Kika-Doku "Malvina, Diaa und die Liebe" : "Toleranz gegenüber dem Gastland – Fehlanzeige"

Deutsches Mädchen liebt Flüchtling aus Aleppo: Die Doku "Malvina, Diaa und die Liebe" gaukelt eine heile Welt vor, meint Reinhard Schmolling in seinem Leserbrief.

Auslöser der Debatte: Die Doku des Kinderkanals namens "Malvina, Diaa und die Liebe".
Auslöser der Debatte: Die Doku des Kinderkanals namens "Malvina, Diaa und die Liebe".Screenshot: Tagesspiegel

Ich sah mir in der Mediathek des Kinderkanals „Malvina, Diaa und die Liebe“ an. Ich bin seit drei Jahren ehrenamtlich in Sachen Deutschlernen und Integration tätig. Diese Doku blendet m. E. die Probleme des Zusammentreffens der grundverschiedenen Kulturen aus. Eine einzelne, kleinlaute entsprechende Bemerkung über erkennbare Probleme geht in der oberflächlichen Darstellung der Liebe der 16-Jährigen unter. Insofern gaukelt diese Doku den Zuschauern eine heile Welt vor. Zu einer umfassenden Beschäftigung gehört neben dem Bericht über die Romanze auch, auf die damit zusammenhängenden Probleme hinzuweisen. Wer mit bestimmten Wertvorstellungen aufgewachsen ist und nicht bereit ist für ein Leben in Europa und dazu, die hiesigen Werte und Regeln anzunehmen und zu leben, für den sind früher oder später Probleme hausgemacht.

Deutsche liebt Syrer

In meiner Nachbarschaft habe ich eine ähnliche Romanze zwischen einem Migranten und einer jungen deutschen Frau erlebt. Es war eine wirkliche, innige Liebe. Als nach Monaten sexuelle Kontakte nicht mehr auszuschließen waren, verlangte die selbstbewusste junge Frau einen HIV-Test. Dieser wurde absolut und völlig ausgeschlossen. Als daraufhin die Frau ihrem Freund erklärte, sie müsse sich von ihm trennen, wurde ihr erklärt: „Du kannst dich nicht von mir trennen, du bist meine Frau!“ Das war sein Selbstverständnis, auf das er mit Androhung von Gewalt bestand.

„Du kannst dich nicht von mir trennen, du bist meine Frau!“

Dieses Problem und die anderen Unterschiede der Stellung der Frau in der Ehe, die Einschränkung ihrer persönlichen Freiheiten, die Abhängigkeit ihrer Bewegungsfreiheit von der Zustimmung des Mannes, das „Eigentum“ an den Kindern, all das ist mit Tatsachen belegt. Es gibt Insider-Autoren, die darüber berichtet haben. Eine öffentliche Debatte darüber wird vermieden. Hier sollte sich etwas grundlegend ändern.

Wenn ich Migranten im Deutschkurs treffe und dabei auch über die Regeln und Werte unserer Gesellschaft spreche, erlebe ich den verdeckten, aber auch immer wieder den offenen Widerspruch: „Meine Religion schreibt das so vor, ich muss das so machen!“ Toleranz gegenüber dem Gastland – Fehlanzeige. Ein Gespräch darüber wird strikt abgelehnt.

Reinhard Schmolling, Berlin

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!