Schauspieler Georg Uecker legt Biographie vor : Als er in der "Lindenstraße" einen Mann küsste, war der Skandal da

"Ich mach dann mal weiter!" ist der Titel der Biografie von Georg Uecker, in der er nicht nur vom ARD-Eklat 1990, sondern auch von seinem Horror-Jahr erzählt.

Schauspieler Georg Uecker hat seine Lebensgeschichte veröffentlicht.
Schauspieler Georg Uecker hat seine Lebensgeschichte veröffentlicht.Foto: Gaby Gerster/Promo

Im März 1990 hat Georg Uecker als Schauspieler in der ARD-Serie „Lindenstraße“ einen Skandal ausgelöst: Er küsste in der Sendung leidenschaftlich einen Mann – und erhielt Morddrohungen. Nun hat der bekennende Homosexuelle seine Lebensgeschichte aufgeschrieben. In dem Buch „Ich mach dann mal weiter!“, das am Donnerstag erschienen ist, wolle er „die ganze Geschichte erzählen, in meinen Worten und mit meiner Zeit“, sagte Uecker. Über ein Leben mit Höhen und Tiefen: „Bei mir waren die Ausschläge nach oben und unten oft sehr extrem“, sagte der 55-Jährige.

Sein Tabubruch im deutschen Fernsehen, als seine Serienfigur in der „Lindenstraße“, Carsten Flöter, einen Mann küsste, habe zwar heftige negative Reaktionen ausgelöst, so Uecker. Man dürfe aber nicht vergessen: „Die schweigende Mehrheit fand diesen Kuss gut oder er war ihnen egal. Diese Leute rufen ja aber nicht im Sender an.“

Er will Unterhaltung und das ernste Fach verbinden

Georg Uecker hat ZDF-Shows wie „Kaffeeklatsch“ und „Blond am Freitag“ mitentwickelt, die Sat.1-Improvisationscomedy „Schillerstraße“ moderiert, und er spielt Theater. Er wolle Unterhaltung und das ernste Fach miteinander verbinden. „Es gibt punktuelle Erfolge, wie zum Beispiel viele meiner Bühnenshows.“

1993 war Ueckers privates Horror-Jahr: Sein Partner John, „die große Liebe“, starb an Aids. Uecker erfuhr wenig später, dass er selbst an Lymphdrüsenkrebs erkrankt und dass auch er HIV-positiv ist. Der Öffentlichkeit blieb das bis vor eineinhalb Jahren verborgen. „Es war schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um die Erkrankung publik zu machen. Ich wollte agieren statt zu reagieren“, sagte Uecker. Im Juli 2016 sei dann für ihn der richtige Zeitpunkt gekommen. Im Gespräch mit Journalisten des Magazins „Schwulissimo“ habe er über seinen Gesundheitszustand gesprochen: „Entspannt und beiläufig, aber offen.“

Ratschläge zum Coming-out gibt er nicht

Als Folge daraus sei das Buch „Ich mach dann mal weiter!“ entstanden. „Ich habe nicht geahnt, dass mein Bekenntnis in ,Schwulissimo’ so hohe Wellen schlagen würde. Es gab viele Reaktionen, teils sehr bewegend.“

Als Teenager hatte Georg Uecker seine Homosexualität entdeckt und bekannt. Er sei vorsichtig, anderen Ratschläge zum Coming-out zu geben. „Jede Geschichte ist schließlich anders. Bei manchen sind die Umstände schwieriger, als sie es bei mir waren.“ Viele empfinden es seiner Meinung nach jedoch als Befreiung, kein Doppelleben führen zu müssen. (epd)

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