"Wir haben Hendrix hinter der Bühne erlebt"

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Gitarrenlehrer Peter Bursch : "Drogen? Ich bin naturstoned genug"
Peter Bursch, Musiker und Gitarrenlehrer, lernte eigentlich Klavier am Konservatorium.
Peter Bursch, Musiker und Gitarrenlehrer, lernte eigentlich Klavier am Konservatorium.Foto: Joe Kramer

Ist Bröselmaschine heute eine alkoholfreie Band?

So kann man das nicht sagen. Ich trinke gern mal ein Glas Wein oder Bier, nur muss ich mir nicht 16 davon reinziehen. Einige in der Band trinken gar nichts, nur noch einer raucht.

Erinnern Sie sich an Ihre erste eigene Gitarre?

Das war in einem Second-Hand-Laden in Duisburg. Eine Framus, oder eine Höfner, ich weiß es nicht mehr genau. 20 Mark hat die gekostet. Zwei Jahre später habe ich sie gegen eine bessere eingetauscht. Mit Stahlsaiten. Da habe ich richtig für gespart. Als Erstes habe ich alle Saiten kaputt gemacht beim Versuch, die Gitarre zu stimmen. Zum Glück gab es einen Nachbarn bei uns im Haus, der mir das zeigen konnte.

Unterricht hatten Sie nie?

An der Gitarre nicht. Ich habe Klavier am Konservatorium gelernt. Klassisch nach Noten. Da ergibt das Notensystem mehr Sinn als für Gitarre. Fürs Komponieren hat mir das viel gebracht, zu wissen, wie ich einzelne Akkorde zusammensetze.

Was war das erste Stück, das Sie spielen konnten?

„That’s All Right“ von Elvis! Daran habe ich Wochen gesessen, obwohl es nur drei Griffe sind. Noch länger habe ich für die Beatles gebraucht, als ich „I Want to Hold Your Hand“ im Radio hörte. Da musste ich ganz schön knobeln. Monatelang.

Machen Sie eigentlich Fingerübungen?

Ich bin jetzt 67 und merke, ich muss mich doch gezielt locker machen vor Konzerten. Ich war ohnehin nie der schnellste Solist, bin eher der Rhythmusgeber, der die Band lenkt. Und ich schreibe gerne Songs. Ich hatte nie das Bedürfnis, an der Bühnenkante ein Jimi-Hendrix-Solo zu spielen.

War Hendrix ein Poser?

Er war alles. Ich war bei seinem allerletzten Konzert, beim Festival auf Fehmarn. Da sollten wir mit Bröselmaschine auftreten. Hendrix haben wir hinter der Bühne erlebt. Ein befreundeter Schlagzeuger ging zu ihm hin und sagte: „Du hast ’nen scheiß Drummer, nimm lieber mich für die nächste Tournee.“ Dazu kam es dann natürlich nicht. Genauso wenig wie zu unserem Auftritt. Wir sollten am Sonntagnachmittag spielen. Aber der Veranstalter war mit der Kohle durchgebrannt. Als Roadies hatte er Hells Angels angeheuert. Die waren so sauer, die haben die Bühne abgefackelt. Wir sind lieber schnell abgehauen.

Aber Jimi Hendrix’ letzten Auftritt haben Sie noch erlebt?

Zum Glück! Das war für uns das Größte. Er war im Grunde der erste Musiker, der sich selbst spielte – sein Körper war mit der Gitarre verwachsen. Seine Ausstrahlung, sein Sex-Appeal, alles eine Einheit. Der traute sich was. Wir kannten natürlich den Film vom Monterey Pop Festival, wo er auf der Bühne seine Gitarre anzündete.

Sie haben vom „Beatles“-Guru Ravi Shankar das Sitarspielen gelernt. Wie kam es dazu?

Das war nicht wirklich Unterricht. Ich hatte ihn mal für eine Musikzeitung interviewt, da war er gerade mit George Harrison auf Tour in den USA. Dabei habe ich ihm erzählt, dass ich Sitar spiele. Er hat gleich den nächsten Interviewer vertröstet: „Ich brauche jetzt mal eine Stunde Ruhe.“ Ich durfte auf seiner Sitar ein paar Sachen zeigen. Der hat über meine Technik gelacht. Dann habe ich ein bisschen improvisiert, und das fand er ganz gut. Er hat mir anschließend einige Tipps gegeben.

In der Neuauflage Ihres Buches ist auch Helene Fischer drin, „Atemlos durch die Nacht“. Wie konnte das passieren?

Die Schüler wollten das unbedingt lernen, haben mich ständig nach den Griffen gefragt. Der Verlag war begeistert, weil er glaubt, dadurch mehr Bücher zu verkaufen. Ich habe gewarnt, dass wir das Lied wohl in zwei, drei Jahren wieder rausnehmen müssen.

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