Isherwood-Ausstellung im Schwulen Museum : Ein unwahrscheinliches Paar

Das Schwule Museum untersucht in der Ausstellung "My Dearest Sweet Love" die Beziehung von Christopher Isherwood und Don Bachardy.

Ingolf Patz
Isherwood und Bachardy 1954 in einem Privatvideo.
Isherwood und Bachardy 1954 in einem Privatvideo.Foto: N.N. Mit freundlicher Genehmigung von Don Bachardy

Er ist der ewige Ehrenbürger Berlins. Der anglo-amerikanische Schriftsteller Christopher Isherwood erlebte als junger schwuler Mann im Berlin der dreißiger Jahre sein sexuelles und künstlerisches Erwachen und ließ es hier ordentlich krachen, bis die Nationalsozialisten der Szene den Garaus machten.

In seinen Kurzgeschichten und Romanen trug Isherwood den Berlin-Mythos in die Welt und inspirierte später das Musical „Cabaret“, das immer noch regelmäßig in Berlin zu sehen ist (Tipi am Kanzleramt 12.7 bis 15.9.). Auch als Isherwood 1939 in die Vereinigten Staaten emigrierte, trug er die Berliner Jahre in sich. Der Kontrast zum American Way of Life setzte ihm zu.

Das änderte sich erst, als er 1952 mit 48 den 18-jährigen Don Bachardy kennenlernte. Eine Skandalbeziehung, die Isherwood offen führte, lange bevor er in seinen autobiografisch gefärbten Werken ähnlich deutlich werden konnte und eine prominente Figur amerikanischen Schwulenbewegung wurde.

Bachardy zeichnete seinen sterbenden Geliebten

Die Ausstellung „My Dearest Sweet Love: Christopher Isherwood & Don Bachardy“ im Schwulen Museum (Sa 15.6. bis Mo 26.8., Mo/Mi/ Fr/So 14-18 Uhr, Do 14-20 Uhr, Sa 14-19 Uhr) untersucht die politischen und künstlerischen Dimensionen dieser Partnerschaft. Bachardy entwickelte sich in Isherwoods künstlerischen Freundeskreis schnell zu einem renommierten Porträtmaler, Isherwood wurde durch eine Beziehungskrise zu seinem vielleicht besten Werk „A Single Man“ inspiriert. Die beiden blieben 33 Jahre ein Paar, bis zum Tod des Autors, den der Maler zeichnend dokumentierte.

Die von Kevin Clarke und seinem Team kuratierte Ausstellung zeigt Werke von Don Bachardy und Wayne Shimabukuros Schwarz-Weiß-Fotografien der letzten gemeinsamen Monate des Paares. Höhepunkte sind Lithografien und Zeichnungen des gemeinsamen Freundes David Hockney.
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