Europäischer Journalist des Jahres : Prix Europa für Armin Wolf

„Wir brauchen Journalisten, die unangenehme Fragen stellen“: Der Österreicher Armin Wolf ist Europäischer Journalist des Jahres.

Nun auch Europäischer Journalist des Jahres: Armin Wolf, Fernsehmoderator aus Österreich.
Nun auch Europäischer Journalist des Jahres: Armin Wolf, Fernsehmoderator aus Österreich.Foto: dpa

Vor ein paar Tagen der Leipziger Medienpreis, nun gar Europäischer Journalist des Jahres: Diese Auszeichnung wurde am Freitagabend in Potsdam an Armin Wolf im Rahmen des Prix Europa vergeben. Medienschaffende aus ganz Europa wurden dabei geehrt.

Wolf, politischer Fernsehjournalist und Moderator der Nachrichtensendung ZIB2 im ORF, ist zuletzt wiederholt für seine kritischen Fragen als Journalist angegriffen worden. Einer der Gründe, aus denen die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen Österreich auf der Weltrangliste der Pressefreiheit um fünf Plätze zurückgestuft hat. Das teilten die Veranstalter mit.

In seiner Dankesrede wandte sich Armin Wolf demnach gegen Eingriffe von Seiten der Politik ins Mediengeschehen. „Sobald sie an der Macht sind, versuchen Populisten, Kontrolle über einflussreiche Medien zu gewinnen, wie man das auf erschreckende Art und Weise in Ungarn miterleben kann oder in Österreich, wo  versucht wurde die Rundfunkgebühren abzuschaffen.“

Er warnte Journalisten davor, die eigene Arbeitsweise an derartige Methoden anzupassen. „Wir müssen unsere Arbeit machen, so professionell, gewissenhaft, verlässlich und fair wie wir können.“

Prix Europa-Präsidentin Cilla Benkö, Intendantin von Sveriges Radio, richtete zuvor klare Worte an Armin Wolf und alle anderen Medienschaffenden im Saal: „Wir brauchen Journalistinnen und Journalisten, die unangenehme Frage stellen. Die persönliche Risiken eingehen und ihren Job aufs Spiel setzen. Und die in einen Dialog treten, welcher der Wahrheitsfindung und der Information des Publikums dient.“
Nicht nur die Pressefreiheit ist derzeit auch in Europa in Gefahr, auch das Konstrukt Europa selbst. RBB-Intendantin Patricia Schlesinger fragte in ihrer Eröffnungsrede: „Was eigentlich hält uns in diesen Tagen zusammen: uns Europäer? Die Kultur ist es, ja, die Kultur zeichnet uns aus.“ Und gerade die Medien spielen hierbei eine wichtige Rolle.

Der Prix Europa versteht sich als Austauschplattform für Medienschaffende des gesamten Kontinents, sie entscheiden jedes Jahr gemeinsam, welche Programme als Europas Beste nach Hause gehen.

Das Festival für Fernseh-, Hörfunk- und Online-Angebote wurde vom EU-Parlament und der EU-Kommission 1987 ins Leben gerufen. Es wird vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) als Gastgeber betreut. Der Preis wird in mehreren Kategorien vergeben - seit 2018 in Potsdam.


„But when mommy is coming?"

  Der Titel Bester Europäischer Film zum Thema kulturelle Vielfalt ging in die Schweiz für „But when mommy is coming?”, eine Dokumentation über einen syrischen Vater, der seine Frau im Irak zurücklassen musste, um ihren behinderten Sohn zu retten. Zum Besten Dokumentarfilm gekürt wurde eine europäische Koproduktion, die von den Schweden eingereicht worden war: In „The Raft” geht es um ein fragwürdiges Menschen-Experiment aus den 70er Jahren, dessen Teilnehmer sich nach über 40 Jahren noch einmal wiedertreffen.

Ebenfalls nach Schweden geht der Titel Beste Europäische Fernsehinvestigation: „Mission Investigate: Deceptive Diplomacy Sweden” deckt die Verbindung von Mitgliedern der kongolesischen Regierung zum Mord an zwei UN-Experten auf.

Beste Europäische Fernsehserie wurde die finnische Produktion „Invisible Heroes”, über zwei Diplomaten, die in den 70er Jahren über 2000 Chilenen vor dem Militärputsch retteten. Das diesjährige beste Fernsehdrama heißt „Care” und kommt aus dem Vereinigten Königreich.
Es erzählt die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter im Kampf mit dem britischen Gesundheitssystem.

Im Radiobereich wurde mit besonderer Spannung die Auszeichnung des neuen Serienpreises für die Beste Europäische Radiodokumentation erwartet. Freuen durften sich hier die Norweger, die mit „Lord of the Ring Pulls” gewonnen haben, eine spannende Serie auf den Spuren von Dosenteilen, die in Thailand für ein humanitäres Projekt recycelt werden.

Bestes Europäisches Radiofeature des Jahres ist „A Sense of Quietness” aus Großbritannien, ein einfühlsames Stück über Frauen, die um das Recht auf Abtreibung kämpfen. Auch der Titel Beste Radioinvestigation gehört den Briten, die in „The Puppet Master“ in den Hinterzimmern der Macht in Putins Russland recherchieren.

Der Preis für das beste Musikprogramm ging nach Polen für „The Man Who Sings From The Heart”, das die Geschichte eines armenischen Sängers im Exil erzählt. Im Hörspiel haben mit „Höllenkinder” die Österreicher gewonnen: der innere Monolog einer Frau, die an ihrem 80. Geburtstag innerlich überkocht.

Der Hörspiel-Serienpreis begibt sich auf die „Desire Paths“, die Wege, über die eine junge Französin ihr eigenes sexuelles Begehren entdeckt.
Im Bereich Digitale Medien wurde dieses Jahr zwei Nachwuchspreise erstmals vergeben: Der Digital Audio Rising Star ging an das deutsche Hörspiel „Helena”, der Online Media Rising Star ging an die Schweizer Web-Dokumentation “Stand-Up”.

Außerdem wurde auch der bisherige Online-Award aufgesplittet in zwei Auszeichnungen: Als Bestes Europäisches Online-Media-Projekt wurde das dänische Web-Angebot für Kinder „ultra:bit” ausgezeichnet und der Titel Bestes Europäisches Digital Audio Projekt, ging in die Tschechische Republik für „Project 68”, eine Crossmedia-Produktion über die Besetzung des tschechischen Rundfunks und die Niederschlagung des Prager Frühlings.
 

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