist Jonas Becker Autodidakt, probiert viel aus und informiert sich im Internet über Tricks und neue Technik. Anfangs hat er sich eine Spiegelreflexkamera geliehen, inzwischen hat er seine eigene Fotoausrüstung. Sein Talent hat sich herumgesprochen. Er macht Fotos von Freunden für ihre Webseiten und ergattert hier und da einen kleinen Auftrag. Sein aktuelles Fotothema ist Architektur. „Die Symmetrien zu finden, ist schwierig, aber auch der Reiz dabei“, sagt der 18-Jährige.

Bevor seine Ausbildung beginnt, will er sich noch einen kleinen Urlaub mit Freunden gönnen. Ab in den Süden soll es gehen, vielleicht Italien, inklusive Trip nach Rom. An spannenden Motiven wird es ihm dort nicht mangeln.