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© Lee Edward

Tagesspiegel Plus

Neu in Berlin: Sieben Bistros und Cafés, die Sie überraschen werden

Tee unter Palmen, Jazz zum Kaffee, Bao Buns zum Flat White – diese Neueröffnungen trotzen der Krise mit ungewöhnlichen Konzepten, viel Design und ausgefeilten Snacks.

Von
  • Felix Denk
  • Kai Röger

Sie starteten zu einem denkbar ungünstigen Augenblick, als Innengastronomie untersagt war und auch die Aussicht, draußen bewirten zu können, noch in weiter Ferne lag. Trotzdem eröffneten sie neue Cafés, verkauften ihre Spezialitäten, Feinkostprodukte anderer und sogar Blumen eben zum Mitnehmen. Wir haben uns die spannendsten Neueröffnungen angeschaut und bemerkten einen Trend zu extrem hoher Produktqualität, gepaart mit starker Affinität zu puristischem Design und den Willen, das „Café“, so wie wir es kennen, um neue Facetten zu bereichern.


Café mit Biergarten – Terz

Lage, Lage, Lage – das sind auch die drei entscheidenden Kriterien, die einen guten Biergarten ausmachen. Dieser hier ist gleich um die Ecke vom Tempelhofer Feld, in der Mitte des kreisrunden Herrfurthplatzes in Neukölln, im Windschatten der Genezarethkirche, in dessen Seitenflügel das Café Terz untergebracht ist. Draußen sitzt man lauschig auf langen Bänken, drinnen dominiert smarter Minimalismus den Look. Gekocht wird mit Sinn für Details.

Ausgefeilte Sandwichs: die „Bohnenstulle“ aus dem „Terz“.

© Claudia Katzmarski

In der Spargelsuppe sind das etwa forsch angeröstete Spargelspitzen, Rhabarberstückchen, Haselnüsse und Wildkräuter. Das alles mit guten Produkten. Die confierte Lachsforelle kommt von 25 Teiche, manchmal gibt es Moules frites, die Miesmuscheln bringt der „Fish Klub“ aus der Markthalle Neun mit. Die Sandwiches wie die Zimtschnecke sind aus Sauerteig. Kleine Auswahl an Kuchen. Perfekter Proviant fürs Tempelhofer Feld, wenn man nicht gleich vor Ort versackt. 
Neukölln, Herrfurthplatz 14, Do-Fr 8-23, Sa 9-23, So 9-22 Uhr, terz.berlin

Nicht nur Kaffee und Tee: Das „Terz“ hat alles, was man für ein Picknick auf dem Tempelhofer Feld braucht.

© Claudia Katzmarski


Der beste Lunch der Stadt? – Sorrel

Ist das noch ein Café? Oder ist das Essen dafür schon zu gut? Darüber kann man im Fall des Sorrel durchaus streiten. Mittags servieren sie hier in dem lichten Eckladen in der Neuköllner Pannierstraße eine ziemlich ansehnliche Karte: Zu den Favoriten zählt die Kartoffelgalette mit Räucherfisch, Meerrettich und Kräutersalat oder das japanisch inspirierte Pork Katsu Sandwich auf Brioche-Brot.

Uhlala, ist das noch ein Snack zum Kaffee? Die Kartoffelgalette mit Räucherfisch, Meerrettich und Kräutersalat aus dem „Sorrel“.

© Sorrel

Das Kotelett ist in einer Koji-Marinade eingelegt und mit Pankokruste frittiert – und bildschön auf Keramikgeschirr serviert. Der selbstgewählte Anspruch, das beste Mittagessen der Stadt zu servieren, ist forsch formuliert, aber ernst nehmen sie die Sache hier. Feine Auswahl an Naturweinen, guter Kaffee von der Rösterei Fjord. Keine Reservierung.
Neukölln, Pannierstraße 40, Mi-Mo 10-16 Uhr, sorrel.berlin

Der holzvertäfelte Tresen ist ein wiederkehrendes Motiv der neuen Liga Craft-Coffee-Bistros: „Sorrel“.

