Berliner Schnauzen : Warum Drachenkopf-Heuschrecken besser als ihr Ruf sind

Der gruselige Name lässt an feuerspeiende Monster denken. Dabei sind diese Tierchen eigentlich friedliche Wesen. Sie helfen sogar bei Verdauungsproblemen.

Prachtstück. Ein Heuschreck ist schon für 40 Euro zu haben.
Prachtstück. Ein Heuschreck ist schon für 40 Euro zu haben.Foto: imago/blickwinkel

Wohl nur wenige Tierchen tragen ihren etwas gruselig anmutenden Namen mit solcher Berechtigung. Drachenkopf, da denken wohl die wenigsten Menschen an Fuchur, den liebreizenden weißen Drachen, der durch die „Unendliche Geschichte“ schwebt. Den meisten erscheinen doch eher diese feuerspeienden Monster, derer nur Siegfried Herr werden konnte – mit allseits tödlichen Folgen. Und Heuschrecken haben seit ihrer Machtübernahme der Weltwirtschaft auch nicht den besten Ruf.

Dabei sind unsere Drachenkopf-Heuschrecken im Zoo eigentlich friedliche Wesen, die zwar mit ihren vergleichsweise riesigen Maulwerkzeugen schmerzhaft zubeißen können. Aber wann machen die das schon mal? Nur bei Obst und Insekten. Und giftig sind die Bisse auch nicht.

Bis zu acht Zentimeter werden sie lang, inklusive der Langfühler. Sie sind also keine Gefahr, eher selbst gefährdet durch alles, was größer ist als sie und sie platttreten kann. Da helfen dann auch nicht mehr die lautstarken Abwehrgeräusche und auch kein beherzter Sprung zum nächsten Grashalm, sie springen nämlich sehr selten. Und die starke Panzerung ist eben so stark auch wieder nicht.

Nachzuchten sind schwierig

Im Übrigen brauchen wir bei den Schrecken im Zoo nicht zu gendern, im Aquarium werden nur Männchen gehalten. Nachzuchten sind schwierig. In San Diego ist mal eine gelungen, von den 35 Jungtieren haben gerade vier überlebt. Warum das so ist? Die Männchen sind leichter zu finden als die offensichtlich etwas zickigen Drachenkopf-Heuschreckinnen, darum im Ankauf wesentlich günstiger. Ein Heuschreck ist schon für 40 Euro zu haben, die Weibchen kosten 150. Also halten Freunde des Terrariums, die solcherlei Gekrabbel mögen, sie überwiegend patriarchisch. Was dann auch wieder einen Nachteil für die Herrschaften hat. Die langen Antennen der Männchen sind nämlich sehr empfindlich, es kommt im Gewusel leicht zu Verletzungen. Und die sind unweigerlich tödlich – im Terrarium, aber auch im angestammten Schrecken-Gebiet der Wälder von Indonesien und Malaysia, an Uferstreifen, in Schilfgürteln und Gräben, auf schlecht gemähten Wiesen.

Man kann sie als Tee verwenden

Was nun die Schrecken der Welt- und der Landwirtschaft angeht: Zerstören tun die Drachenköpfe zwar auch gerne, aber nicht in Schwärmen, was wiederum den Feldern zugutekommt. Sie sind nicht so gefräßig wie ihre Verwandtschaft, die Wanderheuschrecken. Sie haben sogar einen interessanten Vorteil. Man kann sie, so wird geworben, auch als Tee verwenden, der soll dann bei Verdauungsbeschwerden helfen und krampflösend auf Magen und Darm wirken. Wenn das Siegfried gewusst hätte! Er hätte das Drachenblut wohl besser getrunken, als darin zu baden. Und wenn man sich die Tierchen so anschaut, dann sollte, wer den Tee probieren mag, doch lieber beidseitig die Augenklappe von Hagen von Tronje, Siegfrieds Mörder, tragen.

Drachenkopf-Heuschrecke im Zoo

Lebenserwartung: etwa zwei Jahre

Natürliche Feinde: Alles Große mit platten Füßen

Interessanter Nachbar: Die Halloween-Fauchschabe