Einmal hingeschaut : Über die türkische Hotellerie und Partnerbörsen

Wie der Plan eines Bekannten, aus der Türkei zurück nach Deutschland zu kehren, gründlich schief gegangen ist. Eine Kolumne.

Ahmet Refii Dener
Blick vom Hotel auf den Strand.
Blick vom Hotel auf den Strand.Foto: privat

Mein Bekannter war in den letzten fünf Jahren drei Jahre im Hotelmanagement in Alanya festangestellt. Da man in den Urlaubsregionen in der Hotellerie aber nur saisonal beschäftigt ist, hatte er eigentlich nur 18 Monate eine Arbeit. In dieser Zeit hat er ungefähr zehn Monate tatsächlich Gehalt bekommen und zwar jeweils mit zwei bis drei Monaten Verspätung.

Er schimpfte ständig auf seine Eltern, denn diese waren mit ihm 1994 aus Deutschland zurück in die Türkei gekehrt. „Mich hätten sie wenigstens zurücklassen können!“ sagte er immer.

Oft spielte er die Möglichkeiten durch, wie er wieder in Deutschland leben könnte, denn dort erhoffte er sich bessere Anstellungsverhältnisse. Am einfachsten wäre es durch eine Scheinehe, dachte er, obwohl er in Alanya mit einer Türkin glücklich verheiratet war. Wie seine eigentliche Frau nachkommen könnte, hatte er noch nicht zu Ende gedacht.

Brauchte er dann auch nicht mehr: Wieder war er bei einem seiner jährlichen vierzig bis fünfzig Vorstellungsgespräche. Im Zimmer des Geschäftsführers sollte die letzte Entscheidung fallen, ob er in der Saison 2016 beschäftigt sein würde. Es war schon April, eigentlich fast zu spät um noch hoffen zu können.

Der Chef stellte eine Frage, die ihm bis dahin noch nie gestellt wurde: „Ist Ihre Frau Kopftuchträgerin?“ Eigentlich benutzt man in der Türkei den Begriff: „Bedeckt“ statt „Kopftuchträgerin“. Hinter dem Geschäftsführer hing das Bild von Atatürk, aber er wusste, dass er in der Türkei von heute daraus keine Gesinnung ableiten konnte.

Alternative: Partnervermittelung?

Alles spielte sich im Bruchteil einer Sekunde ab, während er kurz am Grübeln war, was er antworten sollte, ging die Tür auf und eine „Bedeckte Frau“ kam herein. Sie servierte Tee. Bei diesem Anblick kam es aus ihm rausgeschossen: „Meine Frau ist bedeckt!“ „Dann ist ja gut, du kannst morgen Anfangen!“. Zuhause angekommen, forderte er die Ehefrau auf sich zu bedecken.

Daraufhin dachten die Frauen im Haus, dass die Familie AKP nah ist und bedeckten sich ebenfalls. Es fingen noch andere Frauen in der Umgebung an sich zu bedecken, aus Angst, sie könnten sonst Nachteile haben. Es kam anders als gedacht, denn seine Frau wollte nicht bedeckt leben und ließ sich scheiden. Seitdem ist er ohne Arbeit und Ehefrau. Eigentlich könnte er nun seinen Deutschland-Traum realisieren.

Er hat von einem Portal gehört, wo sich die Singles alle elf Minuten verlieben. Das hört er seit Jahren in der Werbung, wenn er deutsches Fernsehen schaut. Doch die elf Minuten sind schon lange um und er ist immer noch Single.