Jahrhundertfluten werden häufiger : So reagieren die Küsten-Bundesländer auf den Klimabericht

Steigende Meeresspiegel und Extremwetter bedrohen Küstengebiete weltweit. Deutschlands Ufer sind darauf vorbereitet – aber wie lange?

Die Nordsee vor dem Strand von Helgoland.
Die Nordsee vor dem Strand von Helgoland.Foto: Christof Martin/dpa

Im Norden Deutschlands rechnen Politiker mit höheren Kosten beim Küstenschutz durch den steigenden Meeresspiegel. Der jüngste Bericht des Weltklimarats (hier als PDF) ging am Mittwoch im globalen Durchschnitt von einem derzeitigen Anstieg von 3,6 Millimetern im Jahr aus. Schleswig-Holstein werde für den Küstenschutz mehr Geld und Personal benötigen, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne).

Gleichzeitig betonte er: "So alarmierend das Szenario ist – mit unserer Küstenschutzstrategie sind wir grundsätzlich darauf vorbereitet". Immerhin fast ein Viertel der Landesfläche Schleswig Holsteins – 3900 Quadratkilometer – zählt zu den überflutungsgefährdeten Niederungen an Nord- und Ostsee sowie Elbe.

Mehr Jahrhundert-Sturmfluten

In Mecklenburg-Vorpommern werden laut Umweltminister Till Backhaus (SPD) Schutzbauten wie Ufermauern, Hochwasserschutzwände oder Sperrwerke so geplant und errichtet, dass sie bei Bedarf später unproblematisch erhöht werden könnten. Seit 1991 seien rund 500 Millionen Euro in den Schutz der Außen-, Bodden- und Haffküsten von Mecklenburg-Vorpommern geflossen. Derzeit wende das Land jährlich rund 20 Millionen Euro dafür auf. "Das wird zukünftig nicht mehr reichen", erklärte Backhaus am Mittwoch.

"Was bisher als Jahrhundert-Sturmflut galt, wird uns bald viel häufiger ereilen", sagte Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). Das bisherige Erhöhungsprogramm der Deiche und Flutschutzbollwerke an der Elbe und in Hamburg gehe weiter, werde aber ab der Mitte des Jahrhundert an seine Grenzen stoßen.

Nordsee könnte bis 2100 einen Meter steigen

Niedersachsen will die Höhe der Deiche an der Nordsee überprüfen, wie Umweltminister Olaf Lies (SPD) sagte. Damit auch spätere Generationen sicher leben könnten, müssten die bisherigen Maßnahmen an der Küste zukünftig an die veränderten Bedingungen angepasst werden. "Im Klartext: Wir werden in den nächsten Jahrzehnten Milliarden Euro in den Küstenschutz investieren müssen."

"Die Menschen an der Küste müssen sich zwar heute und den Folgejahren keine Sorgen machen", betonte Lies. Dafür garantierten die sicheren Deiche. "Aber wenn wir bei der Erderwärmung so weiter machen wie bisher, dann besteht die Gefahr, dass der Meeresspiegel in der Nordsee deutlich über einen Meter bis zum Jahr 2100 ansteigt." (dpa)

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