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Schneechaos in Bayern und Österreich : 17.000 Menschen im Bundesland Salzburg von Außenwelt abgeschnitten

In Alpennähe schneit es weiter stark, in Bayern gab es allein in der Nacht 24 Unfälle. In Österreich sind mehrere Orte durch den Schneefall abgeschnitten.

Straßenlaterne im bayerischen Oberstdorf
Straßenlaterne im bayerischen OberstdorfFoto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Wegen des anhaltenden Schneefalls spitzt sich die Lage in Österreich zu. Nach der Sperrung weiterer Straßen sind allein im österreichischen Bundesland Salzburg insgesamt rund 17.000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Wie die Behörden berichteten, wurde am Sonntagabend auch die Straße nach Obertauern wegen Lawinengefahr gesperrt.

Im Ort Rauris allein warteten 3000 Einheimische und 2000 Gäste auf die Aufhebung der dortigen Straßensperren. Die Orte Unken, Lofer, St. Martin und Weißbach nahe der deutschen Grenze seien ebenfalls nicht mehr erreichbar. Gefahr drohe den Eingeschlossenen aber nicht. „Sie alle sind medizinisch versorgt und wohlauf“, sagte Markus Kurcz, Einsatzleiter des Landes.

Auch in Tirol und in Vorarlberg waren bei Touristen beliebte Skiorte wegen der großen Neuschneemengen von der Außenwelt abgeschnitten - darunter Ischgl, Sölden, Lech und Zürs. Bis zum Montagabend soll in vielen Regionen teilweise mehr als ein Meter Schnee fallen. Durch den heftigen Sturm sind große Verwehungen zu erwarten. Die örtlichen Lawinenkommissionen wollen am Montagfrüh erneut über die Lage beraten. Laut Vorhersage der Meteorologen wird sich ab Dienstag die Situation wieder deutlich entspannen.

Nach einem Lawinenabgang ist der Wintersportort Balderschwang im Oberallgäu von der Außenwelt abgeschnitten. Rund 1300 Einwohner und Touristen sitzen dort fest, wie die Polizei Oberstdorf am Sonntag mitteilte. Der Riedbergpass wurde bis auf weiteres gesperrt. 40 Menschen wurden vom Skigebiet Grasgehren in Sicherheit gebracht.

Am Sonntagmorgen war eine Lawine zwischen Gschwend und Balderschwang abgegangen. Durch die Schneemassen wurde eine Straße über eine Länge von rund 150 Metern komplett mit Schnee zugeschüttet. Die Zufahrt Richtung Österreich ist ebenfalls nicht mehr möglich. Am Sonntagvormittag wurde dann auch der Riedbergpass gesperrt. Die Versorgung der in Balderschwang eingeschlossenen Menschen sei sichergestellt, erklärte die Polizei.

Auch in Bayern geht das Schneechaos weiter

Auch das seit Tagen andauernde Schneechaos in den bayerischen Alpen ist noch nicht vorbei. Seit der Nacht zum Sonntag schneite es in den Katastrophenregionen im Süden des Freistaates weiter. Im Allgäu sperrten die Behörden die Zufahrt zur Gemeinde Balderschwang wegen Lawinengefahr. Bei Plusgraden begann es zudem ortsweise zu tauen. Dadurch könnte der Schnee nass und schwer werden - eine zusätzliche Belastung für die Hausdächer. Nach dem Besuch von Markus Söder (CSU) am Samstag in Bad Tölz machte sich am Sonntag Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Berchtesgaden ein Bild der Lage.

25 Zentimeter Neuschnee in Teisendorf, 30 Zentimeter in Ruhpolding und 21 Zentimeter in Garmisch verzeichnete der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Morgen. Die Menschen in den fünf oberbayerischen Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Traunstein, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und Berchtesgadener Land - in denen seit Tagen der Katastrophenfall gilt - mussten demnach mit zusätzlichen Schneemassen zurechtkommen. Am Montagmorgen soll die Schneefallgrenze von zuletzt 600 bis 800 Metern auf 500 Meter sinken.

Die Experten rechneten zudem mit starken Böen, die tagsüber Verwehungen und Schneebruch auslösen könnten. Von Montag an soll es wieder kälter werden - dann könnte örtlich mehr als ein Meter Neuschnee fallen. In den Alpen herrscht erhebliche Lawinengefahr.

