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Was darf Satire? : Antisemitismusvorwurf nach WDR-Beitrag von Kabarettistin Lisa Eckhart

Kabarettistin Lisa Eckhart setze Pointen auf der Basis von Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit, kritisieren jüdische Organisationen. Der WDR hat reagiert.

Die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart
Die österreichische Kabarettistin Lisa EckhartFoto: picture alliance / Daniel Karman

Der österreichischen Kabarettistin Lisa Eckhart, 27, wird wegen eines Beitrags in der WDR-Sendung „Mitternachtsspitzen“ Judenfeindlichkeit vorgeworfen. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, bezeichnete ihre Einlage aus dem Jahr 2018 gegenüber der „Jüdischen Allgemeinen“ (Dienstag) als „geschmacklos und kritikwürdig“.

Über die Frage, was Satire darf, lasse sich zwar streiten. Eckhart suche jedoch Beachtung, indem sie bewusst ihre Pointen auf der Basis von Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit setze.

Der WDR veröffentlichte Eckharts Beitrag laut der „Jüdischen Allgemeinen“ vor kurzem auf Facebook. Darin thematisiert sie politische Korrektheit gegenüber Angehörigen von Minderheiten wie Juden, Schwarzen und Behinderten, die sich moralisch falsch verhalten haben.

So hätten die Juden Harvey Weinstein und Woody Allen Frauen belästigt und würden dafür von der „MeToo“-Bewegung kritisiert. „Es ist ja wohl nur gut und recht, wenn wir den Juden jetzt gestatten, ein paar Frauen auszugreifen. Mit Geld ist ja nichts gutzumachen“, so Eckhart.

Wenn die „Unantastbaren“ andere antasteten, sei das der „feuchte Alptraum der politischen Korrektheit“, so die Kabarettistin. „Jetzt plötzlich kommt heraus, den Juden geht's wirklich nicht ums Geld. Denen geht's um die Weiber, und deswegen brauchen sie das Geld.“

Der WDR setze sich für Meinungsvielfalt und Zusammenhalt in der Gesellschaft ein


Mehrere jüdische Organisationen wie die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) sowie das American Jewish Committee (AJC) Berlin schlossen sich in der „Jüdischen Allgemeinen“ der Kritik an Eckhart an. Der Grünen-Politiker Volker Beck erklärte, der WDR präsentiere „mit Lisa Eckhart ein Potpourri aus antisemitischen Klischees und schenkelklopfendem Humor, bei dem einem das Lachen nur im Halse stecken bleiben kann“.

Laut Bericht legte er Programmbeschwerde ein. Der frühere Bundestagsabgeordnete leitete von 2013 bis 2017 die deutsch-israelische Parlamentariergruppe.

Auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) wies der WDR am Dienstagnachmittag Vorwürfe gegen den Sender zurück. Er setze sich seit Jahrzehnten für Meinungsvielfalt und Zusammenhalt in der Gesellschaft ein und stehe zugleich zur Satirefreiheit.

Eckart sei mitten in der MeToo-Debatte aufgetreten. Die Künstlerin habe ein hochaktuelles, für Satire nahe liegendes Thema gewählt und dabei Vorurteile gegenüber Minderheiten aufgegriffen, um genau diese Vorurteile zu entlarven. Im Kontext der MeToo-Debatte habe ihre Satire funktioniert. Kritik habe es damals nicht gegeben.

Der WDR bedauerte jedoch Missverständnisse im Zusammenhang mit einer späteren Veröffentlichung von Eckarts Auftritt auf Facebook. Im November 2019 sei das Video anlässlich eines Aktionstags für Frauen in dem sozialen Netzwerk gepostet worden. Wenige Wochen zuvor war die jüdische Synagoge in Halle Ziel eines Anschlags. So musste laut WDR der Eindruck entstehen, dass die Künstlerin aktuell und in einem anderen Kontext aufgetreten sei. KNA

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