Panorama : Die teuerste Scheidung aller Zeiten

Der russische Milliardär Roman Abramowitsch und seine Frau Irina haben sich getrennt – sie gab sich mit 1,5 Milliarden zufrieden

Markus Hesselmann[London]

Diese Scheidung wird teuer für Roman Abramowitsch. Aber es sieht so aus, als käme der russische Milliardär dabei sogar noch ganz gut weg. Abramowitsch, unter anderem Besitzer des englischen Fußballmeisters FC Chelsea, wird in der Liste der weltweit reichsten Menschen vom US-Magazin „Forbes“ mit einem Vermögen von 14 Milliarden Euro auf Platz 16 geführt. „Auf einvernehmlicher Basis“ hätten seine Frau Irina und er sich getrennt, heißt es in einer Mitteilung der beiden an mehrere Londoner Zeitungen. Das dürfte bedeuten, so will es der „Daily Telegraph“ erfahren haben, dass sich Irina Abramowitsch mit einer Summe um die 1,5 Milliarden Euro zufrieden gibt.

Das Paar wurde in Moskau geschieden. Nach britischem Recht hätte der 39-jährigen früheren Stewardess die Hälfte des Vermögens des Wahl-Londoners Abramowitsch zugestanden. Selbst in Großbritannien, dem Land der millionenschweren Rosenkriege, gilt das Ende dieser Ehe trotz aller vermeintlichen Bescheidenheit der Ehefrau als teuerste Scheidung aller Zeiten. Zurzeit liefern sich Paul McCartney und Heather Mills eine öffentliche Schlammschlacht. Das frühere Model fordert nach Medienberichten 60 Millionen Euro von Sir Paul. Dieser behauptet, sein Reichtum werde überschätzt und weigert sich bislang, diese Summe zu überweisen. Der britische Thronfolger Prinz Charles soll einst rund 25 Millionen Euro an Prinzessin Diana gezahlt haben.

Abramowitsch hat sein Geld als Oligarch in den Zeiten des Chaoskapitalismus nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gemacht. Er unterhielt gute Kontakte zum damaligen Präsidenten Boris Jelzin und dessen Nachfolger Wladimir Putin. Abramowitsch gehörte zu jenen schnellen Geschäftemachern, die sich für vergleichsweise geringes Geld frühere Staatsbetriebe kauften, deren Wert dann ins Unermessliche stieg. Seine Ölfirma Sibneft verkaufte Abramowitsch vor zwei Jahren für mehr als 19 Milliarden Euro an den Energiekonzern Gasprom. Heute hält der 40-Jährige, der als Waise in Armut aufwuchs, unter anderem Anteile am größten russischen Stahlkonzern Evraz.

„Mr. Abramowitschs unternehmerische Interessen sind durch die Scheidung nicht beeinträchtigt“, heißt es in der Mitteilung weiter. Auch der FC Chelsea, Klub des deutschen Nationalmannschaftskapitäns Michael Ballack, sei nicht negativ betroffen, wird betont. Abramowitsch kaufte den im Mittelmaß versunkenen Traditionsverein vor vier Jahren für 210 Millionen Euro, investierte hunderte Millionen und machte Chelsea zu einem europäischen Spitzenklub.

In seinen wenigen Interviews beteuert der medienscheue Abramowitsch, dass er nur aus Liebe zum Fußball beim FC Chelsea eingestiegen sei. Auf der VIP-Tribüne des Stadions an der Stamford Bridge zeigt er sich gern volksnah in Jeans, Jackett und offenem Hemd. Während der Fußball-WM in Deutschland im vergangenen Jahr lag eine seiner drei Jachten an der deutschen Ostseeküste vor Anker. Neben den teuren Booten leistet sich Abramowitsch laut „Daily Telegraph“ zwei Privatjets, eine Boeing 767 und eine Boeing 737. Hinzu kommt eine ganze Limousinenflotte, darunter ein exklusiver Maybach. Zu seinem Immobilienbesitz gehören ein großes Haus im Londoner Stadtteil Belgravia, ein Anwesen in West Sussex und eine Villa in St. Tropez.

Durch seine Regentschaft beim FC Chelsea wurde Abramowitsch in Großbritannien zur Glamourfigur und für die Klatschblätter interessant. Immer wieder waren in jüngster Zeit in der britischen Boulevardpresse Bilder von ihm und Daria Schukowa gedruckt worden. Die 25-jährige russische Studentin, Tochter des Ölmagnaten Alexander Schukow, gilt als seine neue Lebenspartnerin.

Roman und Irina Abramowitsch waren 16 Jahre verheiratet und haben fünf Kinder. Das getrennt lebende Paar „hat eine Übereinkunft gefunden im Hinblick auf Arrangements für ihre Kinder“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Weitere Kommentare zum Thema Scheidung werde man jetzt nicht mehr abgeben.

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