RTL-Experte Jürgen Klinsmann : Immer schön relaxt bleiben im Kopf

Jogi Löw muss die Nationalelf erneuern. Wie gut, wenn man alte Freunde hat: Gegen Serbien feierte Jürgen Klinsmann sein Debüt als RTL-Experte. Eine Kritik.

Einer wie Buddha: Jürgen Klinsmann im Gespräch mit RTL-Moderator Florian König.
Einer wie Buddha: Jürgen Klinsmann im Gespräch mit RTL-Moderator Florian König.Foto: imago images / Jan Huebner

„Gute Freunde kann niemand trennen“, säuselte Franz Beckenbauer einst. Und wenn der kaiserliche ehemalige Cheftrainer es schon sagt: Dann war auch eher nicht damit zu rechnen, dass sich Jürgen Klinsmann den guten Freund Jogi Löw in irgendeiner Form zur Brust nehmen wird, zum Beispiel für dessen, nun ja, sagen wir, etwas unziemliche Abschiebung dreier verdienter Weltmeister.

Gleich zu Anfang seines Expertendaseins bei RTL, gab der Jürgen, der dem Jogi damals im Sommermärchen 2006 mit Euphorie den Weg bereitete für das Märchen von Rio von 2014, die Etikette vor: „Wir wollen über Fußball reden.“ Jau, worüber auch sonst, wenn die Nationalmannschaft ins neue Jahr, in hoffentlich ein besseres Jahr als das vergangene startet.

Der Experte Klinsmann, der mit einem Ansatz von Tonsur am Hinterkopf aus dem Wohnort in Amerika anreiste, wusste, dass das eine junge Mannschaft ist, dass es sicher Fehler geben wird, dass man ihnen diese verzeihen muss, gab also fulminantes Expertenwissen von sich. Das mit der jungen Mannschaft, die Fehler machen darf, wurde dann in der Folge von diversen Personen beim Sender sehr schön mehrfach wiederholt. Wenn’s der Experte schon weiß und sagt ... Ach so, ja, und kurze Pause, dann geht es schon weiter. Serbien führt inzwischen 1:0.

Die Pause, also die Werbung, wird unterbrochen mit der Expertenmeinung von Jürgen Klinsmann: „Jetzt ist es wichtig, dass die Mannschaft im Kopf relaxt bleibt.“ Da kommt man ja als Laie nicht drauf. Der Experte Uwe Seeler, der allerdings kostenlos, sagt in der Pause zwischen der Pause im Interview, dass die Mannschaft jetzt locker bleiben muss. „Ja, danke“, sagt die Field-Reporterin, „unsere Zeit ist leider schon um, kurze Unterbrechung, dann geht es schon weiter.“

Und der Experten-Novize Jürgen Klinsmann? Sagt gar nix mehr, weil die Werbung spricht. Die Werbung ist natürlich nötig, um den Experten aus den USA einzufliegen und bezahlen zu können. Drei, vier Sätze von der Qualität: „Ich bin ja mehr Traditionalist und hätte mir beim Gegentor noch einen Abwehrspieler am zweiten Pfosten gewünscht.“ Wahrscheinlich einen wie Buddha, den Klinsmann, als er noch kein Experte war und nur Trainer beim FC Bayern München, ganz traditionell hat aufstellen lassen.

Oder, um im Duktus des Fußball-Experten zu bleiben: „Das ist eine junge Mannschaft, da wird es sicher Fehler geben, die muss man verzeihen.“ So wie dieses Unentschieden gegen Serbien, ein 1:1 am Ende. Das gilt doch sicherlich auch für Debütanten im Expertenwesen. Verziehen, Jürgen Klinsmann. Aber gegen die Niederlande, wenn es ernst wird in der EM-Qualifikation, geht es dann etwas weniger gefällig? Mit fünf, sechs Sätzen? Dann wäre ja immer noch viel Luft vorhanden nach oben. Und vielleicht begreift der Zuschauer dann auch einmal, wofür es solche Experten braucht.