Eine Hexenjagd auf Journalisten?

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Neue Krise im Medienimperium : Murdoch muss „The Sun“ retten

Wie die Polizei in den Besitz dieser E-Mails kommt, bereitet britischen Journalisten am meisten Sorge und lässt Zweifel an Murdochs Möglichkeiten oder Willen aufkommen, die Zeitung zu retten. Sie wurden von einem unabhängigen „Management and Standards Committee“ (MSC) innerhalb von Murdochs amerikanischer Holding News Corp der Polizei übergeben, offenbar ohne Wissen der „Sun“-Chefredaktion. Das MSC wurde im letzten Sommer ins Leben gerufen, um illegalen Praktiken in Murdochs Medienreich auf die Spur zu kommen.

Die Generalsekretärin der Journalistengewerkschaft NUJ, Michelle Stanistreet, sprach von „einer Hexenjagd auf Journalisten“. Murdoch werfe seine Journalisten den Wölfen zum Fraß vor. Vor Jahren hatte die ehemalige „Sun“-Chefredakteurin Rebekah Brooks vor einem Parlamentsgremium zugegeben, dass die „Sun“ Polizisten für Informationen bezahlt habe. Diese verbreitete journalistische Praxis wurde lange als Gentleman-Delikt behandelt und mit dem öffentlichen Informationsinteresse begründet. Nun sind Journalisten empört, dass der journalistische Schutz von Informanten durch die Weitergabe der E-Mails über Bord geworfen wird. Murdoch muss verhindern, dass die Skandale bei seinen britischen Zeitungen nach dem US-Korruptionsgesetz Folgen für die amerikanische Holding News Corp hat. Analysten glauben, dass ein Verkauf der Zeitung die News Corp Aktie um 20 Prozent steigen lassen würde. Britische Medienexperten fürchten dagegen das Erdbeben, dass die Schließung der „Sun“ bedeuten würde. Ohne die Gewinne des Tabloids wäre Murdoch nicht in der Lage gewesen, die Verluste von „Times“ und „Sunday Times“ in Höhe von rund 210 Millionen Euro im Jahr auszugleichen.