Suizidversuch : Mutmaßlicher Mörder nicht vernehmungsfähig

Nach seinem Selbstmordversuch kann der mutmaßliche Mörder des kleinen Mitja vorerst nicht vernommen werden. Die Ärzte im Krankenhaus nannten den Zustand des Mannes "stabil, aber weiter kritisch."

Leipzig - Vor dem Haftrichter äußerte sich der 43-Jährige Uwe K. nicht zu dem Vorwurf, er habe den Neunjährigen sexuell missbraucht und ihn dann erstickt. Sollte sich sein Zustand weiter stabilisieren, sei unter Umständen eine erste Befragung am Wochenende denkbar. Der Mann hatte nach tagelanger Flucht versucht, sich am Donnerstag mit einem Sprung vor eine Straßenbahn unweit des Tatorts das Leben zu nehmen.

Zahlreiche Organe gequetscht

"Sein Zustand ist stabilisiert, kann aber schlagartig wieder zur Lebensgefahr werden", sagte der leitende Chefarzt, Arved Weimann. Da am Oberkörper zahlreiche Organe gequetscht wurden, sei das Ausmaß der Verletzungen erst nach Tagen erkennbar. "Für eine Vernehmung muss man über längere Zeit konzentriert einem komplexen Sachverhalt folgen können. Das ist bei Uwe K. nicht der Fall." Die Staatsanwaltschaft hofft, den Mann "so schnell wie möglich" vernehmen zu können.

Unterdessen haben die Ermittler anhand der Spuren Tathergang und die fünftägige Flucht des mutmaßlichen Mörders weiter rekonstruiert. "Angaben dazu werden wir aber nicht machen, da es sich um Täterwissen handelt, dem wir nicht vorgreifen wollen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ricardo Schulz. Er wollte einen Bericht der "Bild"-Zeitung nicht kommentieren, dass die Tat in der Wohnung des mutmaßlichen Mörders begangen wurde. Der Zeitung zufolge hat Uwe K. die Leiche mit einem Fahrradanhänger zu seiner Laube transportiert, wo sie am vergangenen Samstag gefunden wurde. Bei den Knochenfunden auf dem Grundstück des Mannes handele es sich um Schweineknochen.

Sechs Beamte halten Wache

Der 43-Jährige soll nicht vor Montag in ein Haftkrankenhaus verlegt werden. "Er wird mindestens das Wochenende noch im Klinikum Sankt Georg bleiben", sagte Chefarzt Weimann. Das Haftkrankenhaus sei für die Versorgung durch Lungenspezialisten nicht ausgelegt, ergänzte Lungenspezialist Axel Skuballa. Das Pflegeteam bestehe überwiegend aus männlichen Pflegern. "Diese besondere Situation bedarf eines erhöhten und speziellen Personalaufwandes", sagte Skuballa. Kontakt und Gespräche seien auf medizinische Fragen beschränkt. Neben dem Haftrichter habe der 43-Jährige nur mit einer katholischen Klinik-Seelsorgerin gesprochen.

Bis zu seiner Verlegung wird Uwe K. nach Polizeiangaben von sechs Beamten in Zivil bewacht. Chefarzt Weimann versicherte: "Eine Flucht ist ausgeschlossen. Auch die Gefahr eines neuen Selbstmordversuchs besteht nicht." Ein Haftrichter hatte mit dem Tatverdächtigen am Donnerstagabend für 20 Minuten gesprochen. "Er bekam die Gelegenheit, sich zu äußern, schwieg jedoch zum Tatvorwurf", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Schulz. Ihm sei dann der Haftbefehl wegen Mordes verkündet worden.

Gefährliche Straftäter könnten schon bald stärker kontrolliert werden. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) sagte dem Sender MDR Info am Freitag, die Bundesregierung habe die Defizite erkannt. Zypries zufolge soll die Führungsaufsicht in bestimmten Fällen unbefristet verlängert werden. "Zum Beispiel, wenn ein Täter einer Therapieanweisung nicht nachkommt." Die Gerichte sollen ferner mehr Möglichkeiten erhalten, gefährlichen Straftätern nach ihrer Haftentlassung Auflagen zu erteilen. (tso/AFP)

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