„Wir müssen diese Quote steigern“ : Berliner Senat will mehr Frauen in technischen Berufen

In den 54 landeseigenen Unternehmen werden immer noch zu wenig Mädchen in technischen Berufen ausgebildet. Eine neue Kampagne soll Schülerinnen motivieren.

Dilek Kalayci (SPD), ist seit 2016 Berliner Gleichstellungssenatorin.
Dilek Kalayci (SPD), ist seit 2016 Berliner Gleichstellungssenatorin.Foto: Christoph Soeder/dpa

In den Berliner Betrieben werden immer noch zu wenige Mädchen in technischen Berufen ausgebildet. Mit einer Quote von 15,3 Prozent liegt die Hauptstadt zwar bundesweit an der Spitze. Der Anteil von 16 Prozent in den 54 landeseigenen Unternehmen ist für Gleichstellungssenatorin Dilek Kalayci (SPD) aber nicht befriedigend. „Wir müssen diese Quote steigern“, sagte sie am Dienstag. Der Senat hatte zuvor in einem Bericht an das Abgeordnetenhaus eine Ausbildungsquote für Frauen von 50 Prozent bekräftigt.

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Mit einer Social-Media-Kampagne auf Instagram und einer stärkeren Kooperation von Schulen und landeseigenen Unternehmen sollen junge Frauen animiert werden, sich für technische Ausbildungsplätze zu bewerben. Kalayci sagte, auch der jährliche Girl’s Day, bei dem Schülerinnen sich in mehr als 300 Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Behörden auf berufliche Chancen informieren können, sei in diesem Zusammenhang sehr wichtig.

Denn 33 Prozent der Unternehmen, die sich am Girl’s Day beteiligen, würden auch Bewerbungen für Praktika und Ausbildungsplätze von den jungen Frauen erhalten. Die Gleichstellungssenatorin forderte Berliner Unternehmen auf, mehr Schulpraktika anzubieten und diese gezielt auch in den technischen Bereichen.

Das Landesgleichstellungsgesetz sieht eine geschlechtergerechte Verteilung der Ausbildungsplätze vor, die noch lange nicht erreicht ist. Durch die Quotenregelung sieht es in den Spitzenpositionen deutlich besser aus: Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten beträgt 55 Prozent, der Anteil weiblicher Geschäftsführer 42 Prozent. Berlin ist an 54 landeseigenen Betrieben und Einrichtungen direkt beteiligt. Hinzu kommen 140 Tochterunternehmen in eigener Regie. In den öffentlichen Unternehmen Berlins sind rund 52.000 Menschen beschäftigt.

Frauen verdienten 2018 18,37 Euro brutto weniger als Männer

2018 hatten Senatorin Kalayci in Zusammenarbeit mit IHK und Handwerkskammer die Kampagne „Gleichstellung gewinnt. Kulturwandel in den Unternehmen“ gestartet. Laut Senatorin beteiligen sich inzwischen rund 100 Unternehmen an der dreijährigen Kampagne. 2018 standen flexible Arbeitsmodelle im Vordergrund, im laufenden Jahr ging es um geschlechtergerechte Bezahlung.

Laut Statistik verdienten 2018 Frauen 18,37 Euro brutto. Das sind rund 14 Prozent weniger als die 21,38 Euro für Männer. Der bundesweite „Gender Pay Gap“, die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, beläuft sich auf 21 Prozent. 2020 stehen Frauen in Führung im Fokus.

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