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Zahlen, ohne zu fahren : Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg lehnt Kulanz bei Monatskarten ab

Viele Pendler in der Region nutzen ihre Monatskarten derzeit wegen der Ausbreitung des Coronavirus kaum noch oder gar nicht. Der VBB lehnt derzeit eine Kulanz ab.

Keine zahlenden Gäste. So sieht es zurzeit in vielen U-Bahnen aus.
Keine zahlenden Gäste. So sieht es zurzeit in vielen U-Bahnen aus.Foto: imago images/Frank Sorge

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) verweigert bei Monatskarten jede Kulanz. In einem Schreiben des VBB an den Fahrgastverband Pro Bahn heißt es, dass „die gültigen Tarifbestimmungen und Beförderungsbedingungen weiterhin anzuwenden sind“ – trotz Corona.

Pro-Bahn-Sprecher Peter Cornelius kritisierte die Haltung des VBB scharf: „Keine Kulanz. Alle Kunden müssen ihre Abos voll bezahlen, Ausnahmen gibt es nur mit kompliziertem Antrag bei Krankheit und amtlich verordneter Quarantäne.“

Eine VBB-Sprecherin sagte, dass man weiter im Gespräch mit allen Beteiligten sei, „was mögliche Regelungen für Abonnenten betrifft“. Die Sprecherin erinnerte daran, dass der VBB für Studenten schnell eine kulante Lösung gefunden hatte, wie berichtet, gelten die Semestertickets zunächst bis Ende April weiter. Die finanzielle Situation bei den Betrieben sei aber sehr schwierig.

Cornelius verwies darauf, dass zum Beispiel die Deutsche Bahn im Fernverkehr „vorbildlich“ kulant sei. So lassen sich gebuchte Fahrten einfach stornieren, Besitzer einer Bahncard 100 wurde ein Gutschein für die Zeit der Corona-Einschränkungen in Aussicht gestellt.

Die Bahn ist im Fernverkehr kulant

Die Bundesregierung informiert im Internet übrigens so: „Wer seine Zeitkarte für Bus und Bahn aufgrund der Einschränkungen des ÖPNV nicht nutzen kann, sollte sich bei seinem Verkehrsunternehmen erkundigen, ob es ein Verfahren zur Aussetzung des Abonnements gibt und eine anteilige Erstattung des Ticketpreises beantragen.“ Viele Unternehmen so die Bundesregierung seien „bereit, kulante Lösungen zu finden – auch wenn Kunden ihre Zeitkarte ganz kündigen möchten.“  Nicht so im Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg.

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Busse und Bahnen sollen zwar nicht genutzt, aber bezahlt werden, ärgert sich Cornelius. Pro Bahn forderte den VBB auf, den Kunden, „die ihr Abonnement nicht mehr nutzen können, wollen oder dürfen, unbürokratisch ein Aussetzen der Abo-Zahlung oder eine Anrechnung auf ein späteres Abonnement zu ermöglichen“.

VBB: Fast alle Fahrten finden statt

Der VBB verweist darauf, dass fast alle Fahrten stattfinden. So hat zum Beispiel die BVG nur 13 Prozent ihres Angebots wegen Corona reduziert. Im VBB sind BVG, S-Bahn, Regionalbahn und eine Vielzahl kleinerer Busunternehmen in Brandenburg organisiert.

Seit der weitgehenden Stilllegung des öffentlichen Lebens durch Corona sind die Fahrgastzahlen der Busse und Bahnen um 75 Prozent gesunken. Zehntausende Stammkunden müssen ihre Monatskarten weiter zahlen, ohne sie für Fahrten zur Arbeit zu nutzen. Je nach Geltungsbereich und Zahlart kostet die Karte 60 bis 190 Euro im Monat.

Ganz anders die Rechnung der Verkehrsbetriebe. Der BVG gehen nach eigenen Angaben derzeit 90 Prozent der Einnahmen verloren, kleinere Betriebe in Brandenburg düften noch stärker betroffen sein. Derzeit fahren viele Busse ohne einen einzigen Fahrgast über die Dörfer.

Das Potsdamer Verkehrsministerium überweist deshalb die normalerweise quartalsweise fälligen Zuschüsse für den Nahverkehr schon jetzt fürs gesamte Jahr. Nach Angaben des Ministeriums ist das ein Vorschuss von 75 Millionen Euro für die drei noch ausstehenden Quartale für Städte und Landkreise, die den Nahverkehr bezahlen müssen.

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