Berliner Schnauzen : Wie die US-Armee Edwardsfasane beinahe ausrottete

Während des Vietnamkrieges versprühten Amerikaner tonnenweise Entlaubungsgift über das asiatische Land. Mit grausamen Folgen für die schönen Vögel.

Mission Arterhaltung. Edwardsfasane werden weltweit nachgezüchtet, um sie künftig wieder in Vietnam anzusiedeln.
Mission Arterhaltung. Edwardsfasane werden weltweit nachgezüchtet, um sie künftig wieder in Vietnam anzusiedeln.Foto: imago/CTK Photo

Weltweit leben in den Zoos zwischen 600 und 800 Edwardsfasane, was wahrlich keine Überbevölkerung ist. Sie werden bald umbenannt und erhalten dann ihren ursprünglichen Namen zurück: Vietnamesischer Fasan. Was einen kleinen Hinweis geben könnte, wer Schuld daran trägt, dass dieser schöne Vogel fast ausgestorben ist. Die US-Armee nämlich. 72 Millionen Liter des hochtoxischen Entlaubungsmittels Agent Orange sprühten die Amerikaner während des Vietnamkrieges auf 4,9 Millionen Hektar des südostasiatischen Landes. Das ist ein Gebiet größer als Niedersachsen.

Eine verheerende kriegerische Maßnahme. Hier ist nicht der Platz, um all das menschliche Elend anzuführen. Es kam aber auch die Natur massiv zu Schaden, eben zum Beispiel der Vietnamesische Fasan, der in Friedenszeiten im dichten Unterwuchs des Regenwaldes lebt. Immerhin, nach zähen Verhandlungen beteiligen sich die USA inzwischen auch an der Arterhaltung. Eine wichtige Bedeutung kommt dabei dem Berliner Zoo zu, wo es ein Männchen und ein Weibchen gibt – Nachwuchs ist geplant – und wo Kurator Tobias Rahde das Internationale Zuchtbuch verwaltet.

Die zwei im Zoo sind scheu, das Weibchen noch schüchterner als der Herr, der mal kurz aus dem warmen Haus flitzt, sich aber in Anbetracht des Besuchers sofort umdreht und ebenso flott wieder in die Schutzburg zurückzieht. Deswegen muss der Kurator die Eckdaten hervorholen: Zwischen 60 und 65 Zentimeter kann der männliche Fasan lang werden, davon kommt der Schwanz auf etwa 25 Zentimeter; die Spannweite der Flügel schafft es auf ebenfalls 25 Zentimeter. Die Hennen sind etwas kleiner. Metallisch und seiden glänzt das Gefieder, dunkelblau, die Beine sind rötlich, karminrot beim Hahn, scharlachrot bei der Henne. Doch, wie gesagt, die zeigte sich nicht, ist ja viel zu kalt. Außerdem ist Paarungszeit, da haben die beiden Besseres zu tun, damit hoffentlich bald zwei bis drei Eier bebrütet werden können.

Derzeit wird die Wiederauswilderung probiert

Aber nicht nur Soldaten sind den Hühnern an den Hals gegangen, Fasanenfleisch schmeckt wie Huhn, auch Zivilisten, die die Vögel in Vietnam stark bejagten und wohl wieder bejagen werden. Hausaufzucht, wie bei unseren heimischen Hühnern, müssen sie nicht erleiden, es sind frei laufende Exemplare. Das aber ist ein Problem bei der weltweiten Arterhaltung. Derzeit wird die Wiederauswilderung probiert, dazu kommen die genetisch geeigneten Vögel in umzäunte und bewachte Gehege, um sie vor Gourmets und Jägern zu schützen. Da können sie sich finden, sich lieben und vielleicht vermehren.

Im Jahr 2030, so die Hoffnung, soll eine angewachsene Population in die Freiheit entlassen werden. Wo sie dann im Unterlaub stolzieren und, weil als Zugvögel flugfähig, bei Gefahr mit lautem Warnruf auf Bäume flattern können. Sofern die Fasane denn Bäume finden. Denn auch fast 45 Jahre nach dem Pariser Abkommen und dem Ende des Vietnamkrieges ist der toxisch verseuchte Boden nicht in der Lage, die alte Fauna wiederherzustellen. Die Eukalyptusbäumchen zum Beispiel wachsen nur halb so hoch wie sie eigentlich sollten. Die Amerikaner haben ihre grausame Sache gründlich gemacht, apokalyptisch eben, wie es im berühmten Film heißt.

Edwardsfasan im Zoo

Lebenserwartung:  in Obhut 10 bis 12 Jahre

Interessanter Nachbar: alle Tiere der gesamten Fasanerie