Zu meinem ÄRGER : Bitte keine Schadenfreude

Und keine ungeprüft übernommenen Schuldzuweisungen: Die Medienwoche im Blick von Matthias Deiß, Redaktionsleiter des ARD-Politmagazins „Kontraste“.

Moderator Matthias Deiß
Moderator Matthias DeißFoto: rbb/Claudius Pflug

Matthias Deiß ist Redaktionsleiter des ARD-Politmagazins „Kontraste“

Herr Deiß, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien denn am meisten geärgert?

Über zwischen den Zeilen versteckte Schadenfreude, ungeprüft übernommene Schuldzuweisungen sowie ungenaue Vergleichsmaßstäbe, die ich verschiedentlich bei der Berichterstattung über die Corona-Krise beobachte – besonders oft im Hinblick auf die USA. Nimmt man Europa als Ganzes, sind Infektions- und Todeszahlen bei uns höher als dort. Gleichzeitig kann man davon ausgehen, dass die vorbildlichen Zahlen aus China, die in fast allen Tagesstatistiken veröffentlicht werden, mit der Realität nur wenig zu tun haben.

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Gibt es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?
Die unglaublich gute Verfilmung des „Überläufers“ von Siegfried Lenz. Und: Die anhaltend hohe Akzeptanz der Informationsangebote von ARD und ZDF in der Coronakrise. Die hohen Quoten zeugen von enormen Vertrauen. Und unter denen, die nun vermehrt einschalten, sind viele Jüngere, die auch nach Corona hoffentlich bleiben.

Welches Internetangebot können Sie denn empfehlen?
Generell und auch aus aktuellem Anlass: BuzzFeed Deutschland. Die Kolleginnen und Kollegen machen immer wieder durch hervorragend recherchierte Geschichten auf sich aufmerksam. Zum Beispiel über Bot-Armeen in sozialen Netzwerken oder sexualisierte Gewalt gegen Erntehelfer. Jetzt steht die Redaktion zum Verkauf und muss bangen, dass sie ihre Arbeit in dieser Form fortführen kann. Ich hoffe das sehr. Guten investigativen Journalismus kann es nicht genug geben, und Konkurrenz ist immer auch Ansporn.

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