© Sorrel


Kaffeegenuss zwischen Palmen – Café Frank

Hier sind Vollprofis in Frustrationstoleranz am Werk. Während des ersten Lockdowns eröffneten Oliver Mansaray und Daniel Scheppan das mondäne Restaurant „Kink“ samt Craft-Cocktail-Bar. Im zweiten Lockdown folgte ebenfalls im Pfefferberg das „Frank“, ein Café mit smartem Look. Blickfang ist der aus einer alten Werkbank zusammengeschweißte Tresen und die vielen Pflanzen, die dem hohen Raum sein besonderes Charisma geben.

Sitzecke zwischen Blumen und Palmen: das Café Frank im Pfefferberg.

© Lee Edward

Wen all zu viel Auswahl verwirrt, der ist hier richtig. Es gibt ein täglich wechselndes Mittagsgericht, etwa ein Gerstenrisotto mit grünem Spargel, Favabohnen und Bärlauch. Und eine sehr gute französisch geprägte Patisserie (die Patissière hat bei Pierre Gagnière gelernt), dazu kaltgepresste Säfte, guter Kaffee und komische Eissorten (Miso & Spargel, von Duo Sicilian Ice Cream), und die schönste Terrasse weit und breit. 
Prenzlauer Berg, Schönhauser Allee 176, Mo-So 8.30-18 Uhr, frankcafe.de

Shabby-chick in Dschungelambiente: der Tresen des Café Frank.

© Lee Edward


Puristisches Design und exzellenter Kaffee – Jules Geisberg

Im großen Bruder, dem riesigen „Jules B-Part am Gleisdreieck“, gastiert seit letztem Sommer der Streetfood-Markt „Bite Club“. Das neue, sehr viel kleinere „Jules“ liegt um die Ecke des Viktoria-Luise-Platzes. Im Innern regiert puristische Sachlichkeit, akzentuiert durch Designelemente und einen geschwungenen, edel mit Holz verkleideten Tresen.

Nüchternes Design und Kaffee von fair und nachhaltig arbeitenden Erzeugern: „Jules Geisberg“.

© Jules Geisberg

Draußen sitzt es sich ebenso schick wie gemütlich entlang der Klinkerfassade des ehemaligen Postamts. Es gibt Bananenbrot, Käsekuchen und kleine Teilchen, aber eigentlich dreht sich hier alles um den Kaffee. Die passionierten „Jules“-Barristas wollen verschiedene, ethisch und nachhaltig arbeitende Röstereien vorstellen. Eine High-End-Craft-Coffee-Bar sozusagen mit exzellenten Heißgetränken und nerdig-sympathischem Personal.
Schöneberg, Geisbergstraße 9, tägl. 10-17 Uhr, jules-cafe.de

Filmreif schick sitzt man auch vor dem „Jules Geisberg“.

© Kai Röger


Wohnzimmeratmosphäre zwischen Blumen – Erchy’s

„Café“ ist in Berlin zu einem Sammelbegriff geworden, der kaum noch etwas mit dem Kaffeehaus zu tun hat. Im „Erchy’s“ erweitert Marie Ercemen das Feld um eine Spielart, die man Pflanzen-Bistro-Feinkost-Café nennen könnte: Klassisch ist das Angebot aus gutem Tee und Kaffee, selbstgemachten Frühstückscerealien und Kuchen, während Shakshuka im Brot und das Grilled-Cheese-Sandwich eher an ein Bistro erinnern.

