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Drama in Rot am See : Verdächtiger sitzt nach Todesschüssen in U-Haft

Gegen den Sportschützen, der am Freitag in Rot am See sechs Menschen tötete, ist Haftbefehl erlassen worden. Sein Motiv ist nach wie vor unklar.

Ein Polizist läuft durch Rot am See.
Ein Polizist läuft durch Rot am See.Foto: Tom Weller/dpa

Nach dem Verbrechen in Rot am See mit sechs Toten hat der zuständige Ermittlungsrichter Haftbefehl gegen einen 26-Jährigen erlassen. Grund: Verdacht des sechsfachen Mordes und des zweifachen versuchten Mordes. Ihm wird vorgeworfen, am Freitag seine Eltern, seine Stiefgeschwister sowie seinen Onkel und seine Tante erschossen zu haben, wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Samstag weiter mitteilten. Der Beschuldigte, ein Sportschütze, lebte mit seinem Vater in einer Wohnung über einem Lokal, das der Vater betrieb. In und um das Gebäude fielen die tödlichen Schüsse.

Die Spurensuche in Rot am See ging in der Nacht zu Samstag weiter.
Die Spurensuche in Rot am See ging in der Nacht zu Samstag weiter.Foto: imago images/onw-images/MariusxBulling

Nach der Tat von Freitag gab es am Samstag wieder einen Zwischenfall. Der Polizei zufolge ging am Vormittag um 10.45 Uhr eine Meldung zu Schüssen in dem Ort ein. Nach dem Eintreffen bei einer Wohnung stellte die Polizei nach eigenen Angaben fest, dass sich ein Verdächtiger verbarrikadiert hatte. Schließlich habe ein Spezialeinsatzkommando den Mann unverletzt festnehmen können.

Einen Zusammenhang zu dem Verbrechen am Vortag gibt es der Polizei zufolge nicht. Es sei noch nicht einmal klar, ob die Schüsse aus einer Waffe gekommen seien. Möglich sei, dass ein Trittbrettfahrer nach der Bluttat vom Vortag die Aufmerksamkeit auf sich habe ziehen wollen, sagte ein Sprecher der Polizei.

Nach den tödlichen Schüssen vom Freitag versuchen die Ermittler weiter herauszufinden, was den Schützen zu der Tat getrieben haben könnte. Der 26-Jährige sollte im Laufe des Samstags dem Haftrichter vorgeführt werden. Der Sportschütze wird verdächtigt, am Freitagmittag in der kleinen Stadt im Nordosten Baden-Württembergs seinen Vater, seine Mutter und vier weitere Verwandte erschossen zu haben. "Zu dem Motiv können wir bisher nichts sagen, wir gehen aber von einem Familiendrama aus", sagte Polizeipräsident Reiner Möller.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) riet angesichts erster Forderungen nach einem schärferen Waffenrecht zu Besonnenheit. „Das Waffenrecht ist vom Bundesgesetzgeber erst vor kurzem geändert, es ist verschärft worden“, sagte er am Freitagabend am Rande der CDU-Klausur in Schöntal (Hohenlohekreis). „Man muss sich jetzt ganz genau, sorgfältig und sorgsam anschauen, ob und wie man hier möglicherweise noch nacharbeiten muss.“

Der Bundestag hatte im Dezember 2019 ein schärferes Waffenrecht beschlossen. Dazu gehört eine Regel-Prüfung von Waffenbesitzern durch den Verfassungsschutz, bevor eine Erlaubnis erteilt wird. Mitglieder einer verfassungsfeindlichen Vereinigung gelten künftig in der Regel als waffenrechtlich unzuverlässig, so dass ihnen die Waffenerlaubnis verweigert oder eine bestehende Erlaubnis entzogen werden kann. Zudem gibt es neue Meldepflichten für Waffenhersteller und -händler geben. Die Größe von Magazinen wurde bei bestimmten Waffen begrenzt, um die Nutzung für Terroranschläge zu erschweren.

Der mutmaßliche Schütze hatte laut Polizei bei seinem Anruf auf der Wache keinen Grund für seine Tat genannt. Der 26-jährige Deutsche aus Rot am See habe eine Waffenbesitzkarte gehabt und selbst in dem Haus gelebt, in dem er die Tat verübt habe. Auch einige der Opfer hätten in dem Gebäude gewohnt. Die Ermittler fanden drei Frauen im Alter von 36, 56 und 62 Jahren sowie drei Männer im Alter von 36, 65 und 69 Jahren tot auf.

Zwei weitere Menschen wurden schwer verletzt, einer von ihnen schwebe in Lebensgefahr, teilten die Staatsanwaltschaft Ellwangen und das Polizeipräsidium Aalen am Freitagabend mit. Demnach handelt es sich bei den Verletzten um einen Mann und eine Frau. "In welchem Beziehungsverhältnis diese beiden auswärtigen Personen zum Tatverdächtigen stehen, ist Gegenstand der Ermittlungen", hieß es in der Erklärung weiter. Der 26-Jährige soll zudem zwei Jugendliche im Alter von zwölf und 14 Jahren bedroht haben.

Die Tat ereignete sich in der Bahnhofstraße in der Gemeinde im Landkreis Schwäbisch-Hall. Die Polizei war am Freitag mit einem Großeinsatz vor Ort, zeitweise waren 100 Einsatzkräfte im Einsatz. Der Täter soll in dem Haus gelebt haben, in dem er die Tat verübt habe. Auch einige der Opfer hätten in dem Gebäude gelebt. Bislang sei der 26-Jährige nicht strafrechtlich aufgefallen.

Die Gemeinde Rot am See hat knapp 5400 Einwohner und liegt zwischen Crailsheim (Baden-Württemberg) und Rothenburg ob der Tauber (Bayern). Jährlich im Oktober findet dort die „Muswiese“ statt, einer der ältesten und größten Jahrmärkte in Hohenlohe.

(Tsp, dpa, AFP)