"Polizeiruf 110" aus Magdeburg : Rausch der Geschwindigkeit

"Fast & Furious" in Sachsen-Anhalt: Ein rasender „Polizeiruf“ aus Magdeburg und die Frage, wer wird demnächst Partner von Kommissarin Brasch?

Fast & Furious in Sachsen-Anhalt. Gerdy (Axel Zerbe) rastet beim nächtlichen Treffen der Gruppe „Le Magdeburg“ aus.
Fast & Furious in Sachsen-Anhalt. Gerdy (Axel Zerbe) rastet beim nächtlichen Treffen der Gruppe „Le Magdeburg“ aus.Foto: MDR/filmpool fiction//Stefan Erh

Seit 2017 werden illegale Autorennen stärker geahndet. Kommt jemand zu Tode, drohen Gefängnisstrafen bis zu zehn Jahren. Für großes Aufsehen sorgte ein Urteil des Berliner Landgerichts, das zwei Raser wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte. Der Bundesgerichtshof hat das Urteil jedoch wegen fehlenden Vorsatzes wieder aufgehoben.

Derlei juristische Details kommen in dem „Polizeiruf“ aus Magdeburg mit dem plakativen Titel „Crash“ zwar nur am Rande zur Sprache, aber sie bilden die Basis des Drehbuchs von Wolfgang Stauch. In der nächtlichen Innenstadt wird eine junge Frau überfahren. Der Täter gehört offenkundig zu einer Gruppe junger Männer, die regelmäßig Autorennen veranstalten und mit 150 Stundenkilometern durch die Stadt rasen. Das Ermittler-Team Brasch und Köhler (Claudia Michelsen und Matthias Matschke) taucht tief in die Szene ein und stößt auf ein emotionales Dickicht aus Sozialneid, Größenwahn und enttäuschter Liebe.

Die Fälle, die sich Stauch („Emma nach Mitternacht“) ausdenkt, sind zwar regelmäßig fesselnd, aber mindestens ebenso wichtig ist ihm das Beziehungsgeflecht zwischen den handelnden Personen. Diese Ebene wäre in „Crash“ noch fesselnder, wenn die Darsteller der jungen Raser (unter anderem Anton von Lucke und Dennis Mojen) charismatischer wären, zumal mit Ben Becker als Vater des Opfers ein Schauspieler mitwirkt, dessen mächtige Präsenz jeden Bildschirm sprengt.

Ermittlungsarbeit mit entspannter Rockmusik

Deshalb steht als zwischenmenschliche Komponente vor allem und wieder mal die gegenseitige Abneigung zwischen dem Ermittlerduo im Vordergrund. Die im sozialen Umgang mit den Kollegen arg limitierte Hauptkommissarin hat zwar Besserung gelobt, nachdem sich in der letzten Episode („Starke Schultern“) sogar ein Psychologe des Binnenklimas angenommen hat, aber natürlich bricht die alte Brasch immer wieder durch.

Die Dialoge zwischen ihr, Köhler und dem Chef (Felix Vörtler) sind zwar nicht komisch, werden von Regisseur Torsten C. Fischer aber im Komödientempo inszeniert und von den erfahrenen Profis perfekt vorgetragen.

Zu einem besonderen „Polizeiruf“ wird der Film jedoch durch die ungewöhnlichen (und ungewöhnlich häufigen) Nachtszenen. Gemeinsam mit Kameramann Theo Bierkens hat der krimierfahrene Fischer, der bereits Stauchs „Emma“-Drehbücher umgesetzt hat, für die Rennen durch die Stadt packende Bilder gefunden. Der Film bewegt sich deshalb zwar trotzdem nicht auf einer Stufe mit der Kinoreihe „Fast & Furious“, aber für eine TV-Produktion ist das schon sehr eindrucksvoll, zumal Bierkens die Bilder in den Nachtszenen und in der Morgendämmerung in faszinierendes Licht getaucht hat.

Das Komponistenduo Warner Poland und Wolfgang Glum (auch bekannt als Monobeat) sorgt für die perfekte Untermalung und unterlegt die Rennbilder mit Techno-Rhythmen, während es die Ermittlungsarbeit mit entspannter Rockmusik begleitet. In der zweiten Hälfte lässt die Spannung nach, einige Szenen sind zu lang oder überflüssig. Der Film dreht sich ein paar mal im Kreis und leistet sich Redundanzen. Davon abgesehen aber ist dieser „Polizeiruf“ nicht zuletzt wegen seiner beiden so unterschiedlichen Ermittler sehenswert.

Bleibt eine Frage: Wer arbeitet demnächst zusammen mit Kommissarin Brasch (alias Claudia Michelsen)? Sie muss ja offenbar immer Menschen vor den Kopf stoßen. Nachdem Sylvester Groth vor zwei Jahren nach nur fünf Folgen aus dem Sonntags-Primetime-Krimi gegangen ist, verabschiedet sich nun auch Matthias Matschke. In zwei weiteren, bereits abgedrehten „Polizeiruf“-Folgen gehört der Schauspieler noch zum Ermittlerteam. Der MDR hat mitgeteilt, dass Claudia Michelsen als Kommissarin Brasch in den dann kommenden Folgen alleine ermitteln wird. Vielleicht ist das dann auch die beste Lösung.

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„Polizeiruf 110 – Crash“, Sonntag, ARD, 20 Uhr 15

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