ZDF-Krimi "Die Muse des Mörders" : Schreiben tötet

„Die Muse des Mörders“: Ein ZDF-Krimi als Hommage für Christiane Hörbiger zum 80. Geburtstag.

Bestsellerautorin a. D. Madeleine „Mado“ Montana (Christiane Hörbiger) muss zu ihrem Missvergnügen feststellen, dass ihre Lesungen immer schlechter besucht sind.
Bestsellerautorin a. D. Madeleine „Mado“ Montana (Christiane Hörbiger) muss zu ihrem Missvergnügen feststellen, dass ihre Lesungen...Foto: ZDF und Hubert Mican

Schon der Name ist extravagant: Madeleine Montana. Aber jede andere Rollenname wäre wohl zu gewöhnlich, um die große Schauspielerin Christiane Hörbiger zu ehren. Denn das will und soll der ZDF-Krimi „Die Muse des Mörders“ sein: eine Hommage zum 80. Geburtstag der Hörbiger am 13. Oktober. Und da gehört es dazu, dass die Handlung in Wien angesiedelt ist, dem Geburtsort der Schauspielerin. Österreichs Hauptstadt ist auch Schauplatz der Romanvorlage von Nadine d’Arachart und Sarah Wedler für das Drehbuch von Axel Götz.

Madeleine „Mado“ Montana lebt in ihrer selbsterschaffenen Welt, sie bildet sich ein, immer noch eine berühmte Bestseller-Autorin zu sein. Aber schon die erste Szene zeigt die ganze Wahrheit: Bei einer Lesung liegen mehr Bücher auf dem Tisch, als sich Besucher und Bewunderer im Raum befinden. Was Montana erkennt, aber nicht wirklich zur Kenntnis nimmt. Kapriziös, eitel, elegant ist die Krimigröße a. D. Führt eine messerscharfe Zunge gegen alle und jeden, ihren Sohn Oliver (Florian Teichtmeister), der als Bücherarchivar lebt und arbeitet, eingeschlossen.

Als ein Serienmörder Wien in Angst und Schrecken versetzt, bekommt Montana das Auge eines Opfers zugeschickt. Dann zeigt sich, dass der Täter Szenarien aus ihren Büchern nachspielt. Die Montana schaltet die Polizei ein, sie ist schockiert und geschmeichelt, wieder im Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu stehen.

Ein Film, kein Film-Ständchen

Kommissar Rupert Bäumer (Fritz Karl) und seine Assistentin Florentina „Flo“ Gstöttner (Cornelia Ivancan) werden auch nach den nächsten Mordtaten weiter im Dunkeln tappen, während in der Montana ein ungeheurer Verdacht aufsteigt. Sie nimmt das Heft des Handelns in ihre Hände, die sonst gerne eine Zigarette und/oder Alkoholisches halten. Da weiß der Zuschauer längst, dass Autorin und Kommissar eine gemeinsame, unangenehme Vergangenheit teilen.

Geburtstagfilm heißt in den schlechteren Fällen, dass Handlung und Personnage den großen Künstler/die große Künstlerin umschwirren wie Motten das Licht. Das wird kein Film, sondern ein Film-Ständchen. Nichts dagegen, doch „Die Muse des Mörders“ hat mehr, Besseres vor. Christiane Hörbiger führt ihre Madeleine Montana durchaus als Zynikerin vor, die es der Welt verübelt, dass sie ihre Bücher nicht mehr lesen will, die ihren Sohn abgöttisch liebt und entsprechend durchs Leben kommandieren will, sie hüllt sich in Unschuld, dass der Mörder ihre Morde „nachspielt“, zugleich kalkuliert das Ass ausspielt, mit diesem in die Medien gespielten Faktum neue Auflagen zu generieren. Schön will die Montana auch im hohen Alter sein, nicht immer will die Hörbiger sie schön ausstellen. Ja, der Krimi ist ein Fest für die Hörbiger, aber für den schauspielerischen Glanz sorgt die österreichische Künstlerin alleine.

"Kottan ermittelt"

Regisseur Sascha Bigler, Sohn von Christiane Hörbiger und hier zum dritten Mal mit seiner Mutter am Set, agiert nicht als Mutter-Inszenator. Er gibt den verschiedenen Figuren Spielraum, dem Sohn wie dem Kommissar wie der Assistentin. Und wenn die Morde brutal sind, dann wird die Brutalität nicht direkt vorgeführt, wohl aber in den anschließenden Fahndungsbildern nicht ausgespart. So kommt der Krimi rasch in die Spannungskurve, immer wieder aufgefangen in den Kommentaren der Montana und in den Dialogen der Polizei, die an die besten Momente des Klassikers „Kottan ermittelt“ erinnern.

„Die Muse des Mörders“ ist erstklassig österreichisch besetzt. Die Hörbiger, Fritz Karl, Florian Teichtmeister heben den Film über einen Durchschnittskrimi hinaus, bei aller Funktion im Genre werden die Figuren prall, sie werden Persönlichkeiten, selbst wenn es in der zweiten Hälfte Durchhänger bei der Story gibt. Das Finale ist furios, furios auch deswegen, weil die Figuren plötzlich changieren und rangieren. Das will mit darstellerischer Klasse absolviert sein, wenn es nicht zur Krimiklamotte werden will.

„Die Muse des Mörders“, ZDF, Montag, um 20 Uhr 15

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