Kapitalistischer Feminismus : Angelina Jolie wirbt für Frauenrechte - und Schönheitsprodukte

Die Kosmetik- und Modeindustrie boomt - der Feminismus auch. Angelina Jolie kombiniert beides und wirbt in einem feministischen Plädoyer für Luxusartikel.

Joana Nietfeld
Die Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Angelina Jolie ist Mutter von sechs Kindern.
Die Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Angelina Jolie ist Mutter von sechs Kindern.Foto: Darryl Dyck/dpa

Eigentlich ist US-Schauspielerin Angelina Jolie für ihr soziales Engagement bekannt. Als UN-Sonderbotschafterin reist sie seit Jahren in Flüchtlingscamps. Jetzt hält sie in der September-Ausgabe des Modemagazins „Elle“ ein Plädoyer für starke Frauen – und irritiert zugleich mit Werbung für Luxusartikel.

In einem Essay berichtet die 44-Jährige, wie Gesellschaften stets Frauen ablehnten, die geistig und körperlich frei und selbstbestimmt waren, bis heute: „Es ist erstaunlich, wie oft Frauen, die in demokratischen Ländern für ein politisches Amt kandidieren, als Hexen bezeichnet werden.“ Jolie, selbst Mutter von sechs Kindern, bringe ihren drei Töchtern bei, den eigenen Verstand zu entwickeln. Die Söhne erziehe sie zu respektvollen Männern.

Seit jeher, schreibt Jolie weiter, gelten Frauen, die sich (auch ungewollt) gegen das auflehnten, was die Gesellschaft als „normal“ erachte, als unnatürlich, verrückt, böse und gefährlich. „Du kannst immer ein hübsches Kleid anziehen, aber es ist egal, was du äußerlich trägst, wenn dein Geist nicht stark ist“, schreibt sie. Bebildert ist Jolies Plädoyer dabei mit Fotos von ihr selbst: in hübschen Kleidern und mit teurem Schmuck.

Wo sie sich für vielfältigere Verhaltens- und Erscheinungsformen für Frauen ausspricht, ist das Bild, das sie selbst präsentiert, einseitig und aus einschlägigen Modemagazinen bekannt: Mit schmeichelndem Blick schaut sie in die Kamera, sitzt mit ihren Hunden auf einer Chaiselongue oder schaut verträumt in die Ferne. Auf den Fotos wirbt sie für Taschen von Bulgari, einen Jumpsuit von Stella McCartney oder eine Sonnenbrille von Dolce und Gabbana.

Mit ihrem feministischen Plädoyer und der gleichzeitigen Werbung für Markenprodukte wird die Schauspielerin wohl auf die Unterstützung überzeugter Feministinnen verzichten müssen: Viele lehnen eine gewinnorientierte Schönheitsindustrie ab, die Frauen suggeriert, sie würden mithilfe von Luxusartikeln attraktiver und wertvoller werden.

Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Euro Umsatz mit dekorativer Kosmetik erzielt. Die feministische Bloggerin und Autorin Laurie Penny schreibt dazu: „Wenn alle Frauen auf der Welt morgen aufwachten und sich wirklich gut und mächtig in ihren Körpern fühlten, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammenbrechen.“ Jolies Plädoyer wäre vermutlich aussagekräftiger, hätte sie nicht parallel für die Industrie geworben, die ihren Profit aus einem einseitigen Frauenbild schlägt.

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