Die erfolgreichsten Kanäle sind der Motorsport und Stuntmen-Kanal Motorvision

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Shortcuts : Jugend schützt vor Einfalt nicht

Nicht nur beim „weltweit ersten Kanal zum Thema Verbrechen“ Trigger.tv sucht man vergeblich nach Innovation und grenzenloser Fantasie. In den einzelnen Episoden werden Verbrechen von einer Moderatorin schlicht nacherzählt und dazwischen ein paar Fachleute interviewt. Das wirkt zum Teil so uninspiriert und spannungslos (und das beim Thema Verbrechen!), dass man sich unvermittelt nach dem „Aktenzeichen XY“ vom ZDF sehnt.

Grimme-Online-Gewinner Udo Vetter mit seiner Ratgeber-Rubrik „Vetter’s Law“ stößt in Inhalt und Präsentation an die Grenzen der Zumutbarkeit. Wenn er dann auch noch mitteilt, dass einen die Abschaffung aller Rundfunkgeräte von der Entrichtung des neuen Rundfunkbeitrages befreit (was nicht stimmt), verliert man zudem den Glauben an seine Kompetenz. Mit 94 000 Aufrufen und 3200 Abonnenten in über zwei Monaten könnte es Trigger zudem schwer haben, genug Werbekunden zu überzeugen. Eine Fernsehsendung mit diesen Quoten wäre längst abgesetzt.

Aber so geht es den meisten Formaten: Sie bekommen nicht genug Zuschauer und Abonnenten. eNtR Berlin, ebenfalls von der Ufa, zeigt die Hauptstadt „rau, experimentell und so lustig, wie sie ist“ und will die neuesten Trends aufzeigen. In den Clips kommen alle möglichen Leute zu Wort und können Selbstgenähtes, Selbstgebasteltes oder Selbstkomponiertes präsentieren, und das sogar mit englischen Untertiteln. Trotz der Internationalität hat der Kanal bisher nur 2500 Abonnenten und wurde rund 169 000-mal aufgerufen. Wie auch bei den meisten anderen „Original Channels“ bewegt sich die Klickzahl der einzelnen Clips im unteren drei- bis vierstelligen Bereich; ein Interview mit der Schauspielerin Nora Tschirner wurde in 14 Tagen nur 2400-mal angesehen.

Die erfolgreichsten Kanäle sind der Motorsport und Stuntmen-Kanal Motorvision mit über 39 000 Abonnenten und über 50 Millionen Aufrufen, der nicht besonders witzige Comedy-Kanal Ponk mit über 224 000 Abonnenten und 14,6 Millionen Aufrufen sowie High 5 und Los! mit 50 000 Abonnenten und 2,6 Millionen Aufrufen. Letzteres ist eines der wenigen gelungenen Formate, in dem die fünf Moderatoren (allen voran Fabian Siegismund, Redakteur bei der Computerzeitschrift „GameStar“) fachlich eloquent Filme, Serien, Musik und Videospiele vorstellen und besprechen.

Was am meisten irritiert, ist, dass all die kreativen, jungen, innovativen Köpfe offenbar keine Ahnung davon haben, wie Humor funktioniert. Dabei wollen fast alle Formate irgendwie lustig sein – klar, ist ja für junge Leute. Das sieht dann so aus, dass die Protagonisten vorzugsweise mit dummem Gesicht möglichst laut Sinnentleertes von sich geben und sich vermutlich dabei vorkommen wie Mario Barth. Oder – wie innovativ aber auch – mit Kamera und Mikro auf die Straße gehen und Passanten seltsame Fragen stellen. Oder wenn, wie bei Onkel Bernis Welt, „Pornostars“ Kochrezepte präsentieren – zum Fremdschämen. Youtube löst das traditionelle Fernsehen ab? Mit diesen Formaten wohl kaum. Auf Innovationen aus den digitalen Laboren darf weiter gewartet werden.

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