Die Tränen von Allah

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Oman : Die Gabe fürs Jesuskind
Dufte Ware im Basar
Dufte Ware im BasarFoto: Helge Bendl

„Schon im fünften Jahrtausend vor Christus wurde mit Weihrauch aus dem Dhofar gehandelt. Die Blütezeit war dann kurz vor der Jahrtausendwende, als große Häfen entstanden und die halbe Welt mit dem Duftstoff beliefert wurde“, erzählt Ali Salim Al-Kathiri. Mediziner nutzten es zur Wundreinigung und zur „Stärkung von Geist und Verstand“.

Vor allem aber kam es bei kultischen Handlungen zum Einsatz: Die Ägypter heiligten ihre Begräbnisstätten mit Weihrauch, bevor die mumifizierten Pharaonen ihre Reise ins Reich der Toten antraten. Als römischer Kaiser hatte man Anrecht auf eine Weihraucheskorte.

Kaiser Nero soll wie bei vielem den Ritus auf die Spitze getrieben und eine Jahresproduktion an Weihrauch verbrannt haben, um seine verstorbene Frau zu ehren. Königin Saba brachte ihn Salomon als Geschenk mit. Später schätzte man den Duft auch im Islam und huldigte dem Weihrauch mit dem Ehrennamen „Tränen Allahs“.

Auch die Heiligen Drei Könige hatten Harz dabei

In der christlichen Liturgie hat der aus anderen Kulten übernommene Weihrauch bis heute einen festen Platz. Schon im griechisch-römischen Kult kam ihm eine religiöse Bedeutung zu. Der Rauch des verbrannten Harzes wird zum Zeichen für das nach oben steigende Gebet und die Verehrung Gottes. Im römischen Reich wurde auch dem als göttlich verehrten Kaiser Weihrauch geopfert. Auch die Heiligen Drei Könige hatten, so beschreibt es der Evangelist Matthäus, das wohlriechende Harz dabei.

Als die Weisen aus dem Morgenland geführt vom Stern von Bethlehem zum neugeborenen „König der Juden“ pilgerten, kamen sie nicht mit leeren Händen, sondern beschenkten den Messias mit den kostbarsten Gütern ihrer Zeit: „Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.“

Heute machen neue Weihrauchöl-Kreationen Furore

Im Oman des 21. Jahrhunderts ist der Weihrauch immer noch ein beliebtes Geschenk, auch für Normalsterbliche. Doch die Verehrung für das „weiße Gold“ treibt derweil neue Blüten. Trygve Harris ist eine professionelle Duftjägerin wie Jean-Baptiste Grenouille im Roman „Das Parfum“ – allerdings sympathischer und weniger mörderisch. Mithilfe eines selbst gebauten Destillierapparats füllt sie omanischen Weihrauch als ätherisches Öl ab –verkauft wird in Salalah, aber auch in einem Laden in New York.

Wirklich verblüfft hat die Amerikanerin die Omaner jedoch mit einer Kreation, bei der man sich den Duft der Region auf der Zunge zergehen lassen kann. Seit dem Sommer ist ihre handgemachte Schöpfung der Renner im ganzen Land und deswegen ständig ausverkauft.

„Ich nehme Weihrauch von den Klippen über dem Strand von Mugsayl, der ist ganz schwarz. Und die Milch, die Sultan Qabus ibn Said in seiner Molkerei herstellen lässt“, verrät sie. Zusätzliche Aromen verwendet sie keine. Trotzdem schmeckt ihre Erfindung nach fruchtiger Orange, nach kühlem Kampfer und nach scharfem Pfeffer. Und der Duft? Der ist beim Weihraucheis natürlich ebenso verführerisch.

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