Technik-Folgenabschätzung : Smarte Sünden

Streamen, Fernsehen, das Klima schädigen? So tief ist der ökologische Fußabdruck der elektronischen Medien.

Paul Gäbler
Bildschirme können gar nicht groß genug sein, wie auf der IFA in Berlin zu sehen ist. Der neueste Trend: biegbare Screens.
Bildschirme können gar nicht groß genug sein, wie auf der IFA in Berlin zu sehen ist. Der neueste Trend: biegbare Screens.Foto: AFP

8K-Smart-TVs mit 88 Zoll und mehr, ein Drittel mehr Streaming-Nutzung bei den Unter-30-Jährigen, immer mehr Rechenzentren für digitalen Content – der ökologische Fußabdruck der elektronische Medien wird immer tiefer. Noch bis Mittwoch findet in Berlin die IFA statt. Über den CO2-Verbrauch wird in den Messehallen allerdings weniger diskutiert.

Netflix, Youtube und Co. nehmen, aufgrund ihrer großen Datenmengen, einen Spitzenplatz beim CO2-Verbrauch ein. Man geht davon aus, dass rund 80 Prozent des weltweiten Datenverkehrs auf Streamingsdienste zurückzuführen sind. Ein Prozent des gesamten, weltweiten Stromverbrauches entfällt vollständig auf das Anschauen von Videos.

Dabei ist es gerade die jüngere Generationen, die am meisten Netflix, Youtube und andere Onlineformate konsumiert und somit den deutlichsten ökologischen Fußabdruck hinterlässt. Von den durchschnittlich sieben Stunden Medienkonsum entfallen in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen gerade mal 68 Minuten auf das klassische Fernsehen – und bereits 81 Minuten gehen auf das Konto von Video-On-Demand-Diensten. Tendenz steigend. Der Bewegtbildkonsum übers Netz ist somit erstmalig höher als der des Fernsehens.

Die Nutzung dieser Geräte treibt weltweit den Energieverbrauch in die Höhe. Inzwischen werden durch das Internet und smarte Geräte 33 Millionen Tonnen CO2 emittiert – das ist in etwa die Summe, die der gesamte innerdeutsche Flugverkehr verursacht. Jährlich steigt der Energiebedarf um rund neun Prozent.

Der berühmt berüchtigte Standby-Modus

Eine Studie des französischen Think-Tank „The Shift Project“ hat anschauliche Beispiele dafür geliefert, wie hoch der Ausstoß von umweltschädlichen Treibhausgasen bei intensiver Mediennutzung ist. Schon der Stromverbrauch internetfähiger Kleingeräte in Deutschland macht rund acht Prozent des gesamten Stromverbrauchs aus – auch hier Tendenz steigend. Der Ausstoß von CO2 durch diese Geräte liegt sogar über dem von Kroatien.

Die Zunahme riesiger Rechenzentren – 2016 gab es 50 000 davon in Deutschland – hat den Energiebedarf ebenfalls in die Höhe getrieben. Ihr Gesamtanteil am deutschen Stromverbrauch liegt bei zwei Prozent, mehr als zehn Terawattstunden.

Dies entspricht in etwa der Menge, den 2,8 Millionen Fünf-Personen Haushalte im Jahr verbrauchen. Nicht inkludiert sind dabei die Treibhausgase, die bei der Beschaffung und Produktion der technischen Gerätschaften entstehen.

Täglicher Netflixkonsum am Fernseher verursacht ebenfalls Treibhausgase. Je nach Modell können die Emissionen zwischen 50 und 250 Gramm CO2 pro Stunde liegen. Dem Branchenverband gfu zufolge sind die Unterschiede erheblich, wobei die Hersteller zunehmend energiesparendere Geräte entwickeln.

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Wer sich für seinen CO2-Ausstoß interessiert, sollte sich also auch gut überlegen, ob es wirklich der 88-Zoll-Fernseher sein muss. Der berühmt berüchtigte Standby-Modus zieht ebenfalls Energie und ist weltweit für ein Prozent der CO2 Emissionen verantwortlich. Niemand kann also von sich behaupten, mit seinem Verhalten nicht in irgendeiner Weise der Umwelt zu schaden.