Shitstorm zu „Tagesthemen“-Kommentar : „Ihr seid doch nicht mehr ganz dicht“

Kai Gniffke, Erster Chefredakteur der ARD, kommentiert den Fall Clemens Tönnies. Das löst heftige Reaktionen aus.

Umstrittener Kommentar von Kai Gniffke, Erster Chefredakteur ARD-aktuell.
Umstrittener Kommentar von Kai Gniffke, Erster Chefredakteur ARD-aktuell.Foto: SWR/NDR

"Ein Rassist sagt oder tut rassistische Dinge, aber ob jemand, der etwas Rassistisches sagt, automatisch Rassist ist?" Twitter-Nutzer "Zarella" tut sich schwer "mit diesem Umkehrschluss". Ein Beispiel für viele kontroverse Meinungen, die ein Kommentar in Sachen Clemens Tönnies von Kai Gniffke, Erster Chefredakteur von ARD aktuell, am Dienstag Abend in den "Tagesthemen" hervorgerufen hat.

Was viele aufregte: In ihren Augen verharmlost Gniffke die rassistischen Äußerungen von Clemens Tönnies, Klubchef von Schalke 04. Zur Erinnerung: Der Fleischfabrikant hatte beim Tag des Handwerks in Paderborn in der vergangenen Woche Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren.“

Im für schnelle Meinungsbildung bekannten Internet gab es neben positiven Reaktionen auf die jüngste Schalker Maßnahme (Tönnies lässt sein Amt beim FC Schalke 04 als Aufsichtsratschef drei Monate ruhen) auch viel Kritik, jetzt eben auch auf diesen Gniffke-Kommentar: "Wenn wir nun alles in die Schublade Rassismus einsortieren, was man für gedankenlos, gestrig und Altherren-Gewäsch hält, dann erklärt man sehr viele Menschen in Deutschland zu Rassisten“, sagt der "Tagesschau-Chef" in der ARD.

Gniffke weiter: „Dann lässt man die Grenzen verschwimmen. Dann lässt man es zu, widerliche und gemein gefährliche Rassisten und Hassprediger in der Masse untertauchen. Und noch schlimmer: Man stempelt Menschen ab, die zwar gedankenverloren alte Vorurteile pflegen und Sprüche klopfen, die sich aber niemals mit braunem Mob verbrüdern würden.“

„Sorry, was für ein Nonsense“, widerspricht Twitter-Nutzer und Journalist Hasnain Kazim: „Nur weil leider viele Menschen rassistisch sind, soll man Rassismus nicht mehr Rassismus nennen, sondern nur noch die besonders rassistischen?“

Eine andere Userin kommentierte: „Ich kann immer noch nicht fassen, was dieser Mann von sich gegeben hat. Ich würde lachen, wenn es nicht so verdammt ekelhaft wäre.“

Des weiteren: "Liebe Tagesschau, ihr seid doch nicht mehr ganz dicht.“

Sowie, als Antwort auf obigen Eintrag des Nutzers "Zarella": "Man ist meiner Meinung nach nicht erst Rassist, wenn man 'aggressive' Parolen schreit, das fängt schon früher an und ja dann stimmt es, dass viele Deutsche auch Rassisten sind. Alltagsrassismus kann nicht einfach als 'dummer Spruch' abgetan werden."

Kai Gniffke ist nur noch zwei Tage Erster Chefredakteur von ARD-aktuell. Allerdings nicht wegen seines Kommentars. Danach geht er in den Urlaub - und wird als Nachfolger von Peter Boudgoust zum 1. September Intendant des Südwestrundfunks. (Tsp)