Feinkost von „Up & Coming Market“ gibt es zum Mitnehmen und auch Topfpflanzen, die in Regalen im lichtdurchfluteten Raum zum Verkauf stehen. Klingt nach Concept-Store, ist aber eher ein sympathisches Ausprobieren, was Café noch sein kann. Passt dazu: Als Vorbild für die Einrichtung nennt Ercemen das Wohnzimmer ihrer türkischen Großeltern.
Mitte, Choriner Straße 84, Mi-Fr 9-16 Uhr, Sa/So 10-16 Uhr, erchys.com

Blumenladen und Café mit Wohnzimmeratmosphäre.

© Kai Röger


Vietnamesischer Kaffee zum Bao Bun – Café Meier’s

Die Baustelle wird das kleine, bis auf einen geschwungenen Holztresen weiß gehaltene Café noch eine Weile verstecken. An Draußenbewirtung ist noch nicht zu denken, weshalb es aktuell selbstgebackene Teilchen sowie am Wochenende herzhaft oder süß gefüllte Bao Buns nur zum Mitnehmen gibt. Dazu wird vietnamesischer Kaffee in westlicher Zubereitung geboten. In Vietnam werden die Bohnen sehr stark geröstet, man kann schon sagen: verbrannt, weshalb der Kaffee meist mit süßer Kondensmilch serviert wird.

Der Kaffee wird aus Vietnam importiert.

© Kai Röger

Das „Meier’s“ importiert die Bohnen aus Vietnam, röstet sie aber milder und mischt sie mit Arabica-Bohnen, so dass sie sich – vollmundig und leicht süß – auch für die Zubereitung von Flat White oder Espresso eignen. Eine neue Facette urban-globalisierter Kaffeekultur.
Mitte, Gormannstraße 16, Mo-Fr 8-17 Uhr, Sa/So 10-17 Uhr, Facebookseite

Der holzvertäfelte Tresen ist der Blickfang im Café Meier’s.

© Kai Röger


Ein Blick in die Nahe Zukunft – Café Frieda

Am Helmholtzplatz im ehemaligen „Frida Kahlo“ wird zwar noch gewerkelt, das Soft-Opening ist aber bereits terminiert: Am 18. Juni eröffnen Samina Raza und Ben Zviel aus dem nahegelegenen Restaurant „Mrs Robinson’s“ das „Frieda“, ein Café-Bistro-Aperitivobar-Restaurant, je nachdem, wann man es betritt.

Samina Raza in ihrem neuen, noch nicht eröffneten Café Frieda.

© Robert Rieger

Tagsüber gibt es ausgewählt guten Kaffee und selbstgebackene Teilchen. Mittags kommt ein Lunchangebot dazu, ab 17 Uhr trifft man sich zum Aperitivo bei hausgemachter Charcuterie aus regionalen Produkten. Ab dem Sommer wird es abends auch ein Menü geben, bei dem dann Ben Zviel das Zepter schwingt. Man kann also sicher sein, dass alles was serviert wird mit hohen Ansprüchen an Produktqualität und Handwerk verbunden sein wir. Anspruchsvoll wird auch die Musikauswahl: ausschließlich Vinyl in Hi-Fi-Qualität, wie in den „Kissas“, wie die Jazz-Cafés in Japan genannt werden – eben alles, außer gewöhnlich!
Prenzlauer Berg, Lychener Straße 37, Eröffnung voraussichtlich ab 18. Juni Mi-So ab 10 Uhr, cafefrieda.de

Übrigens: Die Vorstellung neuer Cafés ist der Beginn einer loser Reihe, in der wir die nächsten Wochen thematisch sortiert die wichtigsten Neueröffnungen während des Lockdowns vorstellen werden. Was uns bei der Sammlung stolz und glücklich stimmte: Berlin ist wie keine zweite Stadt voller mutiger Gründer, die sich von Krisen und Einschränkungen nicht abschrecken lassen, ihren Traum zu verwirklichen. Darauf gönnen wir uns einen Flat White aus sanft gerösteten vietnamesischen Kaffeebohnen und essen ein Bánh bao nhân thịt gà dazu.

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