Monarch als Geldwäscher? : Neue Vorwürfe gegen Juan Carlos

Spaniens früherer König muss sich gegen immer heftigere Vorwürfe wehren. Er wird wegen Korruption bezichtigt und bringt seinen Sohn Felipe in Bedrängnis.

Bislang schweigt Juan Carlos.
Bislang schweigt Juan Carlos.Foto: Curto de la Tore/AFP

Die neusten Enthüllungen über die Finanzgeschäfte von König Juan Carlos, bis 2014 Spaniens Staatsoberhaupt, erinnern an Szenen aus einem Kriminalfilm. Nach Aussagen seines Schweizer Vermögensverwalters soll Juan Carlos im Frühjahr 2010 in Genf mit einem Koffer voller Dollarnoten im Wert von 1,7 Millionen Euro aufgetaucht sein, um diese Summe auf seinem Schweizer Geheimkonto einzuzahlen. Es war nur eine von mehreren Millionenzahlungen, die Juan Carlos in der Schweiz versteckt haben soll. War Spaniens früherer Monarch ein Geldwäscher?

Die brisanten Informationen, welche die spanische Zeitung „El País“ verbreitet, stammen aus einem Ermittlungsbericht der Staatsanwaltschaft in Genf. Diese schickte im Zuge der Amtshilfe ihre Erkenntnisse über Juan Carlos geheimes Konto an Spaniens Nationalen Gerichtshof, der wegen des Verdachts der Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Korruption ermittelt.

Nach Angaben des Schweizer Vermögensverwalters, der von den Genfer Ermittlern verhört wurde, war das Geld in dem Koffer „eine Schenkung“ des Königs des Ölstaates Bahrain, Scheich Hamad bin Isa Al Chalifa. „Juan Carlos ist ein geschätzter Mann in den Golfstaaten“, soll der Vermögensverwalter bei seiner Vernehmung erklärt haben. Also nur ein großzügiges Geschenk des Emirs von Bahrain?

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Es ist kein Geheimnis, dass Juan Carlos bis heute freundschaftliche Beziehungen zu den wenig demokratischen Herrschern der Golfstaaten unterhält, die er gerne als „meine arabische Brüder“ bezeichnet.

Die Ermittler in der Schweiz und in Spanien hegen derweil einen anderen Verdacht: Sie schließen nicht aus, dass das in Genf geparkte Vermögen aus illegalen Quellen stammen könnte. Zum Beispiel aus Schmiergeldern. Und zwar, um Juan Carlos für seine Vermittlerdienste bei der Einfädelung von Geschäften zwischen der spanischen Industrie und etlichen Golfstaaten zu entlohnen.

Die Geldzahlung aus Bahrain ist nur eine von mehreren fragwürdigen Transaktionen. Die Ermittler stießen auf eine weitere „Schenkung“ in Höhe von 100 Millionen Dollar, wie bereits im März die Zeitung „Tribune de Genève“ enthüllte. Danach überwies das saudische Finanzministerium 2008 die Summe auf das königliche Genfer Konto. Ein Konto, das formell einer Briefkastenfirma in Panama gehörte, aber deren Begünstigter Juan Carlos war. Vier Jahre später musste der König dieses Konto wegen der verschärften Schweizer Geldwäschegesetze schließen. Einen Großteil des Vermögens überwies er deswegen, laut Ermittlungsbericht, auf ein Schweizer Konto seiner damaliger Geliebten Corinna zu Sayn-Wittgenstein.

Ermittler sehen Indizien, dass er in der Schweiß Millionengelder gewaschen hat

Die Fahnder prüfen offenbar eine weitere verdächtige Millionenzahlung, dieses Mal aus Kuwait, die im Jahr 2010 über das Konto von Sayn-Wittgenstein geflossen sein soll – wenige Tage nach einem Kuwaitbesuch von Juan Carlos. Dabei soll es sich um rund fünf Millionen Dollar des kuwaitischen Herrscherhauses handeln, die Sayn-Wittgenstein als Honorar dafür bekommen haben will, dass sie bei der Anbahnung von Geschäftskontakten behilflich gewesen sei. Sie habe das Geld dann an Juan Carlos weitergeleitet, sagte sie. Angeblich, um einen Kredit zurückzuzahlen, den ihr der Monarch zuvor gewährt habe.

Die Ermittler arbeiten mit einer anderen Theorie: Sie sehen Indizien dafür, dass Juan Carlos in der Schweiz Millionengelder gewaschen und vor den Behörden versteckt hat. Dafür sprechen frühere Erklärungen Sayn-Wittgensteins, die sie 2015, nach dem Ende ihrer Beziehung zu Juan Carlos, gegenüber einem spanischen Polizeioffizier machte. In dem Gespräch, das ohne ihr Wissen aufgezeichnet wurde, beklagt sie sich über illegale Praktiken von Juan Carlos: Er habe Kommissionen für seine Vermittlerdienste in den Golfstaaten verlangt. Und er habe ihre Bankkonten benutzt, um Geldflüsse zu verschleiern.

Spaniens König Felipe sah sich wegen der Enthüllungen inzwischen gezwungen, mit seinem Vater zu brechen. Der 52-Jährige versicherte in einer öffentlichen Erklärung, von all dem nichts gewusst zu haben. Juan Carlos, der aus der Öffentlichkeit schon länger verschwunden ist, zieht es derweil vor zu schweigen.

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