Stromausfall in Köpenick : Nicht alle Netzbetreiber auf Blackout vorbereitet

Auch die Handynetze sind von einem Stromausfall betroffen. Die Notversorgung ist lückenhaft.

Die Zuverlässigkeit der Handynetze ist vom Betreiber abhängig.
Die Zuverlässigkeit der Handynetze ist vom Betreiber abhängig.Foto: Stefan Sauer/ZB/dpa

Kein Licht, keine Heizung und kein Handynetz – auch viele Smartphones waren plötzlich offline, als eine zentrale Stromtrasse Köpenicks Dienstagnachmittag versehentlich durchtrennt wurde.

Tagesspiegel-Leser und -Kollegen hatten wiederholt das Funkloch beklagt und waren überrascht über die Anfälligkeit unserer digitalen Datenwelt. Zum Transport von Datenpaketen braucht es aber Strom. Das gilt für Sendeanlagen ebenso wie für Basisstationen. Ohne Strom kein Datenstrom – kein Ton, kein Bild.

Wie empfindlich Handynetze sind, hängt vom Netzbetreiber ab. Auf den Blackout sind nicht alle gleich gut vorbereitet. Das erwies sich in Köpenick – und geht aus einer Studie des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung im Deutschen Bundestag hervor, die die „Verletzbarkeit moderner Gesellschaften“ durch den „Ausfall der Stromversorgung“ erforscht hat.

Netz von Vodafone ist „durchgängig notstromversorgt“

„Unser Netz hat gehalten in Köpenick“, sagt Volker Petendorf von Vodafone. Jedenfalls bis in die Nacht hinein: Zwischen 3.48 Uhr und 9.45 Uhr seien drei Stationen in die Knie gegangen. Immerhin ist das Netz von Vodafone „durchgängig notstromversorgt“, heißt es auch in der Bundestagsstudie. Bei O2 und E-Plus seien „die Basisstationen akkugepuffert und laufen damit rund zwei Stunden weiter“. O2 rüste neue Basisstationen sogar „mit Brennstoffzellen aus“. Notstromdiesel und mobile Generatoren schützten auch gegen den Totalausfall – ein netzunabhängiger Betrieb „von vier bis sechs Stunden“ sei so möglich.

Bei der Telekom endet das Auskunftsersuchen des Tagesspiegels zu den Netzausfällen in der Warteschleife – bis die Melodie abbricht und das Besetztzeichen die Kappung der Leitung quittiert. Ärger mit ihren Telekom-Leitungen meldeten in den letzten 24 Stunden mehrere Dutzend Kunden auf der Website „allesstörungen“, ein sprunghafter Anstieg.

Beim Neubau von Sendeanlagen meist keine Notversorgung vorgesehen

Dass man bei einem Stromausfall „mit relativ schnellen Ausfällen der Basisstationen rechnen“ müsse, sodass Teilnehmer in deren Einzugsbereich „keinen Anschluss finden“, steht auch in der Bundesstudie. Die Forscher erwähnen auch die Notstromversorgung, allerdings seien Forschungsberichten zufolge viele Basisstationen „nicht gegen Versorgungsunterbrechungen gesichert“. Und ausgerechnet beim Neubau von Sendeanlagen sei meist keine Notversorgung beispielsweise durch Akkus vorgesehen. Warum das so ist, steht nicht im Bericht. Ein möglicher Grund für fehlende Notstromaggregate dürften die dadurch entstehenden Zusatzkosten der Provider sein.

Zwölf Newsletter, zwölf Bezirke: Unsere Leute-Newsletter aus allen Berliner Bezirken können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben