Wohnen in Köln die lustigsten Menschen?

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Cordula Stratmann : „Ich sage meinem Sohn: Jetzt ist Schluss!“

Ihr erster Beruf hilft Ihnen dabei.

Davon profitiere ich bis heute. In manchen Situationen merke ich, huaa, du musst jetzt den Raum verlassen und dich draußen auslüften, weil du hier gerade schön mit deinem Sohn in einen Wirbelwind hineingerätst. Niemand kann mich so schnell auf die Palme bringen wie er. Wahnsinnig zu beobachten, zu welchen heftigen Gefühlen man in der Lage ist mit diesen großartigen Wesen. Man staunt über sich. Als ich noch kinderlos war, erzählte mir eine Freundin: Du ahnst es nicht, alles potenziert sich. Angst, Wut und Liebe. Und aus diesem emotionalen Rausch muss man ab und zu mal raus und sagen: Ich muss aufs Klo.

Gibt es Parallelen zwischen Ihren beiden Berufswelten?

Beides ist extrem kreativ. Deswegen fühle ich mich an beiden Plätzen auch so wohl. Familienarbeit ist sehr beweglich, sehr überraschend – das, was ich heute mache, auch. Beides kann auch wahnsinnig lustig sein.

Hier in Köln wohnen angeblich die lustigsten Menschen Deutschlands …

… ist das nicht schön, liebe Berliner, kommt her und habt Spaß!

Eine Woche im Jahr, zum Karneval, drehen die Leute richtig durch. Ist Ihnen das sympathisch?

Nein. Ich hasse Karneval – schon seit ich kleine Düsseldorferin war. Es war einfach anstrengend, bestimmte Leute nicht mehr wiederzuerkennen. Dann benahmen die sich auch noch so komisch! Da bin ich echt aus einer anderen Witzgruppe. Meine Mutter hat mich früher als Nachtwächter verkleidet. Dieses scheißbraune Kittelchen! Diese Papplaterne!

Ganz schön fies.

Und genauso empfand ich Karneval. Ich durfte nämlich nicht Prinzessin werden. Da war meine Mutter dagegen, das fand sie albern und blöd.

Sie durften sicher auch keine Barbies haben.

Richtig. Hatte ich aber trotzdem. Vom Schwarzmarkt.

Bitte?

Ja, da staunen Sie! Meine Freundin Maria und ich, wir haben einen Kellerdeal gehabt mit den älteren Nachbarmädchen Gisela und Petra. Da gab es eine Kofferübergabe im Keller. Drei Barbies schleppten wir rüber ins Haus, wo Marias Familie wohnte. Dann hat Marias nächstjüngerer Bruder in der Tür Schmiere gestanden, wenn Maria und ich in der Zimmerecke gespielt haben. Den Rest will ich für mich behalten.

Mit dieser Sozialisation könnten Sie ein Fan von Heidi Klum sein. Stattdessen bezeichnen Sie sie als „Trainerin in Gehässigkeit und Herablassung“. Bisschen übertrieben, oder?

Nee, so sehe ich das. Ich finde es ekelhaft, Menschen in der Öffentlichkeit abzuwerten.

Sie verabscheuen also den Karneval. Doch Sie haben sich jahrelang selbst als Annemie Hülchrath verkleidet.

Die sollte nicht extra komisch, sondern echt sein. Karneval bedeutet ja: Du siehst lustig aus, ich seh lustig aus. Jetzt treffen wir uns in einer Kneipe, da kommt vom Band lustige Musik. Dann bewegen wir uns von rechts nach links, bis einer umkippt, weil er zu viel Bier getrunken hat. Annemie gab es ja ganzjährig als Figur aus dem wahren Leben.

Manche behaupten, Kölner sind deswegen so lustig, weil sie meist katholisch sind. Die Erklärung ist dann: Alle sind Messdiener gewesen.

Na klar, darum hab ich meine Brüder schwer beneidet: die ganze Messe durchkichern und zum Schluss nach Weihrauch stinken, weil man mit diesem Gerät eine Stunde draufgehalten hat. Auch die Beichte mochte ich. Das war wie Keller ausmisten, gepaart mit dem Gefühl: Jetzt kann ich wieder Schmutz machen … das ist doch toll.