Mit Norbert Witte wollen Exfrau und Tochter nichts mehr zu tun haben

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Spreepark : Leben in einem gescheiterten Traum
Sicherheitsmann Gerd Emge bewacht und vermarktet den Spreepark zur Zeit.
Sicherheitsmann Gerd Emge bewacht und vermarktet den Spreepark zur Zeit.Foto: Mike Wolff

Zur Versteigerung werde es gar nicht kommen, glaubt Emge nach Gesprächen mit Plopsa. „Plopsa, das Land Berlin und die Banken sind sich handelseinig“, meint er. Die Belgier würden für das Erbbaurecht einen Gesamtbetrag an die Gläubiger bezahlen. In einem zweiten Schritt solle das Grundstück erworben werden. Weder Deutsche Bank noch Liegenschaftsfonds wollten dies auf Nachfrage bestätigen. Es gebe aber Gespräche mit einem Investor, sagte eine Fonds-Sprecherin. Plopsa teilte nur mit, dass man verschiedene Optionen in Deutschland prüfe.

Interessenten für das Gelände gab es genug. Doch Schulden und Auflagen schreckten sie ab. Auch der neue Investor wird es nicht leicht haben. Er muss den Park bis zum Ende des Erbbaurechts am 31. Mai 2061 betreiben. Das Areal darf er „ausschließlich als Freizeitpark“ nutzen, so steht es in der Ankündigung der Zwangsversteigerung. „In diesem Zusammenhang sind auf dem Gelände gastronomische und Verkaufseinrichtungen einzurichten sowie kulturelle Veranstaltungen durchzuführen“, heißt es. Eingriffe in die Landschaft sind kaum möglich, der Park liegt in einem Schutzgebiet.

Der Spreepark vor und nach dem Brand
Einsatz in der Nacht: Am 11. August 2014 standen im Spreepark die Kulissen des Dorfes „Alt-England“ in Flammen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 41Foto: Snapshot-Photography/Seeliger
11.08.2014 08:40Einsatz in der Nacht: Am 11. August 2014 standen im Spreepark die Kulissen des Dorfes „Alt-England“ in Flammen.

„Die Regelung des Verkehrs ist eines der wichtigsten Belange“, sagt Ulrike Zeidler, Leiterin des Stadtentwicklungsamts Treptow-Köpenick. Es geht um den Ausbau der Zufahrt an Dammweg und Kiehnwerderallee und den Bau von Parkplätzen. 500 000 Besucher im Jahr seien verträglich, sagt Zeidler. Damit ließe sich ein Park nicht wirtschaftlich betreiben, sagt Emge. Das Wohngebiet dürfe aber nicht belastet werden, sagt die Amtsleiterin. Wohnungsbau ist nicht vorgesehen. Das Bebauungsplanverfahren müssen die Bezirksverordneten abnicken. Wachsame Anwohner wie Erhard Redding von der Initiative Pro Plänterwald gucken dann genau hin. Ein Parkhaus mit 1000 Stellplätzen und einen großen Freizeitpark lehnt die Initiative ab. „Das Wichtigste sind der Schutz des Waldes und die denkmalgerechte Sanierung und der Betrieb der Gaststätte Eierhäuschen“, sagt Redding. Letzteres will auch der Bezirk.

Der Vergnügungspark wurde 1969 als als Kulturpark Plänterwald eröffnet. Nach der Wende übernahm das Schaustellerpaar Witte. Als die Besucherscharen ausblieben, blieb 2001 nur die Insolvenz. Norbert Witte versuchte einen Neuanfang in Peru und ging bankrott. Er ließ sich als Drogenkurier anwerben und wurde geschnappt, als er 167 Kilo Kokain nach Deutschland schmuggeln wollte. Das Ende der Ehe. Witte musste in Deutschland für vier Jahre hinter Gitter, Sohn Marcel in Peru für 20 Jahre. Dem Überführungsantrag nach Deutschland wurde noch nicht stattgegeben.

Techno-Party zwischen Urzeit-Echsen
Wo kommen all die Leute auf einmal her, wundert sich wohl der Saurier. Mit der Ruhe war es für das Relikt aus der Plänterwald-Urzeit an diesem Wochenende vorbei. Rund 4000 Besucher feierten beim "Luna Land Festival" auf dem Gelände des brachliegenden Spreeparks in Treptow.Alle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: Björn Kietzmann
30.08.2010 15:08Wo kommen all die Leute auf einmal her, wundert sich wohl der Saurier. Mit der Ruhe war es für das Relikt aus der...

Mit Norbert Witte wollen Exfrau und Tochter nichts mehr zu tun haben. Witte sagt, dass er nicht nach Peru hätte fliehen dürfen. Dass er nicht daran glaube, dass jemand das Erbbaurecht ersteigere, weil der Erbbauzins zu hoch sei und es zu viele Klauseln gebe. Und dass er hoffe, dass es mit dem Park weitergehe. „ Es tut weh, zu sehen, wie alles zerfällt.“ Wie lange er noch mitten in seinem gescheiterten Lebenstraum wohnen kann, weiß er nicht.

Tochter Sabrina ist „zwiegespalten“, wenn ein neuer Investor kommt. Dann könnte sie im Park nicht mehr mit den Hunden spazieren gehen. Nicht mehr winters einsam Schlittschuh laufen auf dem zugefrorenen Wasser um das Riesenrad herum. „Das ist mein Zuhause“, sagt die Gastronomin. Und hofft, dass der Neue die noch vorhandenen Bahnen nicht t abreißt. Damit sie ihren Kindern eines Tages zeigen kann, wo sie aufgewachsen ist.

Über die Geschichte des Spreeparks, seine Attraktionen und vieles mehr schreiben Christopher Flade & Sacha Szabo im Buch „Vom Kulturpark Berlin zum Spreepark Plänterwald“, Tectum, 19,90 Euro.

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