"Saure Gurke" für Kerber-Interview : Wie sexistisch ist das denn?

Die ZDF-Sportredaktion bekommt für Flirt-Fragen an Wimbledon-Siegerin Kerber den Negativpreis "Saure Gurke". Der "Gewinner" reagiert - mit einer Entschuldigung.

ZDF-Sportreporter Martin Wolff im missglückten Interview mit der Wimbledon-Gewinnerin Angelique Kerber.
ZDF-Sportreporter Martin Wolff im missglückten Interview mit der Wimbledon-Gewinnerin Angelique Kerber.Screenshot: Tsp

Locker kann auch locker danebengehen. Diese Erfahrung muss ZDF-Sportreporter Martin Wolff machen. Er hat für sein Interview mit der Wimbledon-Siegerin Angelique Kerber im Juli 2018 die "Saure Gurke" verliehen bekommen. Ein Negativpreis, den die Medienfrauen von ARD, ZDF, Deutsche Welle, Deutschlandradio und ORF bei ihrem jährlichen Treffen vergeben. Wolff hatte in dem Interview "Kerbers sportliche Leistung kaum gewürdigt, aber ihr Flirtverhalten ausgiebig seziert", heißt es in einer Pressemitteilung vom Sonntag, Eine deutsche Topathletin hat 22 Jahre nach Steffi Graf einen historischen Sieg errungen, und der Sportreporter konzentriert sich im Interview mit Angelique Kerber darauf, herauszufinden, mit welchem der männlichen Finalisten sie lieber tanzen würde. Da müsse man sich schon fragen, ob im Umkehrschluss einem der männlichen Athleten solche Fragen gestellt werden würden. Das sei Sexismus pur, so die Begründung der Jury zur Nominierung.

Martin Wolff reagierte, was bei der "Saure Gurke" ausgesprochen selten ist, mit einer Entschuldigung. "Die Frage nach den Flirts - ein Fehlgriff. Ich habe mich vielleicht von der relaxten Gesprächsatmosphäre hinreißen lassen, gelungen war es jedenfalls nicht", sagte Wolff zu seinem Interview. Wichtig sei ihm aber auch, dass es bereits ein erstes Interview direkt nach dem Sieg von Kerber gegeben hätte, in dem er alle relevanten journalistischen Fragen gestellt hätte, während dieses zweite Interview einen Tag später bewusst und in Absprache mit der Redaktion atmosphärischer gehalten werden sollte.

Claus Kleber verweigerte 2017 Annahme

Die "Saure Gurke" wird seit 1980 von den Medienfrauen an Beiträge verliehen, in denen Frauen entweder gar nicht vorkommen, lediglich über ihren Körper definiert oder als überidealisierte Rolemodels präsentiert werden. Bei den Preisträgern löst er in der Regel keine Freude aus. Claus Kleber, Anchorman des "heute-journals", verweigerte im vergangenen Jahr sogar Annahme des Preises, den er für ein Interview mit der Schauspielerin Maria Furtwängler "gewonnen" hatte. Kleber twitterte damals "in eigner Sache: Liebe MedienFrauen, ich will niemanden beleidigen oder verletzen ... ... aber ich nehme diesen Preis nicht an. Weil - ich Ihr Anliegen teile - es 2017 ist - der Pranger in D'land 1853 final überwunden wurde -eine #SaureGurke eins nicht sein darf: geschmacklos."

Bei der diesjährigen Veranstaltung beim Bayerischen Rundfunk in München war der Verleihungsprozess verändert worden: Alle der über 300 anwesenden Medienfrauen konnten abstimmen und aus drei von einer Jury bereits im Vorfeld bestimmten Nominierungen auswählen. Neben dem Kerber-Interview der ZDF-Sportredaktion waren auch noch die männlich dominierten Show- und Quizformate im Vor- und Hauptabendprogramm des Ersten sowie die "Checker"-Formate beim KiKA für das Fehlen einer Checkerin nominiert.

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