Street-Art im Treptower Park : Französischer Künstler erschafft riesiges Kunstprojekt

Im Treptower Park gibt es seit Donnerstagnachmittag ein großflächiges Graffiti. Ein weiteres folgt am Freitag im Schlesischen Busch.

Carry-Ann Fuchs
Platz zum Ausmalen. Saype vor seinem Rasen-Graffiti im Treptower Park.
Platz zum Ausmalen. Saype vor seinem Rasen-Graffiti im Treptower Park.Foto: Stefan Weger

Im Treptower Park entsteht derzeit ein großflächiges Kunstprojekt. Der französische Street-Art-Künstler Saype platziert dort auf 2000 Quadratmeter sein Werk "Beyond Walls". Zu sehen: Zwei, ineinandergreifende Hände.

Zuletzt sah es so aus, als ob das Projekt nicht zustandekommen könnte. Die Kunstkommission für Kunst im öffentlichen Raum des Bezirks Mitte hatte die entsprechenden Genehmigungen nicht erteilen wollen. Als letzte Möglichkeit das Projekt doch noch in Berlin präsentieren zu können, kam der Treptower Park in Frage.

Probleme bei der Genehmigung

Die erforderliche Genehmigung gab das Bezirksamt Treptow-Köpenick gemeinsam mit dem Grünflächenamt am Montag. „Hier im Bezirk zeigt sich das Amt weltoffen und flexibel“, sagt Katia Hermann, Projektleiterin von „Beyond Walls“. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hatte sich für die Realisierung des Projekt stark gemacht, seine Verwaltung fördert es nun auch.

Dass bei einem so großflächig angelegten Projekt zunächst Bedenken bestehen, sei verständlich. Eine Genehmigung aber gleich zu versagen, hingegen nicht, meint Hermann.

Feiner Film. Saype in Aktion mit dem Hochdruckreiniger - bei Regen verwäscht die Farbe.
Feiner Film. Saype in Aktion mit dem Hochdruckreiniger - bei Regen verwäscht die Farbe.Foto: Stefan: Weger

In Paris beispielweise, wo „Beyond Walls“ bereits im Juni auf dem Marsfeld zu sehen war, gab es viel weniger Probleme. „Die dortigen Ämter hatten Bedenken, die Farbe könnte umweltschädlich sein. Um diese Sorge aus der Welt zu räumen, habe Paris die Farbe zu einer Analyse in ein Labor geschickt, mit dem Ergebnis das sie umweltfreundlich ist“, erzählt Katia Hermann.

Zudem müsse man bedenken, dass das Projekt zwar großflächig angelegt ist, dadurch, dass es aber auf eine Wiese gesprüht wird, wächst es in absehbarere Zeit mit dem Rasen heraus und wird in wenigen Wochen schon nicht mehr sichtbar sein, erklärt die Projektleiterin.

Urban Land Art

Saypes künstlerischer Schwerpunkt liegt auf Land Art: Hierbei wird geografischen Raum in ein Kunstwerk verwandelt. Vor dem Start von „Beyond Walls“ hat er am Genfer See bereits größere Flächen besprüht. Die Grünflächen waren dabei schon immer seine Leinwand. Um die Umwelt nicht zu belasten, hat er eine spezielle, eigens entwickelte Rezeptur entwickelt, die aus Kreide, Milchenzymen und Kohle besteht. Diese muss mit Wasser angereichert und verrührt werden. Die Farbe bringt Saype anschließend mit einem einem handelsüblichen Hochdruckreiniger auf den Untergrund.

Das zweite Projekte wird im Schlesischen Busch platziert

Da die Genehmigung letztlich so kurzfristig gegeben wurde, war der Aufbau des Projektes eine regelrechte Hauruck-Aktion: Bereits am Mittwochmorgen haben der Künstler und sein dreiköpfiges Team mit den ersten Vorbereitungen begonnen. Am Donnerstagnachmitttag war das riesige Graffiti fertiggestellt. "Wir stehen unter Zeitdruck, da für das Wochenenden Regen angesagt ist und unter diesen Umständen die Farbe nicht hält", sagt Katia Hermann.

Am Freitagmorgen geht es mit der Aktion im Schlesischen Busch weiter. Dort wird der Künstler das gleiche Motiv auf eine Wiese sprühen. Die Idee hinter dem Projekt: Gemeinsam stark sein, über Grenzen hinweg. Saype glaubt, dass das eines der schwierigsten Dinge auf der Welt sei. Seine Vision sei es daher, das Kunstwerk über den gesamten Kontinent zu streuen.

Berlin ist die vierte Stadt nach Paris, Andorra und Genf, in der Saype sein Projekt verwirklichen konnte. Weitere Städte sollen hinzukommen: Im Februar 2020 möchte der Künstler das Projekt nach Burkina Faso bringen. Auch Rom und New York sind derzeit im Gespräch.