„Die Bundeswehr bleibt so lange, wie sie gebraucht wird“, sagte von der Leyen bei ihrem Besuch in Berchtesgaden. Allein in dem Landkreis halfen rund 400 Soldaten, wie Presseoffizier Eckhard Michel sagte. Insgesamt waren im Freistaat 1700 Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 im Freistaat im Schnee-Einsatz. Zusätzlich halfen Soldaten des IT-Bataillons 293, der Streitkräftebasis, des Sanitätsdienstes und der Luftwaffe. Mehrere Tausend Helfer von Feuerwehren, Bayerischem Roten Kreuz, Bereitschaftspolizei und weiteren Organisationen schaufelten Dächer frei, räumten Straßen und sicherten Bäume.

So eingeschneit ist Bayern
Einsatzkräfte der Bundeswehr befreien das Dach eines Wohnhauses von Schneemassen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 21Foto: dpa/Matthias Balk
12.01.2019 16:25Einsatzkräfte der Bundeswehr befreien das Dach eines Wohnhauses von Schneemassen.

Auch außerhalb von Bayern macht das Wetter Probleme. Wegen heftiger Schneeverwehungen ist die Fahrt mit der Brockenbahn auf den höchsten Berg des Harzes eingestellt worden. Am Sonntagmorgen wurde entschieden, dass vorerst keine Dampfloks von Schierke zum Gipfel fahren würden, wie eine Mitarbeiterin der Harzer Schmalspurbahn (HSB) sagte.

Am Samstag war erneut ein Zug mit Fahrgästen im Schnee stecken geblieben. Dampflok und Passagiere wurden wieder ins Tal gebracht. Bereits am Dienstag kam eine Dampflok auf dem Weg zum Gipfel nicht weiter und musste tagelang freigeschaufelt werden.

Unfälle und Straßensperrungen in Niederbayern

In Niederbayern führte der Neuschnee in der Nacht zum Sonntag in Niederbayern zu zahlreichen Unfällen und Straßensperrungen, Polizei und Feuerwehr verzeichneten deswegen mehr als 150 Einsätze. Wie die Polizei mitteilte, gab es bis zum Morgen 24 Unfälle. Ein Mensch wurde schwer verletzt. Vielerorts stürzten - etwa in den Landkreisen Deggendorf und Straubing-Bogen - Bäume auf die Straßen, weil das Gewicht des Schnees zu groß war. Etliche Straßen seien deswegen nicht passierbar. Bergungsarbeiten sind den Angaben zufolge für die Helfer derzeit zu gefährlich, weil weitere Bäume umstürzen könnten.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Samstag angekündigt, 500 weitere Bereitschaftspolizisten in die betroffenen Gebiete zu schicken. Sie sollen vor allem helfen, die Dächer einsturzgefährdeter Gebäude freizuschaufeln. „Es gibt keinen Anlass zur Panik, aber schon zu ernster Besorgnis“, hatte Söder bei einem Besuch in Bad Tölz gesagt. Insgesamt sind seinen Angaben nach dann 5000 Kräfte im Einsatz.

Die Polizei in Niederbayern hat die Straßen zum Ski- und Langlaufgebiet in Sankt Englmar gesperrt. Die Schneelast auf den Bäumen sei zu hoch, teilte die Behörde mit. Im Skigebiet am Arber im Bayerischen Wald wurde der Liftbetrieb ebenfalls eingestellt und im Nationalpark Bayerischer Wald sind die Nationalparkzentren Lusen und Falkenstein samt Tierfreigelände bis Dienstag gesperrt.

Der Bahnverkehr ist erheblich eingeschränkt. Zwischen Kempten und Lindau sperrte die Bahn die Strecke komplett. „Räumversuche mit Schneefräse und Schneepflug sind gescheitert“, teilte die Bahn mit. Ein Ersatzverkehr ist wegen starken Schneefalls nicht möglich. Auf der Hauptstrecke zwischen München und Kempten kommt es den Angaben zufolge im Fern- und Nahverkehr zu erheblichen Verspätungen. „Von Reisen ins Allgäu wird abgeraten.“

In Kempten im Allgäu sperrte die Stadt am Samstagabend wegen der Schneelast vorsorglich elf Sporthallen. Diese sollen bis einschließlich Dienstag geschlossen bleiben, weil durch die angekündigten Niederschläge mit noch höherem Gewicht auf den Dächern zu rechnen sei, teilte ein Sprecher der Stadt am Samstag mit.

An zahlreichen Schulen in Ober- und Niederbayern sowie im Allgäu fällt auch am Montag der Unterricht aus, weil ein sicherer Schulweg nach Behördenangaben nicht gewährleistet ist. In den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Oberallgäu sowie der Stadt Kempten findet bis einschließlich Dienstag kein Unterricht statt. Im Landkreis Traunstein wurde bis mindestens Mittwoch schneefrei gegeben. (dpa)

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